Hygieneskandal in Berliner Krankenhäusern Frühchen laut Obduktion nicht an Darmkeimen gestorben

Wende im Hygieneskandal an Berliner Kliniken: Der kleine Junge, der Anfang Oktober im Berliner Herzzentrum ums Leben kam, ist eines natürlichen Todes gestorben. Das ist das vorläufige Ergebnis einer rechtsmedizinischen Untersuchung. Bislang hatte es geheißen, der frühgeborene Säugling sei infolge eine Infektion mit Darmkeimen zu Tode gekommen.

Der Tod des kleinen Jungen hatte dem Hygieneskandal an Berliner Kliniken eine besondere Tragweite gegegeben. Nach der Obduktion des frühgeborenen Babys steht nun jedoch fest: Todesursache war nicht wie bislang angenommen die Infektion mit dem Serratia-Darmbakterium.

Nach vorläufigen Auswertungen sei davon auszugehen, dass der herzkranke Säugling Anfang Oktober nach einer hochkomplizierten und riskanten Operation eines natürlichen Todes gestorben sei, teilte die Staatsanwaltschaft in Berlin mit. Weitere Untersuchungen zur abschließenden Klärung der Todesursache stünden noch aus. Die Leiche des bereits bestatteten Kindes war für die Obduktion exhumiert worden.

Die Ermittlungen unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung weiterer Babys an der Berliner Charité und dem Deutschen Herzzentrum durch eine Infektion mit Serratia-Keimen dauern indes an. Seit Anfang Oktober hatte es an den Kliniken eine Häufung von Infektionen gegeben. Serratien sind für Personen mit geschwächtem oder noch nicht voll ausgebildetem Immunsystem - wie Frühchen - gefährlich.

Experten-Team soll Ursache der Infektionen feststellen

Charité-Chef Karl Max Einhäupl hatte bereits vor Veröffentlichung des Obduktionsergebnisses betont, das verstorbene Baby habe zwar eine Serratien-Infektion gehabt, sei aber nicht dadurch zu Tode gekommen. Vielmehr habe der angeborene Herzfehler den Tod herbeigeführt. Die Ärzte hatten die geringen Überlebenschancen des schwerkranken Säuglings durch die Operation erhöhen wollen.

Obwohl der Eingriff selbst erfolgreich war, verschlechterte sich der Zustand des Kindes. Schließlich wurden die lebenserhaltenden Apparate im Einvernehmen mit den Eltern abgestellt. Auf dem Totenschein wurde ein "natürlicher Tod" ausgewiesen.

Berlins Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat die Charité-Führung nun zu einer Sondersitzung des Aufsichtsrates gebeten, um die Vorkommnisse aufzuarbeiten. Der Termin wurde nach Aussage eines Sprechers für Mitte November anberaumt. Am Mittwoch waren die Vorfälle außerdem Thema im Wissenschaftsausschuss. Dort stand der ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, Rede und Antwort. Die Diskussion, die inhaltlich keine neuen Details zutage gefördert habe, sei sachlich und unaufgeregt gewesen, hieß es.

Unterdessen sucht ein Team mit Experten des Gesundheitsamtes, des Robert Koch-Instituts sowie des Landesamts für Gesundheit und Soziales weiter nach der Ursache der Infektionen auf Frühgeborenen-Stationen der Charité und am Deutschen Herzzentrum. An der Charité liegen derzeit noch sechs erkrankte Kinder, bei denen eine Infektion nachgewiesen wurde. Weitere sieben zeigen einen Keimbefall, sind aber ohne Krankheitssymptome. Im Herzzentrum liegt noch ein Kind, das an den Keimen erkrankt ist, und ein weiteres ohne Symptome.