Flüchtlinge auf griechischer Insel Fähre vor Kos nimmt Syrer auf

  • Die Fähre vor der griechischen Insel Kos hat am frühen Sonntagmorgen die Arbeit aufgenommen: Die ersten syrischen Flüchtlinge dürfen zur Registrierung an Bord.
  • Am Vortag war es vor einer Polizeiwache zu Gewalt gekommen: Flüchtlinge prügelten aufeinander ein, die Polizisten schauten zu.
  • Im Mittelmeer ereignete sich eine neue Tragödie ereignet: Die italienische Marine hat mindestens 40 Tote Flüchtlinge in einem überfüllten Schmugglerboot entdeckt.

Erste syrische Flüchtlinge gehen in Kos an Bord von Fähre

Seit Freitag ankert vor Kos eine Fähre, die die Lage auf der griechischen Insel verbessern soll. Am frühen Sonntagmorgen nahm sie ihre Arbeit auf: Die ersten syrischen Flüchtlinge durften zur Registrierung an Bord. Ihnen werde erlaubt, während des gesamten Prozesses auf der Fähre zu bleiben. Die Registrierung ist notwendig, um die Erlaubnis zu erhalten, weiter nach Athen zu fahren. Eine Gruppe von 20 Irakern protestierte am Eingang des Hafens gegen die Regelung und verlangte, ebenfalls auf das Schiff zur Registrierung gelassen zu werden.

Das Elend der Geretteten

Tausenden Flüchtlingen fehlt es am Nötigsten, die Behörden sind überfordert. 1500 Menschen wurden nun von der Polizei in einem Stadion eingeschlossen. Von Luisa Seeling mehr ...

Die griechische Insel, die nur wenige Kilometer vom türkischen Festland entfernt liegt, erlebt seit Tagen einen starken Zustrom von Flüchtlingen, der Großteil davon aus Syrien.

Prügelei vor Polizeiwache

Am Samstag hatte sich die Stimmung vor einer Polizeistation aufgeheizt: Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan und Iran prügelten aufeinander ein und bewarfen sich mit Steinen. Die Wache war wegen des Feiertages geschlossen, Polizisten sahen dem Geschehen tatenlos zu. Erst als eine Gruppe von Iranern versuchte, den Polizeikordon um das Gebäude zu durchbrechen, trieben die Polizisten die Angreifer mit Schlagstöcken auseinander.

Flüchtlinge ersticken in überfülltem Schmugglerboot

Im Mittelmeer kam es derweil zu einem neuen Flüchtlingsdrama Nach Angaben der italienischen Marine konnten 319 Menschen von dem völlig überladenen Fischerboot zwischen der libyschen Küste und der Insel Lampedusa gerettet werden, etwa 40 erstickten aber offenbar im Laderaum.

"Wir haben eine erschütternde Szene miterlebt", sagte Marinekapitän Massimo Tozzi. Leichen hätten an der Oberfläche getrieben - zwischen menschlichen Exkrementen und Treibstoff. Ein Hubschrauber der Marine hatte das Boot am morgen südlich von Lampedusa entdeckt.

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Hunderte Menschen an Bord - die ärmsten Flüchtlinge im Laderaum

Nach Angaben von Überlebenden, die in den vergangenen Wochen die Überfahrt geschafft haben, pferchen die Schlepper stets diejenigen im Laderaum zusammen, die am wenigsten bezahlen - meistens Flüchtlinge aus Ländern südlich der Sahara. Für sie ist die Gefahr besonders hoch, an Sauerstoffmangel oder den Treibstoffabgasen zu ersticken oder zu ertrinken, wenn Wasser in das Schiff eindringt. Oft hindern andere Passagiere oder Schlepper die Menschen im Laderaum mit Gewalt daran, an Deck zu klettern.

Größeres Unglück vergangene Woche

Vergangene Woche war ein Flüchtlingsboot mit mindestens 600 Menschen an Bord vor der libyschen Küste gesunken. Mehr als 360 Flüchtlinge wurden gerettet, mehr als 200 Menschen starben.

Italiens Innenminister Angelino Alfano warnte, dass das aktuelle Unglück nicht das letzte sein werde, wenn die Probleme im Krisenland Libyen nicht gelöst würden. Von dort starten viele Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten die gefährliche Fahrt über das Meer.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR kamen seit Januar 224 000 Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa, darunter 98 000 nach Italien.