Katholische Krankenhäuser und Vergewaltigung Kardinal Meisner hält "Pille danach" für akzeptabel

Vor wenigen Wochen wiesen zwei katholische Krankenhäuser eine vergewaltigte Frau noch ab, nun hat Kölns Erzbischof Meisner reagiert. Die Gabe der "Pille danach" an Vergewaltigungsopfer sei aus seiner Sicht "vertretbar". Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.

Katholische Krankenhäuser im Erzbistum Köln dürfen vergewaltigten Frauen in bestimmten Fällen künftig die "Pille danach" verordnen. Das hat Erzbischof Joachim Meisner klargestellt. Wenn das Medikament "mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar", heißt es in einer Erklärung des Erzbischofs. Wenn die "Pille danach" die Einnistung bereits befruchteter Eizellen in der Gebärmutter verhindern solle, sei ihr Einsatz aber auch weiterhin nicht hinnehmbar.

Meisner hat auch nichts mehr dagegen einzuwenden, dass Ärzte vergewaltigte Frauen über Methoden zur Verhinderung einer Schwangerschaft und deren Zugänglichkeit aufklären, "die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind". Die Mediziner müssten aber "ohne irgendwelchen Druck auszuüben, auf angemessene Weise auch die katholische Position mit Argumenten erläutern".

Die Krankenhäuser reagierten erleichtert auf die Erklärung des Erzbischofs. "Es gibt also kein generelles Verbot der 'Pille danach' für Vergewaltigungsopfer", stellten sie fest. Die Erklärung nehme den Ärzten die in letzter Zeit entstandene Unsicherheit und berücksichtige ihre Eigenverantwortung. Auch Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) begrüßte die "klarstellenden Worte des Erzbischofs". Sie müssten für alle katholischen Kliniken in NRW Signalwirkung haben.

Kirche berücksichtigt neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Der Debatte um die "Pille danach" hatte sich an der Weigerung von zwei katholischen Kliniken in Köln entzündet, eine vergewaltigte Frau zu untersuchen. Die Frau war abgewiesen worden, weil die Ärzte befürchteten, gegen die Richtlinien der katholischen Kirche zu verstoßen, wenn sie bei der Untersuchung auf die "Pille danach" hinwiesen. Der Fall hatte heftige Kritik an der Haltung Meisners ausgelöst.

Mit seiner Erklärung berücksichtige Meisner neue wissenschaftliche Erkenntnisse, erläuterte die Pressestelle des Erzbistums. Bisher sei man davon ausgegangen, dass die Verhinderung der Einnistung das zentrale Wirkprinzip der "Pille danach" sei. Das sei offenbar nicht mehr Stand der Wissenschaft. Das müsse die Kirche in ihren Einschätzungen berücksichtigen.