Kanada Krähe Canuck greift an

Sehr intelligent, sehr aggressiv: Canuck, die Krähe, ist in Vancouver ein Star. Dann kam der Postbote.

(Foto: Facebook)
  • Wegen einer Krähe wurde in einer Straße in Vancouver der Postbetrieb eingestellt.
  • Der Vogel hatte Briefträger angegriffen. Die Anwohner waren deshalb aufgefordert, ihre Briefe selbst abzuholen.
Von Hannes Vollmuth

Sie ist klug, sie ist schnell, sie ist rabenschwarz und unheimlich. Sie ist eine Alfred-Hitchcock-artige Figur mitten in Vancouver und inzwischen ein weltweites Medienphänomen. Sie heißt Canuck und ist die Krähe, wegen der die kanadische Post zu drastischen Maßnahmen greifen musste: Wegen Canuck wurde in einer Straße in Vancouver der Postbetrieb eingestellt.

Die Geschichte begann so: Ein Postbote wollte in Vancouver Briefe, Karten und Pakete zustellen, die ganze Nachbarschaft erwartete ihn schon. Canuck, die Krähe, mochte offenbar nicht, was sie da sah, den Postboten - also Sturzflug, Attacke. Anschließend blutete der Mann. Am nächsten Tag blieben die Briefkästen leer. Und am übernächsten Tag auch. Dann schaltete sich Shawn Bergmann ein.

Bergmann war einer der jetzt brieflosen Anwohner, gleichzeitig sagt der Mann aber auch von sich, dass er ein Freund von Canuck sei. Bergmann schrieb einen Brief an die kanadische Post, in dem er Boten vorschlug, einen gelben Sonnenschirm zu tragen, worauf man ihm aber antwortete: Die Sicherheit der Angestellten sei von "größter Wichtigkeit", die Menschen müssten ihre Post jetzt selbst abholen. Bergmann, das kann man sagen, war über diese Antwort nicht besonders froh. Wütend setzte er sich an den Computer und schrieb einen Facebook-Post.

Die Nachbarn sind stinksauer, einer wollte das Federvieh sogar töten

Was Bergmann in diesem Moment wahrscheinlich umtrieb, war die Arroganz seiner Mitmenschen. Der fehlende Respekt für die Bedürfnisse und Fähigkeiten dieser sehr besonderen Spezies. Krähen gehören zur Familie der Rabenvögel und damit zu den intelligentesten Tieren überhaupt. Zoologen schätzen, dass ihre Intelligenz nur knapp unter der von Menschenaffen liegt. Krähen rutschen auf dem Rücken schneebedeckte Dächer herunter, legen Nüsse zum Knacken auf Kreuzungen, reiten auf Wildschweinen, picken auf Autoreifen herum, um sich die herauszischende Luft ins Gesicht blasen zu lassen.

Raben und Krähen sind die Einsteins der Vogelwelt. Aber sie haben es schon auch faustdick hinter dem Gefieder. Canuck zum Beispiel war bereits vor der Postboten-Attacke keine Unbekannte. Im Januar 2016 fuhr die Krähe mehrere Stationen mit der Hochbahn der Stadt (wahrscheinlich schwarz). Kurze Zeit später tauchte Canuck an einem Tatort auf, schnappte sich vor den Augen der Polizisten ein Messer und flog davon. In letzter Zeit verkehrte Canuck gerne in einem örtlichen McDonald's und fraß Pommes von Tabletts.

Nachdem Canuck also dafür gesorgt hatte, dass zu zwölf Kanadiern kein einziger Brief mehr kam, spitzte sich die Sache weiter zu. Die Nachbarschaft war ziemlich sauer, einer soll sogar gesagt haben, er wolle das Vieh töten, auch wenn er wisse, dass das nicht möglich sei. Dann aber endete Canucks Brutzeit, die - wie Shawn Bergmann schon vermutet hatte - der wahre Grund für ihre Attacken war. Seit Kurzem kommt auch die Post wieder. Und Canuck, die unheimliche Krähe, hat inzwischen einen Facebook-Kanal.

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