"Wir haben alle Untersuchungen durchgeführt": Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs wollen die Verkehrsbetriebe alles richtig gemacht haben.
Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) haben am Freitag erneut Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Einsturz des Stadtarchivs bestritten. "Wir haben alle Untersuchungen durchgeführt, die die Regeln der Technik erfordern", sagte der KVB-Projektleiter für den U-Bahn-Bau, Rolf Papst.
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Mit einem Bagger werden am Freitag in Köln die Reste der Nachbarhäuser des eingestürzten Historischen Stadtarchivs abgerissen. (© Foto: dpa)
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Zuvor hatte die KVB eingeräumt, dass die Bodenbeschaffenheit an der Unglücksstelle während der Arbeiten nicht neuerlich überwacht worden war. Dies entspräche auch "nicht der gängigen Praxis", so Papst. Zuletzt sei der Boden vor Baubeginn untersucht worden.
Ohnehin hätten auch fortlaufende Bodenanalysen nach Auffassung von Papst die Katastrophe nicht verhindern können. "Wenn wir zehn Minuten vor dem Ereignis Messungen durchgeführt hätten, wären keinerlei Auffälligkeiten festgestellt worden", behauptete Papst. Das Unglück sei "eine nicht aufgeklärte Havarie, die sich in keinster Weise angekündigt hat".
Unstrittig ist derzeit nur, dass in das gut 900 Quadratmeter große unterirdische Bauwerk vor dem Stadtarchiv, in das eine Gleiswechselanlage gebaut werden soll, erhebliche Massen Wasser und Erde eingedrungen waren. Diese Erdverschiebung hatte dem Stadtarchiv den Grund genommen, infolgedessen kippte das Gebäude gleichsam vornüber.
"Der Boden ist lose - das ist das Problem"
An der Unglücksstelle behinderten heftiger Dauerregen und der aufgeweichte Grund die Rettungsarbeiten. "Der Boden ist lose - das ist das Problem", sagte Feuerwehrdirektor Stephan Neuhoff. Aufgrund mangelnder Statik musste am Freitagabend zudem ein weiteres Wohnhaus vorsichtig abgetragen werden, ehe mit der Suche nach den beiden weiterhin vermissten Männern unter den Trümmern begonnen werden sollte.
In dem Schuttkegel sind nach Aussage des Kölner Kulturdezernenten Georg Quander auch noch 90 Prozent der wertvollen Materialien aus dem Stadtarchiv begraben. Das bisher geborgene Archivgut wurde derweil teilweise ins Historische Archiv des Kölner Erzbistums verbracht.
Unterdessen wurde bekannt, dass zumindest der Inhalt der bedeutendsten Dokumente gerettet ist. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat in den vergangenen Jahren etwa 1,2 Millionen Seiten aus Dokumenten des Kölner Archivs auf Mikrofilm gespeichert, in luftdichte Edelstahlbehälter verpackt und im Barbarastollen eines ehemaligen Silberbergwerkes in Oberried bei Freiburg eingelagert.
Dort befindet sich unter 200 Metern Granit und Gneis der sogenannte Zentrale Bergungsort der Bundesrepublik. Aus dem Kölner Archiv lagern vor allem mittelalterliche Handschriften sowie Urkunden aus dem 10. bis zum 19. Jahrhundert. Zwar stellen diese Dokumente nur einen Bruchteil des möglicherweise verlorengegangenen Archivmaterials dar, nach Angaben der Stadt Köln sollen sie jedoch die höchste historische Bedeutung haben.
In Köln werden diese Dokumente auf absehbare Zeit nicht zu sehen sein. Am Freitag teilte die Direktorin des Stadtarchivs, Bettina Schmidt-Czaia, mit, "dass wir jetzt für Jahre geschlossen sind".
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(SZ vom 07.03.2009/af)
Frauen in Saudi-Arabien
"...entspräche auch nicht der gängigen Praxis".
Wenn vorher beinahe eine Kirchenturm einstürzte, könnte man die gängige Praxis auch mal ändern. Sicherheitsbehörden erhöhen selbstverständlich die Kontrollen, wenn die Gefahr steigt, Bauaufsichten machen das offenbar nicht. Es handelt sich ja nicht um unbwohnte Höhlen, sondern um ein dichtbesiedeltes Gebiet.
Es ist eine schwarze Farce, die die Kölner Verwaltung hier aufführt. Leider sind dabei wahrscheinlich zwei Menschen getötet und wichtiges Kulturgut vernichtet worden.