Kriminalität Welche Bedenken es gibt

Wesentlich besser ließe sich heute bestimmen, in welcher Region ein Mensch seine Wurzeln habe, erklärt Forensiker Lutz Roewer vom Institut für Rechtsmedizin an der Charité Berlin. Bei Opfern, deren Identität nicht anderweitig bestimmt werden könne, werde die Herkunft schon heute mittels DNA überprüft. Bei Tätern ist man dagegen vorsichtiger: "Das Thema Kriminalität in Verbindung mit Abstammung gilt in Deutschland aus nachvollziehbaren Gründen als heikel", so Roewer. Nur in einem Fall habe sein Institut auf Beschluss eines Richters bislang die Herkunft eines Täters bestimmt.

Roewer sieht keine Probleme darin, bei schweren Verbrechen künftig mit Hilfe von Genspuren nachzuweisen, aus welcher Region ein Täter kommen könnte. Möglicherweise hätte das der Polizei im Fall von Freiburg sogar geholfen. Als ein Hinweis von vielen. Bislang kann man aber nicht sagen, ob ein mutmaßlicher Täter aus der Türkei oder Aserbaidschan kommt, lediglich dass seine DNA auf den westasiatischen Raum hinweist. Auch die mangelnde Präzision bei der Bestimmung der Haar- und Hautfarbe sieht er kritisch: "Da stellt sich natürlich immer die Frage: Was nützt so eine ungenaue Aussage der Polizei?", sagt Roewer.

Eine generelle Liberalisierung der Gesetze lehnt er ab. Eine Gesamtgenom-Analyse, bei der zum Beispiel auch die Veranlagungen für Krankheiten errechnet werden können, hält er für überzogen: "Solche intimen Daten sind zu schützen und gehören nicht in die Hände der Polizei."

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Vorbehalte wegen Fehleranfälligkeit

Auch Politiker haben Bedenken: Derartige "Ermittlungen sind hochkomplex und deshalb gibt es keine Wundermittel", sagt Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand. Es handele sich um hochsensible Daten, deren Nutzung auf schwere Straftaten begrenzt werden müsse. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Jan Korte meint: "Es ist falsch, die weitergehende DNA-Analyse zum Allheilmittel der Kriminalitätsbekämpfung auszurufen. Dazu ist sie zu fehleranfällig und riskant."

Die Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Antisemitismus, Rassismus und rechte Gewalt engagiert, ist gegen eine Ausweitung der DNA-Analyse. Für ihre Bildungsreferentin Golschan Ahmad Haschemi fällt eine Auswertung nach Haar-, Haut- und Augenfarbe unter das "Racial Profiling", bei dem jemand allein wegen seiner Rasse ins Visier der Ermittler gerät.

Im Fall Freiburg hätte eine solch weitergehende Analyse wohl sowieso nichts gebracht: Die markante Blondierung, die schließlich zum mutmaßlichen Täter führte, hätten die DNA-Analytiker nämlich gar nicht erkannt.

(Mit Material der Agenturen)

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