Ehemaliger Bischof von Limburg Neue Chance für Tebartz-van Elst

Bischof Tebartz-van Elst soll vom Papst eine neue Aufgabe bekommen haben.

(Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)
  • Der ehemalige Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, soll einem Medienbericht zufolge einen neuen Job haben.
  • Der Kirchenmann könnte eine neue Aufgabe in Rom übernehmen: Sekretär im Rat für die Förderung der Neuevangelisation.
  • Papst Franziskus wolle Tebartz nach 15 monatiger Zwangspause eine Chance geben, hieß es.
Von Matthias Drobinski

Tebartz-van Elst soll neuen Job bekommen

Papst Franziskus gibt dem wegen Verschwendungsvorwürfen zurückgetretenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst offenbar eine zweite Chance - mit einem neuen Job in Rom. Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge soll er Sekretär im "Rat für die Förderung der Neuevangelisation" werden.

Warum die Aufgabe passen würde

Die Sprecherin des Bischofs wollte die Meldung "derzeit" nicht bestätigen. Allerdings würde die Aufgabe tatsächlich zu Tebartz-van Elst passen: Der 2010 noch von Papst Benedikt XVI. eingerichtete Rat beschäftigt sich mit der Frage, wie vor allem in den modernen, säkularen Gesellschaften Europas und Nordamerikas der Glaube verkündet werden kann. Mit dieser Frage hat sich Tebartz als Wissenschaftler eingehend beschäftigt, bevor er Weihbischof von Münster wurde - während seines Forschungsaufenthalts in den USA und als Professor für Pastoraltheologie in Passau.

"Die Aufgabe wäre wie geschaffen für ihn", sagt selbst einer seiner Kritiker, der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. Tatsächlich ernteten Tebartz' Forschungsarbeiten seinerzeit viel Lob.

Warum der Rat mächtig ist

Als Sekretär oder Untersekretär (auch diesen Posten gibt es) stünde Tebartz-van Elst in der zweiten Reihe. Chef des Ministeriums für den Dialog mit der modernen Gesellschaft, wie man den Rat salopp nennen könnte, ist der italienische Kurienkardinal Rino Fisichella. Trotzdem ist der Posten auch mit einiger Macht verbunden, so erteilt der Rat zum Beispiel auch die kirchliche Zulassung für Schulbücher für den Religionsunterricht - oder verweigert sie.

Der Bischof, der in Deutschland einen der größten Kirchenskandale der Nachkriegsgeschichte auslöste, wäre also nicht ins Archiv abgeschoben und entmachtet, sondern würde künftig eine durchaus wichtige Rolle im Vatikan spielen. Das wiederum könnte erneut seine Kritiker auf den Plan rufen.

Tebartz-van Elst steht immer noch unter Beobachtung

Der Bischof, der mit seinem Verschwendungs-Bau auf dem Limburger Domberg und seiner Unehrlichkeit dem Ansehen seiner Kirche schwer geschadet hat, kommt nun ausgerechnet in jene Abteilung, die die katholische Kirche in säkularisierten Gesellschaften wieder gesprächsfähig machen soll? Zumal Tebartz-van Elst in Regensburg gezeigt hat, dass er von allzu großer Bescheidenheit immer noch nicht viel hält, und dort derzeit in einer 180 Quadratmeter großen Wohnung lebt. Nach Informationen der Bild-Zeitung soll sie sein Zweitwohnsitz bleiben.

Der künftige Sekretär des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung stünde jedenfalls zumindest zu Beginn seiner Arbeit unter verschärfter Beobachtung - wie sehr, konnte er erst diese Woche erfahren, als er einen Auftritt in Bregenz wegen des überbordenden Medieninteresses absagte. Franziskus jedenfalls wäre seinen Grundsätzen treu geblieben: Barmherzigkeit ist für ihn eine der wichtigsten Tugenden des Christen.