Kanada Kampf um die Eisbären

Kanadische Inuit wollen sich nicht an die offizielle Jagdquote halten. Doch der Druck aus dem Ausland ist groß, seit der Eisbär ein Symbol für die Folgen der Erwärmung geworden ist.

Von Bernadette Calonego

Wenn es um die Jagd auf Eisbären geht, lassen die kanadischen Inuit nicht mit sich reden. Auf Betreiben der Regierung in Ottawa sollen künftig in der Region Baffin Bay nicht mehr als 64 Eisbären erlegt werden dürfen. Bisher waren 105 erlaubt.

Es gibt immer weniger Eisbären auf der Welt. Wissenschaftlern zufolge ist die Zahl der Eisbären in Baffin Bay in den vergangenen zehn Jahren von 2100 auf 1500 gefallen.

(Foto: Foto: AP)

Doch die Inuit-Vertreter drohen, die offizielle Jagdquote des Territoriums Nunavut einfach zu ignorieren. Die Region von Baffin Bay ist besonders umstritten, denn dort wird die Eisbärenpopulation mit Grönland geteilt. Die Europäische Union hat Eisbärfelle aus Baffin Bay bereits verboten, weil Wissenschaftler den dortigen Bestand für gefährdet ansehen.

Doch Ema Qaggutaq von der Jäger-Vereinigung in Kugaaruk hält wie die meisten Inuit die Eisbären für nicht vom Hunger bedroht - im Gegenteil: "Die meisten haben derzeit ziemliches Übergewicht", sagt er.

Er ist auch mit jenen Wissenschaftlern nicht einverstanden, die vor einem Rückgang der Eisbär-Population wegen der schmelzenden Eisdecke in der Arktis warnen. "Wir sehen keine Anzeichen davon", sagt Qaggutaq.

Er ist frustriert, dass jetzt das Eis in der Bucht gefriert und die Eisbären Jagd auf Robben machen. Die Inuit-Männer aus seinem Dorf müssen zu Hause bleiben, weil in diesem Winter die Jagd erst ab Januar erlaubt ist und nicht wie üblich ab Oktober.

Im vergangenen Jahr durften sie noch 24 Eisbären jagen, in diesem Jahr sind es nur noch zehn. "Wir sind nicht verantwortlich für die globale Erwärmung", empört sich Qaggutaq.

Das Umweltministerium von Nunavut wiederum glaubt seinen Wissenschaftlern, denen zufolge die Zahl der Eisbären in Baffin Bay in den vergangenen zehn Jahren von 2100 auf 1500 gefallen ist. Die Inuit halten jedoch die wissenschaftliche Zählmethode für sehr ungenau.

Gabriel Nirlungayuk von der Inuit-Organisation Tunngavik behauptet gar, vor 50 Jahren habe es in Nunavut gut 8000 Eisbären gegeben, heute seien es 15000. "Wir sind 365 Tage draußen und sehen heute mehr Bären denn je", sagt er. Aber es gebe viel Druck aus dem Ausland, seit der Eisbär ein Mediensymbol für die Folgen der globalen Erwärmung geworden sei. In den USA gelten die Eisbären seit Mai 2008 als "bedrohte" Spezies, und der Import von Eisbärfellen ist verboten.

Die Eisbärjagd jedenfalls ist eine wichtige Einkommensquelle für die Inuit. Trophäenjäger bezahlen bis zu 30.000 US-Dollar für das Fell eines erlegten Tieres. Nun haben amerikanische Jäger zusammen mit kanadischen Inuit-Gruppen eine Sammelklage gegen das US-Importverbot in Washington eingereicht.