Katholische Kirche Zweite Ehe bleibt Sünde

Die Tür bleibt zu: Kurien-Erzbischof Müller bekräftigt den Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener vom Empfang der Sakramente. Ausnahmen könne es in dieser Frage nicht geben - egal, was das eigene Gewissen der Gläubigen sage.

Von Matthias Drobinski

Keine Bewegung in Rom: Geschiedene, die wieder heiraten, sollen weiterhin in der katholischen Kirche nicht zu den Sakramenten zugelassen werden. Das hat jedenfalls Kurien-Erzbischof Gerhard Ludwig Müller bekräftigt, der Präfekt der Glaubenskongregation. Er hat sich damit indirekt gegen die im Erzbistum Freiburg angestrebte Praxis gewandt, Katholiken in zweiter Ehe unter bestimmten Umständen zu den Sakramenten zuzulassen.

In einem Beitrag für die Vatikanzeitung L'Osservatore Romano schreibt Müller, es könne in dieser Frage keine Ausnahme von der kirchlichen Lehre geben, auch wenn dies "in einer säkularisierten Umwelt häufig auf Unverständnis" stoße. Die Gläubigen dürften "nicht auf der Basis ihrer eigenen Gewissensüberzeugung" die Kommunion empfangen. Dem liege "ein problematischer Begriff von Gewissen" zugrunde.

Auch das Argument, die Kirche solle barmherzig sein, gelte nicht: "Die ganze sakramentale Ordnung ist ein Werk göttlicher Barmherzigkeit und kann nicht mit Berufung auf diese aufgehoben werden"; dadurch bestehe die "Gefahr einer Banalisierung des Gottesbildes, wonach Gott nichts anderes vermag, als zu verzeihen". Trotzdem sollten sich die Seelsorger um Geschiedene, die wieder heiraten, kümmern.

Handreichung sei nur ein "vorläufiger Impuls"

Papst Franziskus hat, anders als der Präfekt der Glaubenskongregation, mehrmals für Barmherzigkeit gegenüber Geschiedenen, die wieder heiraten, plädiert, zuletzt in einem großen Interview mit der Jesuitenzeitung Civilta Cattolica im September. Der Beitrag Müllers war bereits im Juni in der kleinen katholischen Zeitung Tagespost erschienen. Dass ihn nun der Osservatore Romano weltweit, in mehreren Sprachen und mit ausdrücklicher Genehmigung des Papstes bringt, gilt als Zeichen, dass zumindest Erzbischof Müller in diesem Text mehr als nur seine persönliche Meinung als Theologe dargestellt sieht - und als Distanzierung von der Freiburger Handreichung, deren Autoren sich wiederum ausdrücklich auf Franziskus berufen.

Allerdings hat sich in den vergangenen Tagen auch Erzbischof Robert Zollitsch, der nach seiner Emeritierung das Freiburger Erzbistum auf Widerruf leitet, von der Handreichung distanziert, als die bei Bischofskollegen auf Kritik stieß. In einem Brief an die deutschen Bischöfe schrieb er, die Handreichung sei nur ein "vorläufiger Impuls" und ohne sein Wissen von den Mitarbeitern vorab veröffentlicht worden. Der Text der Handreichung, die an alle Pfarrer verschickt wurde, hatte allerdings schon längere Zeit im Internet gestanden, bevor Journalisten auf ihn aufmerksam wurden.

Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff, der das Freiburger Seelsorgeamt bei der Verfassung der Broschüre beraten hatte, sieht Müllers Vorstoß gelassen: Er sei erstaunt über dessen Argumente, zumal der noch 1991 als Professor in München für einen flexibleren Umgang mit Katholiken in zweiter Ehe plädiert habe. Dass es bei diesem Thema verschiedene Meinungen gebe, sei klar. Schockenhoff: "Letztlich muss das der Papst entscheiden."