Ermittlungen zu Schiffsunglück Costa-Concordia-Kapitän ließ Küstenwache belügen

Erste Anhörungen zum Unglück auf der "Costa Concordia": Der Kapitän des vor der Toskana-Insel Giglio gekenterten Kreuzfahrtschiffs hat offenbar seine Mannschaft angewiesen, die Küstenwache über das Ausmaß des Unglücks zu belügen. Ihm werden unter anderem fahrlässige Tötung und das vorzeitige Verlassen des Schiffs vorgeworfen.

Der Kapitän des vor der Toskana-Insel Giglio gekenterten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" hat offenbar seine Mannschaft angewiesen, die Küstenwache über das Ausmaß des Unglücks zu belügen. Der erste Offizier Ciro Ambrosio habe dies ausgesagt, berichteten mehrere italienische Medien am Samstag unter Berufung auf Verhörprotokolle. "Kapitän Schettino hat uns befohlen, der Küstenwache zu sagen, dass alles unter Kontrolle sei", sagte Ambrosio laut der Tageszeitung Corriere della Sera.

Francesco Schettino werden unter anderem fahrlässige Tötung und das vorzeitige Verlassen des Schiffs vorgeworfen. Hunderte Anwälte, Experten und Überlebende kamen am Samstag zu einer gerichtlichen Anhörung zum Unglück des Kreuzfahrtschiffs im italienischen Grosseto. Teilnehmen sollten auch mehrere Angestellte der Reederei Costa Crociere, gegen die wegen der Havarie ermittelt wird. Wegen des großen Andrangs war die Anhörung vom Gericht ins Theater verlegt.

Dabei hat unter anderem ein Passagier den Kapitän schwer belastet: "Die Evakuierung haben wir Passagiere selbst organisiert", sagte er laut Corriere della Sera während der Anhörung. Seine Wut auf Francesco Schettino ist groß: "Es ist gut, dass er heute nicht hier ist, noch besser wäre, wenn er Italien verlassen würde. Er hat falsch gehandelt. Er hätte anders vorgehen können, aber er stattdessen hat nur Lügen erzählt."

Bis endlich Klarheit über die Ereignisse herrschen wird, kann es noch eine Weile dauern. Die Auswertung des Stimmenrekorders des Unglücksschiffs "Costa Concordia" nimmt nach Angaben der italienischen Staatsanwaltschaft bis zu drei Monate in Anspruch.

Vor einer ersten Anhörung am Samstag in Grosseto erklärte Staatsanwalt Francesco Verusio im Rundfunk, bei der Aufarbeitung der Katastrophe vom 13. Januar nähmen vermutlich "verfahrenstechnische Kämpfe" den gesamten ersten Tag ein. Kapitän Schettino selbst will nach Angaben seines Anwalts "aus Sorge um seine Sicherheit" nicht kommen.

Die "Costa Concordia" war am 13. Januar vor der toskanischen Küste auf Felsen gelaufen und gekentert, 32 Menschen starben. Schettino hatte gestanden, zu nah an der Insel Giglio vorbeigefahren zu sein.