Nach dem Tod des Vergewaltigungsopfers Indien begeht stillen Jahreswechsel

Schock über den Tod der brutal vergewaltigten Studentin: Indiens Militär, Hotels und Clubs in Delhi sagen Silvesterpartys ab. Statt lauten Feiern finden Mahnwachen statt. Die Regierung will Strafen für Sexualverbrechen neu bewerten.

Angesichts des Schocks über den Tod einer brutal vergewaltigten Studentin sind in Indien zahlreiche Silvesterfeiern abgesagt worden. "Die indische Armee, Luftwaffe und Marine haben entschieden, alle geplanten Partys zum neuen Jahr abzusagen", sagte ein ranghoher Beamter des indischen Verteidigungsministeriums am Montag der Nachrichtenagentur AFP. "Sie wollen den letzten Tag des Jahres dem Opfer der Gruppenvergewaltigung widmen." Der Beamte betonte, die Absage der Feierlichkeiten sei "freiwillig" geschehen und nicht vom Ministerium angeordnet.

Auch Hotels und Bars fuhren ihr Silvesterprogramm wegen des Verbrechens an der 23-jährigen Studentin zurück. Die Economic Times berichtete, bei privaten Hotels seien Buchungen für Partys zurückgegangen, weil den Menschen nach dem furchtbaren Verbrechen nicht nach Feiern zumute sei.

Auch große Traditionsclubs in der Hauptstadt Delhi sagten ihre Silvesterpartys ab. "Unsere Mitglieder glauben, dass es nicht der richtige Zeitpunkt für eine laute Feier ist", sagte der Vorsitzende des 7000 Mitglieder starken Vasant-Vihar-Clubs, Sudhir Mittal. Stattdessen sollte am Abend in Gedenken an das 23-jährige Opfer eine Kerzenmahnwache abgehalten werden.

Der ebenso große, 99 Jahre alte Gymkhana-Club strich seine traditionelle Silvesterparty ebenfalls. Dort treten zum Jahresende normalerweise Bollywood-Stars auf. Man trauere gemeinsam mit dem Rest des Landes um die junge Frau, die am Samstag an ihren Verletzungen gestorben war, sagte Club-Chef O.P. Malhotra. Die Mitglieder seien stattdessen eingeladen, an einer Mahnwache teilzunehmen.

Diskussion über sexuelle Gewalt gegen Frauen

Die Studentin war am 16. Dezember in einem Bus in Delhi von sechs Männern brutal vergewaltigt und misshandelt worden. Auch ihr Freund wurde schwer verletzt. Am Samstag erlag die junge Frau in einem Krankenhaus in Singapur ihren Verletzungen, am Sonntag wurde sie in Delhi eingeäschert. Die Täter sind wegen Mordes angeklagt. Der Vorfall löste in Indien eine Diskussion über sexuelle Gewalt gegen Frauen aus und führte zu heftigen Protesten.

Auch heute versammelten sich rund 400 Studenten in Delhi, um einen besseren Schutz von Frauen sowie härtere Strafen für Täter zu fordern. Vor dem Hintergrund der Proteste gab Regierungschef Manmohan Singh eine Neubewertung der Strafen für Sexualverbrechen in Auftrag. Medienberichten vom Montag zufolge könnte Singhs Kongresspartei ein Strafmaß von 30 Jahren Haft sowie eine chemische Kastration für Vergewaltiger vorschlagen. Der Familie der Studentin sagte die Regierung eine Entschädigung von 1,5 Millionen Rupien (20.000 Euro) zu.

Delhi gilt als "Hauptstadt der Vergewaltigungen". Nach Polizeiangaben wird im Durchschnitt alle 18 Stunden eine Vergewaltigung angezeigt. Heute wurde von den Behörden eine neue 24-Stunden-Hotline für "Frauen in Not" eingeführt.