Kampf gegen Epidemie Kanada liefert Ebola-Impfstoff an WHO

Kanada liefert ab Montag einen experimentellen Wirkstoff gegen Ebola an die WHO. Auch in anderen Laboren wird an einem Impfstoff geforscht.

(Foto: REUTERS)
  • Kanada liefert im Kampf gegen das Ebola-Virus von Montag an Impfstoff an die Weltgesundheitsorganisation (WHO).
  • Der Wirkstoff hat nach Angaben der WHO bei Tierversuchen vielversprechende Ergebnisse erzielt. Derzeit werde er noch an Menschen getestet.
  • Beim Weltgesundheitsgipfel in Berlin, der am Sonntag beginnt, ist die Ebola-Epidemie ein Schwerpunktthema.

Kanada liefert Impfstoff

Von Montag an stellt Kanada der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf einen Impfstoff gegen das Ebola-Virus zur Verfügung. Die WHO koordiniert den internationalen Kampf gegen das Virus. Die Substanz habe vielversprechende Ergebnisse in Tierversuchen erzielt und werde derzeit am Menschen getestet, teilte die Organisation mit. Der Wirkstoff sei das Ergebnis von zehn Jahren Forschung, teilte die kanadische Regierung mit.

Kanada hatte bereits im August angekündigt, den im eigenen Land entwickelten Impfstoff VSV-EBOV an die WHO für den Einsatz in Afrika zu liefern. Er befindet sich jedoch noch in kanadischen Laboren, weil beide Seiten über logistische und ethische Fragen gestritten hatten.

Wer damit behandelt werden soll

Die WHO will demnächst entscheiden, wie der experimentelle Wirkstoff weiter verteilt und eingesetzt wird. Die jetzt angekündigten 800 Einheiten des Mittels werden der kanadischen Regierung zufolge ab Montag in drei getrennten Lieferungen zum WHO-Sitz nach Genf gebracht. Sie würden während der gesamten Zeit unter äußerst niedrigen Temperaturen gelagert werden.

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Wie viele Menschen mit dem Impfstoff behandelt werden könnten, ist den Behörden zufolge unklar, weil es noch keine Erfahrungen gebe. Die Lizenz für die kommerzielle Nutzung des Impfstoffs hat das US-Unternehmen NewLink Genetics. Das Unternehmen hatte bereits im August erklärt, binnen ein oder zwei Monaten zehntausende Einheiten des Mittels herstellen zu können.

Andere Firmen forschen an ähnlichen Produkten

Gegen das Ebola-Virus gibt es noch kein Heilmittel. Auch zahlreiche andere Firmen forschen an ähnlichen Produkten. So teilte der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline am Samstag mit, entsprechende Forschungen kämen schneller voran als erwartet. Vorläufige Ergebnisse würden noch 2014 erwartet. Im Erfolgsfall könnte die Impfung von medizinischem Personal in Afrika Anfang 2015 beginnen.

Weltgesundheitsgipfel in Berlin beschäftigt sich mit Ebola

Am Sonntag beginnt in Berlin der Weltgesundheitsgipfel. Bei dem Treffen diskutieren bis Mittwoch Tausende Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft über aktuelle Entwicklungen in der Medizin. Ein Schwerpunktthema ist das Ebola-Virus und mögliche Strategien gegen die Epidemie.

Laut der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung lässt die Bundesregierung derzeit ein Spezialflugzeug für den Transport von Ebola-Patienten entwickeln, das ab Mitte November eingesetzt werden soll.

Der WHO zufolge sind bislang mehr als 4500 Menschen an Ebola gestorben, der größte Teil von ihnen in Westafrika. Die am stärksten betroffenen Länder sind Guinea, Liberia und Sierra Leone. Die Hilfsorganisation Oxfam warnte am Samstag, es gebe nur noch ein Zeitfenster von zwei Monaten zur Eindämmung der Epidemie.

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