Mord an Susanna F. Radikaler Rachereflex

Es ist ein Reflex, nach der Tat eines Asylsuchenden wie im Fall Susanna F. die Abschaffung der Flüchtlingsrechte zu fordern. Doch die Folge einer barbarischen Tat darf nicht die Barbarisierung des Rechts sein.

Kommentar von Heribert Prantl

Flehentlich wünscht man sich, dass sich solche Verbrechen nicht wiederholen. Sie wiederholen sich. In Dessau wurde die chinesische Studentin Li Yangjie vergewaltigt und ermordet, etwas später in Freiburg Maria L., kurz danach im benachbarten Endingen Carolin G. Dann der Mord an der 15-jährigen Mia V. in Kandel. Jetzt der Mord an Susanna F. Man hätte so gern einfache Lösungen, um solche Verbrechen zu verhindern; Lösungen nach dem Motto "Wenn die Grenzen dicht wären, würde Susanna F. noch leben". Man weiß, dass das nicht stimmt.

Li Yangjie wurde Opfer eines deutschen Polizistensohns. Maria L. und Mia V. wurden Opfer von jungen Männern aus Afghanistan. Carolin G. fiel in die Hände eines rumänischen Lkw-Fahrers; er hat Waren und Gewalt über die Grenze transportiert. Die Richterin sagte bei der Urteilsverkündung: Wir werden uns damit abfinden müssen, dass Menschen dunkle Seiten haben.

Es gibt brutal mordende Menschen. Es gibt auch brutal mutige Menschen. So ein mutiger ist der 13-jährige Flüchtlingsjunge, der aufs Revier ging und den Verdächtigen im Fall Susanna F. anzeigte.

Es ist ein Rachereflex, nach der Tat eines Flüchtlings die Radikalabschiebung der Flüchtlinge und die Abschaffung der Flüchtlingsrechte zu fordern. Folge einer barbarischen Tat darf nicht die Barbarisierung des Rechts sein.

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