Japan: Drohender Super-GAU Verzweifelter Kampf gegen die Katastrophe

In zwei Reaktoren des Atomkraftwerkes Fukushima-1 brennt es, und die Situation ist kaum noch zu kontrollieren: Die Strahlenbelastung steigt auf einen so hohen Rekordwert, dass die 50 letzten verbliebenen Arbeiter zeitweise das AKW verlassen mussten. Nun soll offenbar doch versucht werden, den Krisen-Meiler aus der Luft zu löschen. Unterdessen cancelt die Lufthansa bis auf weiteres alle Flüge zum internationalen Flughafen Tokio-Narita.

Alle Entwicklungen im Newsticker.

Nach dem Erdbeben und dem Tsunami herrscht in Japan weiter die Angst vor einer nuklearen Katastrophe: Derzeit brennen offenbar zwei Reaktoren und dürfen die Arbeiter aufgrund der Strahlengefahr nicht mehr die Reaktoren betreten.

01:54 Uhr

Auf den neuesten Bildern, die den Reaktoren 4 zeigen, ist noch viel weißer Rauch zu sehen. Und tatsächlich bestätigt Tepco, dass das Feuer entgegen ursprünglichen Meldungen doch noch nicht erloschen ist.

02:26 Uhr

Offenbar will die Betreiberfirma Tepco nicht nur mit Hubschraubern, sondern auch mit Feuerwehrfahrzeugen Wasser, das mit Borsäure versetzt wurde, in den Reaktorblock 4 sprühen. Damit solle verhindert werden, dass die Brennstäbe erneut einen kritischen Zustand erreichen. "Die Möglichkeit, dass die Situation wieder kritisch wird, ist nicht ausgeschlossen", hieß es in einer Stellungnahme des Betreibers

02:30 Uhr

Die Ursache für das zweite Feuer im Reaktor 4 soll nun ebenfalls eine Wasserstoffexplosion gewesen sein. Unterdessen berfürchtet die internationale Atombehörde IAEA, dass es auch bei den bisher unbeschädigten Reaktoren 5 und 6 zu Wasserstoffexplosionen kommen könne.

02:39 Uhr

Nach einem Bericht des Fernsehsenders Fuji TV steigt weißer Rauch auch über dem Reaktor 3 des AKW Fukushima auf.

02:57 Uhr

Die "Daily Yomiuri" vermeldet, dass China von nun an auf seinen Häfen und Flughäfen alle Waren aus Japan auf Radioaktivität testen wolle.

03:15 Uhr

Die radioaktiven Partikel in der Luft werden von Fukushima derzeit aus aufs Meer geweht. Der Wind habe in Richtung Südost/Ost gedreht und damit vom Land weg, sagte Meteorologe Marcus Beyer vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Ein Tief war zuvor über Japan hinweg nach Nordosten gezogen und hatte zwischenzeitlich die Luft auf die Hauptstadt Tokio zu getrieben. Zwischen dem Tief und einem Hoch im Südwesten bleibe die Wetterlage nun vorerst stabil, sagte Beyer. "Und das nicht nur für ein paar Stunden." Größere Regenmengen, die radioaktive Teilchen auswaschen könnten, seien bis zum Wochenende jedoch nicht in Sicht. In Japan herrschen derzeit Temperaturen um den Gefrierpunkt.

03:19 Uhr

Offenbar brennen derzeit sowohl der Reaktor 3 als auch der Reaktor 4. Die Brennelemente des Reaktoren 3 enthalten auch das hochgiftige Plutonium. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet, könnte der Rauch am Reaktor 3 direkt vom Behälter mit den Brennstäben kommen. Und in den Reaktoren 5 und 6 steigt die Temperatur weiter.

03:33 Uhr

Die radioaktive Strahlung am Atomkraftwerk Fukushima hat in der Nacht zum Mittwoch neue Rekordmarken erreicht. Es sei der Wert von 1000 Millisievert (1 Sievert) gemessen worden, berichtete Regierungssprecher Yukio Edano. Am Mittwochmorgen habe der Wert bei weiteren Messungen zwischen 600 und 800 Millisievert gelegen. 1000 Millisievert sind in Deutschland das Tausendfache dessen, was ein Mensch über ein ganzes Jahr hinweg an zusätzlicher Strahlung aufnehmen darf. Die Strahlung im Reaktor 3 ist laut Edano so hoch, dass Mitarbeiter des Atomkraftwerks das Gelände derzeit nicht betreten könnten. Die Regierung erwägt dennoch nicht, die Evakuierungszone rund um das AKW Fukushima I zu vergrößern.

03:44 Uhr

Wegen der hohen Strahlung müssen die Arbeiter ihre Tätigkeit im beschädigten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi aussetzen. Nach einem Anstieg der Strahlenbelastung müsse die Bewässerung der Reaktoren zur Kühlung der Brennstäbe vorerst eingestellt werden, sagte der japanische Regierungssprecher Yukio Edano.

03:44 Uhr

Der innere Reaktormantel von Block 3 im Atomkraftwerk Fukushima könnte beschädigt sein. Das sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Endgültige Klarheit gebe es darüber aber nicht.

03:54 Uhr

Die Japaner brauchen zum Kühlen des Atomkraftwerks Fukushima wohl Hilfe aus den USA. Unterstützung der US-Truppen könnte nötig sein, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Zudem sagte er, Reaktor 4 wie geplant per Hubschrauber zu löschen, sei zu gefährlich - und widersprach einmal mehr der Betreiberfirma.

04:17 Uhr

Südkorea will mit Borsäure helfen, die japanischen Atomreaktoren im Kraftwerk Fukushima zu stabilisieren. Der Stoff solle per Schiff nach Japan gebracht werden, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Das Meerwasser zur Kühlung der Reaktoren wird mit Bor versetzt. Die Chemikalie absorbiert Neutronen, verlangsamt die Kernspaltung und soll die Reaktoren so zusätzlich abkühlen. Manche Experten sehen den Einsatz von Bor aber auch kritisch.

04:26 Uhr

Nach den jüngsten Geschehnissen im schwer beschädigten japanischen Akw Fukushima 1 sind alle Arbeiter vorübergehend evakuiert worden. Die Entscheidung sei aufgrund der erhöhten Radioaktivität an der Atomanlage getroffen worden, sagte ein Vertreter der Behörde für Atomsicherheit am Mittwoch. Zuvor hatte die Regierung mitgeteilt, dass möglicherweise ein Teil der Schutzhülle von Reaktor 3 beschädigt worden sei.

04:49 Uhr

Verwirrung um die Evakuierungsanordnung für die Rettungskräfte, die im AKW Fukushima gegen den Super-GAU ankämpfen: Zunächst heißt es, sie müssten sofort das Gelände verlassen. Dann gibt es eine Meldung, nach der die Anordnung aufgehoben ist - weil der Strahlenwert angeblich sank.

05:01 Uhr

In der Region Kanto, in der auch die Hauptstadt Tokio lebt, gab es am Mittwoch wieder ein Nachbeben (Stärke: 6,0). Kurz vor 13 Uhr Ortszeit seien starke Erdstöße zu spüren gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Demnach lag das Zentrum des Bebens in zehn Kilometern Tiefe. Gebäude hätten gewankt. Es gebe aber keine Angst vor einem Tsunami.

05:13 Uhr

Reuters berichtet, dass die Verantwortlichen nun wieder auf Meerwasserspülungen setzen, um die Brennstäbe in den Reaktoren 1, 2 und 3 zu kühlen. Das würde auch eingesetzt, um die Temperaturen in den noch unbeschädigten, aber aufgehitzten Reaktoren 5 und 6 zu reduzieren.

05:24 Uhr

Nach dem Strahlungsaustritt aus dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi erwarten die Nachbarstaaten Japans keinen sofortigen Anstieg der Radioaktivität. Im Osten Russlands seien bislang keine erhöhten Strahlenwerte gemessen worden, teilte das russische Katastrophenschutzministerium am Dienstag mit. Auch Singapur meldete keine ungewöhnlichen Veränderungen des Strahlungsniveaus. Es komme nun vor allem auf Windstärke und -richtung an, sagte Atomexperte Jae Moo Sung von der Hanyang Universität in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Im Falle einer Kernschmelze könnte nach seiner Einschätzung jedoch auch die koreanische Halbinsel verstrahlt werden.

05:27 Uhr

Die Regierung sei bereit, die Reisreserven des Landes anzubrechen und wo nötig zu verteilen. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf das Landwirtschaftsministerium.

05:36 Uhr

Reuters meldet unter Berufung auf die japanische Atombehörde, der AKW-Betreiber Tepco versuche eine Straße zum Reaktor 4 zu bauen, damit Feuerwehrfahrzeuge den Meiler erreichen können.

05:37 Uhr

Frankreich fordert seine Bürger in Tokio auf, das Land zu verlassen oder sich nach Südjapan zu begeben. Man habe die Air France gebeten, bei der Evakuierungsaktion zu helfen. Zwei Maschinen seien bereits auf dem Weg.

06:06 Uhr

Die Anordnung zur Evakuierung des AKW Fukushima-1 ist offenbar wieder aufgehoben. Das berichtet Reuters unter Berufung auf die Atombehörde. Zuvor sei die Strahlung wieder gesunken.

06:16 Uhr

Mindestens 1,6 Millionen Haushalte sind nach den Naturkatastrophen in Japan noch immer ohne fließend Wasser. Das berichtete der japanische TV-Sender NHK unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Zuvor hatte NHK bereits gemeldet, dass 76.000 Gebäude beschädigt und mindestens 6300 weitere komplett zerstört seien. Mindestens 440.000 Menschen lebten in 2400 Notunterkünften. Dort mangele es teilweise an Wasser und Essen. Im Nordosten seien außerdem 850.000 Haushalte ohne Strom.

06:36 Uhr

Südkorea will einen Teil seiner Reserven des Halbmetalls Bor nach Japan schicken, um damit die beschädigten Atomreaktoren in Fukushima zu stabilisieren. Die Chemikalie absorbiert Neutronen, verlangsamt die Kernspaltung und soll die Reaktoren so zusätzlich abkühlen. Südkorea werde auf Bitten Japans 52 Tonnen Bor in das Nachbarland schicken, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Seoul. Die Chemikalie, die mit Meerwasser gemischt wird, soll in den nächsten Tagen per Schiff geliefert werden.

06:45 Uhr

Regierungssprecher Yukio Edano hat die Bevölkerung aufgerufen, keine Panikkäufe von Benzin und anderen Brennstoffen zu tätigen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. In den Erdbebengebieten gingen diese Stoffe zur Neige und die Regierung tue ihr bestes, um die Menschen dort weiterhin zu versorgen.

06:49 Uhr

Die japanische Atomkatastrophe hat in der Millionenmetropole Hongkong Verwirrung ausgelöst. In E-Mails und Blogs war vor einer radioaktiven Wolke vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima-1 gewarnt worden, die auf Hongkong zukomme. Ein Vertreter der Regierung dementierte die Gerüchte am Mittwoch jedoch: Beim Messen der Strahlenintensität seien keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Hongkong liegt etwa 3000 Kilometer von der japanischen Hauptstadt Tokio entfernt.

07:07 Uhr

Nach dem Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami am vergangenen Freitag ist die Zahl der Toten und Vermissten in Japan inzwischen auf mehr als 11.000 gestiegen. Offiziell wurden am Mittwoch mehr als 7500 Menschen vermisst, wie die Polizei mitteilte. Die Zahl der bestätigten Toten lag bei 3676, verletzt wurden demnach 1990 Menschen. Am Sonntag hatte der Polizeichef der besonders schwer getroffenen Präfektur Miyagi erklärt, allein in dieser Region rechne er mit 10.000 Toten.

07:13 Uhr

Nach Angaben von Kyodo hat die japanische Regierung die für April angesetzten Gouverneurs-, Bürgermeister und Kommunalwahlen in den Erdbebenregionen um mindestens zwei Monate verschoben.

07:19 Uhr

Offenbar soll es einen erneuten Versuch geben, das havarierte AKW aus der Luft zu löschen: Reuters meldet unter Berufung auf das japanische Fernsehen, Streitkräfte bereiteten sich darauf vor, von Helikoptern aus Wasser auf Fukushima-1 abzulassen. Zuletzt hatte es geheißen, der Atomanlagen-Betreiber Tepco wolle versuchen eine Straße zum Reaktor 4 zu bauen, in dem es seit Dienstag immer wieder gebrannt hatte.

07:27 Uhr

Kyodo meldet, die Lufthansa habe bis auf weiteres alle Flugverbindungen zum internationalen Flughafen Tokio-Narita gecancelt.

07:43 Uhr

Vier in Japan eingesetzte Retter aus Neuseeland und Australien sind geringfügig radioaktiv verstrahlt worden. Das teilte Neuseelands Premierminister John Key mit. Es bestehe aber kein Gesundheitsrisiko für die Helfer. Die Männer, die nach Verschütteten suchen, mussten bei einem Helikopterflug, etwa 40 Kilometer vom beschädigten AKW Fukishima-1 entfernt, unplanmäßig zwischenlanden. Auf den Rotorblättern hatte sich Eis gebildet. Bei ihrer Rückkehr an ihren Standort sei eine geringe Strahlendosis gemessen worden. "Wir haben sie dekontaminiert und wir glauben nicht, dass sie irgendwelchen Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind", sagte Key. Die Helfer würden ihre Arbeit in Japan fortsetzen.

07:50 Uhr

Die Tokioter Aktienmärkte haben sich am Mittwoch nach den Panikverkäufen vom Vortag trotz einer Eskalation der Atomkatastrophe wieder erholt. Allerdings macht die dramatische Situation im Meiler Fukushima-1 die Investoren weiter nervös. "Der Markt interessiert sich heute nicht für Fundamentalwerte", sagte Norihiro Fujito, Investment-Stratege bei Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. Alle Augen seien auf das AKW gerichtet. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index stieg um 5,7 Prozent auf 9093 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index rückte um 6,6 Prozent auf 817 Zähler vor. Auch die Börsen in Singapur, China, Taiwan, Korea und Australien lagen im Plus.

08:17 Uhr

Die Beschwichtigungspolitik geht weiter: Der Druck im Reaktorbehälter und im Reaktorkern des Blocks 2 seien vermutlich gefallen, zitiert Reuters das Energieunternehmen Tepco, das den Krisen-Meiler Fukushima-1 betreibt. Möglicherweise sei der Druckmesser jedoch auch fehlerhaft. Die Temperatur im Reaktor sei stabil. Weniger gut sei dagegen die Situation im Block 4. Auch sei die Temperatur in den Reaktoren 5 und 6 seit dem Morgen leicht gestiegen.

08:25 Uhr

Kyodo meldet unter Berufung auf Ministerpräsident Naoto Kan: Bislang seien 26.000 Menschen aus dem Erdbebengebiet gerettet worden.

08:38 Uhr

Verwirrende Informationen aus Fukushima-1: Tepco berichtet, der innere Reaktorbehälter in Block 2 sei entweder beschädigt - oder werde gekühlt.

08:43 Uhr

Kyodo berichtet, im Leitungswasser in der Präfektur Fukushima seien Cäsium 137 und Jod 131 festgestellt worde. Es bestehe aber keine Gesundheitsgefahr.

08:45 Uhr

Die USA verstärken die Hilfe für die Erdbebenopfer in Japan. So haben sie Equipment zur Löschung der Feuer im AKW Fukushima-1 entsendet. Pentagon-Sprecher David Lapan sagte, die US-Armee habe japanischen Hilfskräften zwei Löschfahrzeuge zur Verfügung gestellt. Allerdings widersprach er laut "Wall Street Journal" Meldungen, dass Angehörige der US-Armee direkt in die Arbeiten involviert seien.