Ermittlungen nach Fabrikeinsturz Zwei Firmenchefs in Bangladesch festgenommen

Viele westliche Firmen lassen kostengünstig Kleidung in Bangladesch herstellen.

(Foto: AFP)

Vorwurf der fahrlässigen Tötung: Nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangkadesh, sind zwei Chefs von Textilbetrieben, die dort produzierten, festgenommen worden. Während Arbeiter im ganzen Land demonstrieren, wird in den Trümmern weiter nach Überlebenden gesucht.

Drei Tage nach dem Einsturz eines achtstöckigen Gebäudes mit mehr als 330 Toten in Bangladesch hat die Polizei zwei Verantwortliche dort ansässiger Textilfabriken festgenommen. Ihnen werde fahrlässige Tötung vorgeworfen, sagte der stellvertretende Polizeichef der Hauptstadt Dhaka der Nachrichtenagentur AFP.

Bei den Festgenommenen handle es sich um den Chef der Firmen New Wave Buttons und New Wave Style, sowie um einen leitenden Angestellten "einer der beiden Firmen", sagte der Vize-Polizeichef.

Indes geht die Suche nach Überlebenden weiter. In der Nacht wurden erneut rund 40 Menschen lebend aus den Trümmern des Gebäudes gerettet. Die Hoffnung, weitere Überlebende zu finden, sinkt jedoch. "Wir glauben, dass noch einige Menschen am Leben sind. Aber sie sind zu schwach, um nach Hilfe zu rufen", sagte der Chef der Feuerwehr. Inzwischen wird erwogen, bei den weiteren Arbeiten an den Trümmern auch schweres Gerät einzusetzen. Um den Unglücksort breitete sich Leichengeruch aus.

Textilarbeiter protestieren gegen Arbeitsbedingungen

Das teilweise illegal errichtete Gebäude in Dhaka mit acht Stockwerken war am Mittwochmorgen eingestürzt. Nach jüngsten Angaben eines Armeesprechers kamen mindestens 337 Menschen ums Leben. Mehr als 2400 Menschen überlebten das Unglück, etwa die Hälfte von ihnen wurde verletzt. Zum Zeitpunkt des Einsturzes sollen mindestens 3000 Menschen in fünf Betrieben in dem Gebäude gearbeitet haben.

Zahlreiche Textilarbeiter protestieren seit dem Einsturz gegen die miserablen Arbeitsbedingungen in ihrer Branche. Viele der 4500 Textilfabriken des Landes wurden deshalb vorübergehend geschlossen, die Fabrikbesitzer erklärten den Samstag zum freien Tag. Für Sonntag riefen die Gewerkschaften zum Streik auf.

Am Freitag waren in Dhaka hunderttausende Textilarbeiter aus Protest auf die Straßen gegangen. Sie griffen Fabriken an, warfen Fahrzeuge um und setzten Verkaufsstände in Brand. Die Demonstranten forderten die Hinrichtung der für das Unglück Verantwortlichen. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein.

Zweitgrößter Textilproduzent weltweit

Für besonders große Empörung hatten Berichte von Arbeitern gesorgt, wonach bereits am Tag vor dem Einsturz Risse an dem Gebäude entdeckt worden seien. Die Chefs der Textilfabriken hätten die Arbeiter dennoch gezwungen weiterzuarbeiten. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen, versprach Ministerpräsidentin Sheikh Hasina.

Der Gebäudeeinsturz zeige, dass der Schutz für die Textilarbeiter in Bangladesch dringend verbessert werden müsse, erklärte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. "Diese Tragödie war leider vorhersehbar."

Bangladesch ist der zweitwichtigste Textilproduzent weltweit, die Branche ist für das Land von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Viele westliche Firmen lassen kostengünstig Kleidung in Bangladesch herstellen. Auch einige der Fabriken in dem eingestürzten Gebäude arbeiteten für internationale Modemarken. Die britische Billigkette Primark und der spanische Konzern Mango erklärten, dass sie dort Zulieferer beschäftigten.