Tragödie auf der Loveparade 21. Todesopfer - Frau stirbt im Krankenhaus

Eine 25-Jährige ist ihren Verletzungen erlegen. 21 Besucher sind damit der Massenpanik bei der Loveparade zum Opfer gefallen. Indes werden die Beweise gegen die Organisatoren der Party immer zwingender.

Das Drama von Duisburg hat einen weiteren jungen Menschen das Leben gekostet: In einem Essener Krankenhaus starb in der Nacht eine 25-Jährige an den Folgen ihrer Verletzungen. 21 Partybesucher sind damit der Massenpanik bei der Loveparade zum Opfer gefallen. Die Obduktionen ergaben, dass die zu Tode Gekommenen von den Massen erdrückt wurden.

Trauer nach der Tragödie: In einem Essener Krankenhaus ist eine weitere junge Frau ihren schweren Verletzungen erlegen.

(Foto: ddp)

Unterdessen scheinen die Beweise immer zwingender, dass die Organisatoren des Techno-Events grob fahrlässig handelten - und Warnungen im Vorfeld ignorierten. So mahnte Klaus Schäfer, Leitender Branddirektor bei der Dortmunder Feuerwehr, die Duisburger Stadtverwaltung nach einem Bericht der Bild-Zeitung bereits im März 2010 eindringlich, die Pläne für die Loveparade seien vollkommen unzureichend.

"Das ist der blanke Irrsinn"

Im Frühjahr habe Schäfer, der die Techno-Party 2008 in Dortmund mitorganisiert hatte, an der Veranstaltung "Risiko und Planung einer Großveranstaltung" in Duisburg teilgenommen. Dort habe man ihm das Sicherheitskonzept für Duisburg vorgelegt, berichtet das Blatt. "Das waren Luftbilder und Skizzen. Als ich sie sah, sagte ich sofort: 'Das geht überhaupt nicht. Wer das geplant hat, ist behämmert. Das ist der blanke Irrsinn.'"

Der Dortmunder Feuerwehrmann bemängelte nach eigener Aussage vor allem den geplanten Zugang zum Festgelände über den Tunnel und die Rampe. "Ich habe gesagt: 'Wenn da viele rauf und runter wollen, gibt es Tote.'"

Auch habe er dem Duisburger Organisationsteam auf der Tagung seine Bedenken in Bezug auf die Größe des Geländes mitgeteilt. "Dann sagten die leitenden Beamten: 'Das sehen wir auch so, aber unsere ignoranten Vorgesetzten und die Dezernenten wollen das trotzdem durchziehen. Es geht um enormen politischen Druck. Die Parade muss auf jeden Fall stattfinden'", berichtete Schäfer der Bild-Zeitung.

Der massiv unter Kritik stehende Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland (CDU), hatte zuletzt alle Vorwürfe zurückgewiesen, er habe Warnungen ignoriert. Auch einen Rücktritt lehnt der 55-Jährige ab. An der für Samstag geplanten Trauerfeier für die Opfer der verhängnisvollen Massenparty wird Sauerland jedoch nicht teilnehmen: Er wolle "die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren", sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung der Rheinischen Post.

Loveparade-Organisator: "Diese Bedenken wurden gelöst"

Doch nicht nur die Stadt steht nach der Katastrophe unter Beschuss: Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat sich auch der Veranstalter des Megaevents mehrfach über Bedenken von Behörden hinweggesetzt. Die Lopavent GmbH um Fitnessunternehmer Rainer Schaller soll Warnungen ignoriert haben, die darauf hinwiesen, dass das Sicherheitskonzept für die Party auf völlig falschen Berechnungen aufgebaut gewesen sei.

Schaller selbst sagte in einem Interview mit der Bild-Zeitung, man habe die Bedenken im Vorfeld der Parade in gemeinsamen Gesprächen ausgeräumt. "Fakt ist auch: Diese Bedenken wurden gelöst - sonst hätte keiner der Beteiligten zugestimmt." Der 41-Jährige gab zu, die am Unglückswochenende kursierende Besucherzahl von 1,4 Millionen sei aus PR-Gründen publik gemacht worden.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) will an diesem Mittwoch einen vorläufigen Bericht zum Duisburger Unglück veröffentlichen.