Der Bau der Kölner U-Bahn hat bisher vor allem für eins gesorgt: viel Ärger. Jetzt wird spekultiert, dass er auch für den Einsturz des Stadtarchivs verantwortlich ist.
Der Bau der Kölner Nord-Süd-Stadtbahn hat bisher vor allem für eins gesorgt: Für viel Ärger. Die Kosten für das Projekt explodierten, die Geschäftsleute an der Einkaufsmeile Severinstraße klagten über Umsatz-Einbrüche. Dann geriet im Herbst 2004 noch ein Kirchturm durch den Tunnelbau in Schieflage. Nach dem Einsturz des Stadtarchivs und zweier Nachbargebäude wird erneut spekuliert, dass der nahe gelegene U-Bahn-Bau das Unglück ausgelöst hat.
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Mit mindestens 950 Millionen Euro soll die Linie 320 Millionen Euro mehr kosten als geplant. Als Gründe für die Kosten-Explosion wurden von den Kölner Verkehrs-Betrieben unter anderem archäologische Arbeiten genannt, die den Bau immer wieder gestoppt haben. Die Tunnelröhren befinden sich in bis zu 30 Metern Tiefe unter derAltstadt.
Die Arbeiten des bereits seit den 80er Jahren geplanten Projekts waren 2004 begonnen worden, bis Mitte 2010 soll die Linie weitgehend fertiggestellt werden. Sie wird über vier Kilometer vom Breslauer Platz nördlich des Hauptbahnhofs parallel zum Rhein verlaufen und damit den historischen Teil Kölns an das U-Bahn-Netz anbinden. Zur Kostenexplosion kommen Kollateralschäden durch die U-Bahn-Grabungen unter der Kölner Altstadt hinzu. Ende September 2005 geriet der Turm der romanischen Kirche St. Johann Baptist in bedrohliche Schieflage.
Der Grund: Unterirdische Arbeiten für einen U-Bahn-Tunnel der Nord-Süd-Bahn. Um 75 Zentimeter hatte sich der Turm geneigt - und machte weltweit als "schiefer Turm von Köln" Schlagzeilen. Die Aufrichtung des Turms kostete eine Million Euro. Zudem beschwerten sich Geschäftsinhaber auf der traditionsreichen Einkaufsmeile Severinstraße, dass die Baustelle ihnen das Geschäft vermiese.
Deshalb wurde Ladenlokale aufgegeben, zudem waren zuletzt Spielhallen und Billigbäcker als Folge des sich hinziehenden U-Bahn-Baus auf der eng bebauten Einbahnstraße auf dem Vormarsch. An der Severinstraße befand sich auch das am Dienstag eingestürzte Historische Stadtarchiv.
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(dpa/segi)
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man mag zu dem u-bahn-bau, der nach fertigstellung hoffentlich das archaische, wenig urbane herumschaukeln auf umwegen zwischen dem kölner norden und süden beenden wird, stehen wie man möchte.
aber den an der severinsstraße ansässigen geschäftsleuten und anderen baustellenanliegern wird nicht lediglich salopp "das geschäft vermiest", als würden sie ansonsten gemütlich profite einstreichen.
abgesehen von den viel zu hohen kölner mieten und einer hochgradigen konkurrenzlage, angesichts derer man sich fragt, wie die mutigen selbständigen es überhaupt schaffen, selbst bei größtem vor-ort-einsatz überhaupt ihren lebensunterhalt zu bestreiten: die katastrophale situation um die mehrjährigen baustellen herum führt für viele in die verzweiflung bis hin zur aufgabe des nackten existenzkampfes. zur bebilderung langt es, einen völlig, über die in einen mittelalterlich anmutenden verschmutzten zustand versetzte severinsstraße zu flanieren! die tendenz, das sich einst blühende quartiersgeschäftsstraßen in öde, kurzlebige billigladenpanoramen verwandeln, wird durch den dort wahrnehmbaren zustand katalysiert.
und abgesehen davon: die derzeitigen ereignisse schockieren und machen traurig.
aus köln