Anne S. stand in den kritischen Minuten vor der Treppe, von der die Menschen in den Tod stürzten. Im Gespräch mit sueddeutsche.de berichtet sie von ihrer Todesangst.
sueddeutsche.de: Sie standen am Samstag Nachmittag um 17 Uhr mitten auf der Treppe neben dem Tunnel, als die Massenpanik ausbrach. Wie geht es Ihnen?
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"Sie können sich nicht vorstellen, wie voll und wie eng es war", erinnert sich eine Augenzeugin. (© AP)
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Anne S.*: Jeder Atemzug tut weh. Mein Brustkorb wurde so zusammengequetscht, dass ich immer noch Schwierigkeiten habe, Luft zu holen. Außerdem habe ich Verletzungen an den Beinen, aber insgesamt habe ich ein riesiges Glück gehabt, überhaupt lebend da heraus gekommen zu sein. Ich dachte wirklich, das überlebe ich nicht. Dass es nun heißt, nicht der Tunnel, sondern die Treppe war die kritische Stelle, überrascht mich nicht. Das war die einzige Stelle, an der die Menschen überhaupt vom Gelände fliehen konnten.
sueddeutsche.de: Wieso konnten die Leute nicht durch den Tunnel gehen?
Anne S.: Im Tunnel ging nichts mehr vor und nichts zurück. Er war der einzige Zugang zum Gelände, das ohnehin schon sehr voll war. Deshalb hat die Polizei eine Kette gebildet, so dass niemand mehr vom Fleck kam. Gleichzeitig drängten von beiden Seiten immer mehr Leute, die entweder raus wollten so wie wir, oder noch hinein auf das Gelände. Wir haben bestimmt anderthalb Stunden auf dem Platz vor dem Tunnel gewartet, ohne dass sich etwas tat. Auch über die Seiten kam niemand weg, weil rechts und links eine Mauer auf den Tunnel zulief, die immer höher wurde. An der Stelle, an der ich stand, war sie schon vier Meter hoch. Es gab einfach kein Entkommen, es war wie ein Gefängnis. Ich habe die ganze Zeit gebetet und gehofft, dass die Leute ruhig bleiben würden.
sueddeutsche.de: Aber das taten sie nicht.
Anne S.: Sie können sich nicht vorstellen, wie voll und wie eng es war. Völlig Fremde drückten ihre Gesichter mitten in meins, niemand konnte sich drehen und wenden. Die ersten sind in dann in ihrer Panik das Metallgestell für die Lautsprecherboxen hochgeklettert. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, dass von ihnen die eigentliche Gefahr ausgeht. Sie schwankten hin und her und ich habe geglaubt, sie würden umfallen und uns begraben.
Gleichzeitig hatte ich so einen furchtbar trockenen Mund. Der Boden vor dem Tunnel bestand nur aus Kies, Schotter und Staub. All das wurde aufgewirbelt und niemand bekam mehr Luft. Ich hielt zwar die ganze Zeit eine Wasserflasche in der Hand, aber ich konnte meinen Arm einfach nicht heben. Ich habe den Kopf in den Nacken gerissen, um überhaupt atmen zu können, aber es ging nicht. Dann dachte ich: Unten, an den Beinen der Leute, da ist es nicht so voll, ich lasse mich jetzt einfach niedersinken. Aber dann wäre ich zertrampelt worden.
Neben mir stand eine junge Frau, die ein ganzes Stück kleiner war als ich. Sie ist mit jeder Minute ein Stück tiefer gesackt und ich habe die ganze Zeit in ihre ängstlichen Augen geschaut - aber ich habe sie nicht zu fassen bekommen. Ich weiß nicht, was aus ihr geworden ist. Als alle in Richtung Treppe drängten, habe ich sie aus den Augen verloren.
sueddeutsche.de: Die Treppe, von der Sie sprechen, war eigentlich mit einem Bauzaun abgesperrt. Sie hätte gar nicht als Ausgang genutzt werden sollen.
Anne S.: Dafür war die Treppe auch viel zu schmal, dort konnte immer nur einer gehen. Aber die Menschen haben den Bauzaun einfach niedergetreten. Dabei haben sich viele ziemlich schwer verletzt, die Treppe war später voller Blut. Diejenigen, die es dann auf die Stufen geschafft haben, sind dann einfach stehen geblieben - dabei war das doch die einzige Möglichkeit für uns, von dort wegzukommen!
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"Es gibt keine bösen Menschen" – Gutachterin Hanna Ziegert entscheidet, ob Verbrecher im Gefängnis oder in der Psychiatrie landen. Ein Job-Porträt Jetzt lesen ...
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> Alf vom Jupiter schreibt Kette an welcher Stelle?
> An welcher Stelle hat die Polizei eine Kette gebildet? Am Eingang
> zum Tunnel oder am Ausgang?
Wenn ich das richtig verstanden habe, war der Tunnel Ein- und Ausgang zum Gelände. Alle Menschen mussten dort lang. Bei viel Verkehr mussten die sich zwangsläufig im Weg stehen und sich gegenseitig blockieren!
Das ist doch schon auf jedem Weihnachtsmarkt zu bemerken. Für den Theoretiker und Technokraten Michael Schreckenberg, der sich selbst für einen Panikforscher hält und immer noch meint, dass das Sicherheitskonzept ausreichend war, habe ich nur Verachtung übrig. Wenn das Unglück irgendwo auf freier Fläche passiert wäre, dann wäre es unvorhersehbar gewesen. Aber so eine Engstelle muss man doch von Druck frei halten!
An welcher Stelle hat die Polizei eine Kette gebildet? Am Eingang zum Tunnel oder am Ausgang? War die Position der Kette Teil des Sicherheitskonzepts (also vorheriger Planung) oder wurde das spontan entschieden?
Als ersten, möchte ich folgendes sagen! Schlimm genug!
Laut Medien wurde gegenseitig und einseitig beschrieben, dass vorallem der Veranstalter 100% verantwortlich schuld ist, denke ich eher nicht!
Kritik 1:
Der Veranstalter hätte schon längst in Duisburg nicht machen sollen, er wäre eine andere geeignete Ort finden müssen, um möglichst tunnelfreie, barrierefreie Zugänge ermöglichen! Aber eine 100%-Sicherheit gibt es nicht! Trotz Vorwarnung hätte lieber der Veranstalter ernst nehmen sollen und hätte lieber zweimal genauer hinschauen sollen!
Aber nein....
Kritik 2:
Schlimm genug, dass viele Loveparade-Besucher/innen trotz Warnungen nichts begriffen haben, dass in Duisburg nicht der richtige Ort ist! Trotzdem haben vielen mitgemacht, auf Kosten eigener Gesundheit und Sicherheit! Um sogenannte Live-, Erlebt-, Überlebung-Rituale mitzumachen! Da viele Loveparade-Besucher/innen mit so viel kopflos und blindlings rumtreibt, ist grundsätzlich selber schuld! Warum macht Ihr da mit? Mit gesundem Menschenverstand wäre dann mit viel Augenmaß, hätte sehen können, oder hören können, dass es nichts mehr geht, wäre nichts passieren dürfen! Wo bleiben auf Gegenseitigkeiten? Nur voller Ego! Wozu leben wir Internet-Zeitalter?
Aber nein....
Kritik 3:
Wie immer herrschen die sogenannte Bedauertheit- und Betroffenheitsrituale, haben anscheinend viele Loveparade-Besucher/innen nichts begriffen! Und erzählen danach so große Worte... und dazu kamen ach soviele sogenannte einige Panikexperten, Sicherheits-Experten und reden pausenlos in vollen Kommentaren ins Leere....
Was soll da sein?? Jeder Loveparade-Besucher/innen sind grundsätzlich mitverantwortlich für das ganze Ereignisse und hätte gewußt!
Kennen Sie mit drei Affen nach dem Motto?
nix sehen, nix sprechen, nix hören, oder?
Wirklich erschreckend, was Anne S. hier und der DJ im anderen Interview beschreiben.