England Gericht spricht Ü-60-Räuber von London schuldig

Juwelendiebstahl in London file - A combo still CCTV handout photograph made available by the British London Metroolitan Police Service (MPS) on 12 April 2015 showing three men outside the Hatton Garden Safe Deposit Ltd, who the police are trying to trace in their investigation into the theft of items from a number of safety deposit boxes at Hatton Garden Safety Deposit Limited (HGSD) in Hatton Garden, City of London, England on 02 - 04 April 2015. A total of 72 safety deposit boxes were opened, out of 999 boxes in the vault. EPA/LONDON METROPOLITAN POLICE / HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES (zu dpa 'Ein filmreifer Diebstahl: Die dreisten Senioren und die Diamanten' vom 14.01.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: dpa)

Sie haben Schmuck und Bargeld im Wert von 14 Millionen Pfund erbeutet. Nun werden die älteren Herren bestraft. Eine späte Ehrenrettung für Scotland Yard.

Von Christian Zaschke, London

Einige Wochen lang sah es so, als sei den Männern das perfekte Verbrechen gelungen. Über die Ostertage im vergangenen Jahr waren sie in London in den Tresorraum der Hatton Garden Security Company eingedrungen, in dem unter anderem Juweliere ihre Kostbarkeiten in Schließfächern lagern. Sie hatten Schmuck und Bargeld im Wert von 14 Millionen Pfund erbeutet, etwa 19 Millionen Euro. Weder hinterließen sie Fingerabdrücke noch sonst eine brauchbare Spur. Die britische Presse berichtete mit unverkennbarer Faszination über den Raub.

Allerdings ist Scotland Yard den Tätern dann doch auf die Schliche gekommen. Vier Männer haben bereits im vergangenen Jahr ihre Beteiligung an der Tat gestanden. Nun hat eine Jury am Woolwich Crown Court drei weitere Männer schuldig gesprochen. Das Strafmaß für alle sieben wird im März verkündet. Ein Angeklagter wurde freigesprochen.

Das Gros der Diebe ist um die 60

Das Besondere an dem Fall ist das hohe Alter der Täter. Der Anführer und ein weiterer Mann sind mehr als 70 Jahre alt, das Gros der Diebe ist um die 60. Freigesprochen wurde lediglich der jüngste Verdächtige, Jon Harbinson, 42. Er hatte für seinen Onkel William Lincoln, 60, der während des Raubs als Fahrer des Fluchtfahrzeugs bereitgestanden hatte, einige mit Teilen der Beute gefüllte Taschen in seiner Garage untergestellt. Er habe keine Ahnung gehabt, was sich in den Taschen befand, sagte er im Gericht. Etwas überraschend glaubte die Jury ihm. Nicht glauben wollte sie allerdings Carl Wood, der behauptete, es müsse sich um einen anderen Carl handeln, der da mitgemacht habe. Auch an der vermeintlichen Ahnungslosigkeit von William Lincoln und Hugh Doyle hatte sie so erhebliche Zweifel, dass sie sich zum Schuldspruch entschied.

Für Scotland Yard bedeutet es eine späte Ehrenrettung, dass jetzt sieben Täter schuldig gesprochen worden sind. Die Polizei war in die Kritik geraten, weil sie auf einen Alarm, den die Diebe ausgelöst hatten, schlicht nicht reagiert hatte. Nachdem der Schaden entdeckt worden war, setzte Scotland Yard eine Spezialeinheit ein. Diese fand auf Aufnahmen der in London allgegenwärtigen Überwachungskameras den Wagen von John Collins, 75, der zur Tatzeit in der Gegend geparkt hatte. Collins ist der Polizei seit 1961 als Krimineller bekannt. Über ihn kam sie auf die Spur der übrigen Täter, die sie knapp sieben Wochen nach der Tat bei einem Großeinsatz mit 200 Beamten festnahm. Ein Ermittler sagte: "Es waren analoge Kriminelle, die nicht auf digitale Detektive vorbereitet waren."

Was die Polizei jetzt noch gern wüsste: Wer ist der nicht identifizierte Mann, der den Tätern den Notausgang des Gebäudes öffnete? Und: Wo sind die zwei Drittel der Beute, von denen weiterhin jede Spur fehlt?

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