Kurswechsel in der katholischen Kirche Deutsche Bischöfe erlauben "Pille danach"

Eine Entscheidung musste her: Bei ihrer Frühjahrsversammlung haben sich die deutschen Bischöfe mit der Frage befasst, ob katholische Krankenhäuser die "Pille danach" verschreiben dürfen. Ihre Antwort: Ja - aber nicht in jedem Fall.

Die katholischen Bischöfe in Deutschland billigen die Verhütungspille nach einer Vergewaltigung. Damit schloss sich die Deutsche Bischofskonferenz bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Trier der Linie des Kölner Kardinals Joachim Meisner an. Er hatte die "Pille danach" jüngst in seinem Erzbistum erlaubt. Meisner war vorgeprescht, nachdem die Behandlung einer vergewaltigten Frau von zwei katholischen Krankenhäusern in Köln abgelehnt worden war. Der Erklärung ging eine ausführliche Debatte innerhalb und außerhalb der Bischofskonferenz voraus.

Der Kurswechsel in der katholischen Kirche bei der "Pille danach" sei möglich geworden, weil neue Präparate mit anderen Wirkungsweisen auf den Markt gekommen seien, wie die Deutsche Bischofskonferenz mitteilte. Die Bischöfe erklärten, dass in katholischen Krankenhäusern Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung geworden sind, "selbstverständlich menschliche, medizinische, psychologische und seelsorgliche Hilfe erhalten. Dazu kann die Verabreichung einer 'Pille danach' gehören, insofern sie eine verhütende und nicht eine abortive Wirkung hat".

Tatsächlich funktioniert die heute in Deutschland ganz überwiegend verschriebene "Pille danach" "Ellaone" mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat so, dass sie den Eisprung hemmt oder verzögert. Um den Zeitpunkt des Eisprungs herum ist die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung am größten; mithilfe der "Pille danach" wird er um etwa fünf Tage verschoben - lange genug, um die Spermien außer Gefecht zu setzen. Damit verhindert dieses Präparat die Befruchtung - im Gegensatz zu früher üblichen Präparaten, die vor allem die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter verhinderten. (Detailreiche Informationen auf den Seiten des Berufsverbands der Frauenärzte)

Davon distanzieren sich die deutschen Bischöfe nach wie vor. Ausdrücklich hieß es in der Erklärung: "Medizinisch-pharmazeutische Methoden, die den Tod eines Embryos bewirken, dürfen weiterhin nicht angewendet werden." Auf jeden Fall sei die Entscheidung der betroffenen Frau zu respektieren, so die Bischöfe. Sie kündigten weitere klärende Gespräche mit Medizinern und Beratern an. Die katholische Kirche unterscheidet sich in ihrer Auffassung über den Beginn einer Schwangerschaft deutlich vom Staat: Für den Gesetzgeber beginnt eine Schwangerschaft erst bei der Einnistung der befruchteten Eizelle.

In einer ersten Reaktion hat die Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Flachsbarth, die Entscheidung der Bischöfe gelobt. Sie hätten die "Zeichen der Zeit" gut erkannt. Mit ihrer differenzierten Haltung zur "Pille danach" hätten die Bischöfe künftige Missverständnisse ausgeräumt, indem sie die ärztliche Verantwortung im Einzelfall gestärkt haben. So gebe es keine Abstriche an der unmissverständlichen Ablehnung der Abtreibung und gleichzeitig sei im Einklang mit der kirchlichen Lehre ein Ausweg für Frauen in einer verzweifelten Situation gefunden worden.

Hat der Papst sein Einverständnis erklärt?

In Trier ging es auch um die Frage, mit welchen vatikanischen Stellen Meisner seinen Kurs abgestimmt hatte. Presseberichte, wonach er die Zustimmung des Papstes eingeholt habe, korrigierte Meisner. In der Erklärung der Bischofskonferenz heißt es nun, der Kardinal habe seine Stellungnahme vom 31. Januar 2012 "im Benehmen mit der Kongregation für die Glaubenslehre und der Päpstlichen Akademie für das Leben" abgegeben.

Die Pressemeldungen über eine angebliche Zustimmung des Papstes hatten wiederum ein inoffizielles Dementi von Papstsekretär Georg Gänswein ausgelöst, das in konservativen Kirchenkreisen heftig diskutiert wurde.