Katholische Kirche Kardinäle lehnen Zugeständnisse an Geschiedene ab

Geschiedene Wiederverheiratete zur Kommunion zulassen? Mehrere Kardinäle um Erzbischof Gerhard Ludwig Müller lehnen das ab.

(Foto: AFP)

Wie soll die katholische Kirche mit geschiedenen Wiederverheirateten umgehen? Darüber will Papst Franziskus in wenigen Wochen mit den Bischöfen beraten. Fünf hochrangige Kardinäle fordern schon jetzt, dass der Vatikan seiner bisherigen Linie treu bleibt.

  • Fünf konservative Kardinäle haben sich gegen eine Öffnung der katholischen Kirche für wiederverheiratete Paare ausgesprochen.
  • Papst Franziskus dagegen hatte angedeutet, den Umgang mit geschiedenen Katholiken reformieren zu wollen.

Kardinäle lehnen Reformen ab

Fünf hochrangige Kardinäle, unter ihnen der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, der Deutsche Gerhard Ludwig Müller, haben sich gemeinsam gegen Zugeständnisse der Kirche an geschiedene Katholiken ausgesprochen. In einem Buch fordern die Geistlichen dass der Vatikan seiner bisherigen Linie treu bleibt, wie italienische Medien berichteten. Entsprechenden Reformbemühungen innerhalb der katholischen Kirche erteilten sie eine Absage.

"Christus verbietet unzweideutig die Scheidung sowie die Wiederheirat", heißt es in dem Vorwort, berichtete der Corriere della Sera. "In der Wahrheit von Christus bleiben", so der Titel im Italienischen, soll am 1. Oktober erscheinen, wenige Tage vor Beginn eines Bischofstreffens zu Fragen der Familie und Sexualmoral in Rom. Das Treffen wird mit Spannung erwartet, weil es dabei unter anderem um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen geht. Diesen wird traditionell die Kommunion verweigert. In dem Buch wenden sich die Autoren dagegen, daran etwas zu ändern.

Papst Franziskus will Umgang mit Geschiedenen überprüfen

Die Autoren nehmen auch Stellung gegen den deutschen Papstvertrauten Walter Kasper. Der emeritierte Kurienkardinal hatte sich für eine "barmherzige Lösung" ausgesprochen, etwa durch Vergebung oder eine Zeit der Reue. Eine solche Haltung sei in der Kirche unbekannt, heißt es dagegen in dem Buch, an dem der Erzbischof von Bologna, Carlo Caffarra, zwei emeritierte Kurienkardinäle, der deutsche Walter Brandmüller und der Italiener Velasio de Paolis, sowie der Vorsitzende des Apostolischen Gerichtshofs, Raymond Burke mitgeschrieben haben.

Auch Papst Franziskus hatte mehrmals signalisiert, den Umgang mit Geschiedenen zu überprüfen. Am vergangenen Wochenende hatte er 20 Paare im Vatikan getraut und dabei auch ein Zeichen gegen die Traditionalisten gesetzt. Vor den Altar traten unter anderem eine ledige Mutter mit ihrem Partner sowie Paare, die schon länger ohne Eheurkunde zusammenlebten.