Schlechte Sicht, hohes Tempo, geringer Abstand - auf der Autobahn A 2 rasen 259 Autos ineinander. Dutzende Insassen sind verletzt.
Es war die größte Massenkarambolage, die die Autobahnpolizei Braunschweig in ihrem Streckenbereich erlebt hat. Am frühen Sonntagabend sind auf der der als besonders unfallträchtig geltenden Autobahn A 2 zwischen Braunschweig und Peine auf rund 30 Kilometern 259 Autos in insgesamt 73 Auffahrunfälle geraten. 82 Menschen wurden dabei verletzt, darunter auch Kinder.
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Etwa 340 Rettungskräfte waren im Einsatz. Sie versorgten in Zelten auf der gesperrten Autobahn A 2 die Verletzten und transportierten die beschädigten Fahrzeuge ab. (© Foto: Reuters)
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Die zehn Schwerverletzten, die in Rettungshubschraubern von der Autobahn geholt werden mussten, waren am Montag außer Lebensgefahr. Für die Verletzten wurde eine Sammelstelle auf einem Parkplatz eingerichtet, von der aus sie in umliegende Krankenhäuser verteilt wurden. Notfallseelsorger betreuten die Reisenden, für die der Urlaub oder Wochenendausflug mit einem Schock endete.
"Das war ein Trümmerfeld, wie ich es noch nicht vorher gesehen habe", sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr Braunschweig, Torge Malchau. "Wir hatten großes Glück, dass am Sonntag noch keine Lkws unterwegs waren." Möglicherweise hätte es dann auch Tote gegeben. Polizeifotos zeigen, dass auf der dreispurigen Autobahn teilweise mehr als zwölf Autos pro Spur ineinanderkrachten. Augenzeugen nennen als Ursache der Serienunfälle vor allem das Wetter. Eine Regenfront mit heftigen Niederschlägen behinderte den dichten Verkehr. Auf den Anzeigetafeln wurde die Geschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde beschränkt.
"Gleißendhelles Sonnenlicht"
Ein Fahrer, der unfallfrei nach Hause kam, berichtet, dass gegen 19 Uhr die genau in Fahrtrichtung untergehende Sonne plötzlich hinter einer dunklen Wolke aufgetaucht sei. Die Gischt der vorausfahrenden Autos habe "mit einem Schlag gleißend hell" aufgeleuchtet. Zusammen mit der Spiegelung des Sonnenlichts auf der regennassen Fahrbahn sei die Sicht "plötzlich von 500 auf null Meter" gesunken. Auch von Aquaplaning als Unfallursache war die Rede.
Am Montagmorgen sieht die Polizei, die jeden einzelnen Aufprall rekonstruiert und die Daten auswertet, die Dinge ein wenig anders. Der Leiter der Autobahnpolizei Braunschweig, Hubert Schwaninger, sagt, die Autofahrer hätten ihr Fahrverhalten unzureichend an die Wetterlage angepasst: In vielen Fällen seien sie mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen. Auch die Abstände zu den Vorausfahrenden seien viel zu gering gewesen.
Schlechte Sicht, geringer Abstand
Schlechte Sicht, hohes Tempo, geringer Abstand - das sind nach Angaben von Verkehrsexperten fast immer die Ursache für Massenkarambolagen. So auch im März 2005, als bei plötzlich aufkommendem Nebel auf der A 96 München-Lindau mindestens 100 Fahrzeuge ineinanderrasten. Bilanz: 25 Verletzte. Bei einem Unfall mit insgesamt 100 beteiligten Fahrzeugen auf der A 7 Fulda-Würzburg gab es im Jahr 2000 zwei Tote und 70 Verletzte. Ursache war auch in diesem Fall dichter Nebel und überhöhte Geschwindidkeit. Bei einem der folgenschwersten Massenunfälle auf deutschen Autobahnen starben 1990 auf der A 9 Berlin-Nürnberg elf Menschen: 200 Fahrzeuge rasten bei dichtem Nebel ineinander. Mehr als 70 Menschen wurden verletzt.
"Die A 2 hat als Ost-West-Achse ein sehr hohes Verkehrsaufkommen, aber solche Unfälle haben ein ganzes Bündel von Ursachen," sagt der Fachbereichsleiter Verkehr des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, Hermann Fedrowitz. "Nach unseren Informationen wirbelte Gischt auf, deshalb war es für die Fahrer bei tiefstehender Sonne wie ein Blindflug." Auf jeden Fall rät er dazu, in solchen Situationen auf der Autobahn den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.
Überhöhte Geschwindigkeit
Leider verhalten sich die Menschen auf deutschen Autobahnen ganz anders, als sich ADAC und Polizei das vorstellen. Die Braunschweiger Autobahnpolizei beobachtet sonntagabends immer die gleiche Verkehrssituation, so auch kurz vor der Karambolage am Sonntag. Viele Langstreckenpendler aus dem Osten fahren ihren Jobs im Westen entgegen. Es herrscht dichtes Gedränge und dennoch bleiben die Geschwindigkeiten hoch - die Pendler kennen ihre Strecke und viele wollen schnell ans Ziel kommen. Zwischen Lehrte und Braunschweig, wo die meisten Unfälle passierten, gilt Tempo 120, offenbar waren viele Autofahrer weitaus schneller unterwegs.
Die Polizei geht davon aus, dass es in einigen Fällen zu Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung kommt. Die Unfallberichte lassen Schlüsse über Abstände, Geschwindigkeiten und Unfallverursacher zu. Hubert Schwaninger rechnet damit, diese "Puzzlearbeit" in vier bis sechs Wochen abzuschließen. Drei Ermittler sitzen an der Aufklärung der Massenkarambolagen. Auf der dreispurigen A 2 setzt die niedersächsische Polizei seit Ende 2007 eine digitale Abstandsüberwachungstechnik ein. Die Beamten stellen dabei pro Stunde durchschnittlich 80 Verstöße fest.
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(SZ vom 21.07.2009/abis)
Erdstöße der Stärke 5,8 in Emilia-Romagna
Die Frage:: müssen Straßen tatsächlich so gebaut werden, damit auch das übelste Fehlverhalten (und dazu zähle ich überhöhte Geschwindigkeit mit und ohne Sichtbehinderung, auf jeden Fall aber zu geringe Abstände) möglichst wenig Folgen hat? Mit dem gleichen Argument wurde beispielsweise auch versucht, die Alleen abzuholzen, weil dort immer die bösen Bäume im Weg rumstehen, wenn einer mal "zufällig" aus der Spur fliegt...
Ironie beiseite. Ich bin an der B1 im ländlichen NRW aufgewachsen. Die hat man in den 70er Jahren zu einer schnurgeraden Superpiste ausgebaut, mit jeder Menge Ampeln für all die Dörfer/Bauernhof-Ansammlungen, die durch die Piste brutal zerschnitten wurden und in denen es ansonsten lebensgefährlich gewesen wäre, die Straße zu kreuzen. Hinzu kamen breite Seitenstreifen, Geschwindigkeitbegrenzungen für jede Einmüdung, und und und. Was passierte? Genau. Die schweren Unfälle nahmen zu, denn jetzt fuhren die Leute noch schneller... Das Einzige was einigermaßen half, war eine rigide "Blitz"-Politik - bis heute von den üblichen Verdächtigen übrigens gerne als "Abzocke" gegeisselt....
Sicht von 500 auf Null und das von jetzt auf gleich.
Doch das gibt es. Ich habe es vor Jahren auf einer Fahrt von Berlin nach Aachen selbst erlebt. Die Verhältnidsse waren dabei ähnlich. Allerdings war Winter, es war Schnee gefallen und die A2 war mit Salz gestreut. Der vorausfahrende Verkehr schleuderte mir das Salzwasser auf die Windschutzscheibe wo das Salz sofort auskristallisierte. Meine Scheibenwischer konnten den Dreck gar nicht so schnell wegräumen wie der nach kam.
Ich habe auf dieser Strecke insgesamt meinen Wassertank für die Scheibenwischer dreimal nachfüllen müssen.
Bei Magdeburg riss dann plötzlich die Bewölkung auf und die tiefstehende Sonne schien auf die Windschutzscheibe. Und auf einmal war die ohnehin schlechte Sicht weg. Passiert war damals zum Glück nichts. Die A2 war dichtbefahren aber wg. der Nässe war die Geschwindigkeit sowiso bei unter 80 km/h. Alle Autofahrer vor (wie hinter mir) haben sehr diszipliniert und langsam die Fahrt weiter gesenkt (bis der ganze Verkehr mit 20 km/h daherkroch) und es gab keine Unfälle. Ich habe damals auch einige Fahrer gesehen, die aus dem Seitenfenster geschaut haben, weil durch deren Windschutzscheibe einfach nichts mehr zu sehen war.
Ich will die Probleme "zu geringer Abstand" und "überhöhte Geschwindigkeit" nicht wegdiskutieren. Aber Aquaplaning muss nicht sein. Heutzutage gibt es Fahrbahnbelege, die Regen- und Schmelzwasser aufnehmen und unter die Fahrbahn ableiten. Die A2 hat diesen Belag aber leider nicht überall. Wer mal bei Regen auf so einem belag gefaren ist und danach in die Gischt eintaucht die der vorausfahrende Verkehr auf einer reinen Betonfahrbahn erzeugt kennt den Unterschied. Aber für diese, die Sicherheit erhöhende Massnahme, ist natürlich kein Geld dar.
das sind die kleinen Nischen für die Privilegierten:
Freie Fahrt für Reiche. Befreiung von der Erbschafts- und Vermögensteuer.
Dagegen 6 Monate Jugendstrafe ohne Bewährung für mehrfaches Schwarzfahren.
Ein angemessener Ausgleich.
mir ein Rätsel warum in Deutschland, in dem ja nun wirklich ALLES regelmentiert ist, ausgerechnet die Autobahn, als einzige auf der Welt vermutlich - aber sicher in Europa, davon ausgenommen ist. Ich finde, die Chancen bei Tempo 180 ins Grass zu beissen (im wahrsten Sinne des Wortes) ungleich höher als bei Tempo 120. Aber in der Tat schon überraschend, dass niemand ums Leben gekommen ist auf dieser Strecke.
Schlimmste Strecke in D inklusive "Kasseler Berge"
Soweit mir bekannt kriegt man bei automatisch festgestellten Abstandsvegehen in aller Regel später, irgendwannmal einen Brief in dem einem eine Strafe eröffnet wird. Teilweise werden jetzt auch schon Geschwindigkeitskontrollen "blitzfrei" ausgerüstet, so auch im neu eröffneten Richard-Strauss-Tunnel hier in München.
Ich halte das für grundfalsch. Wenn der Ansatz in der Bestrafung bei einer Verhaltensänderung und nicht nur beim Abgreifen von Geld liegen soll ist eine SOFORTIGE Sanktionierung das Beste, denn dann kann der Betroffene noch einen Zusammenhang zwischen einem konkreten Verhalten und einer Bestrafung für sich herstellen.
Wenn die regelmässigen Pendler merken daß ihr zu schnelles Fahren regelmässig zu richtig teuren Strafen und letztlich zum temporären Verlust ihres Führerscheins führt werden die wahrscheinlich schon irgendwannmal anfangen nachzudenken. Und wenn z.B. regelmäßig anders positionierte Blitzer im Sekundentakt rot aufleuchten wird das wohl die Durchschnnittsgeschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer ebenfalls senken.
Was jedoch alles nichts an den Verantwortlichkeitsverhältnissen ändert: Leute die auf der Autobahn in gefährlichen Situationen (Regen, wolkenverhangener Himmel...) rücksichtslos rasen setzen mehr oder weniger bewusst das Leben von Mitmenschen auf´s Spiel, und das in aller Regel nur weil sie zu faul waren rechtzeitig los zu fahren.
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