Cap-Anamur-Gründer Menschenrechtler Rupert Neudeck ist tot

Rupert Neudeck im Juli 2015 bei der Eröffnung eines nach ihm benannten Flüchtlingshauses in Berlin.

(Foto: dpa)

Der Mitbegründer von Cap Anamur und den "Grünhelmen" starb im Alter von 77 Jahren nach einer Herzoperation.

Der Theologe und frühere Journalist starb am Dienstag im Alter von 77 Jahren, wie ein Sprecher seines Büros in Köln bestätigte. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtete unter Berufung auf seinen Freundeskreis, dass Neudeck nach einer Herzoperation starb.

Engagement für Flüchtlinge

Der gebürtige Danziger Neudeck hatte 1979 mit Unterstützung des Schriftstellers Heinrich Böll das Komitee "Ein Schiff für Vietnam" gegründet, das bis 1982 mehr als 11 000 sogenannte boat people im Südchinesischen Meer rettete. Daraus ging 1982 das Komitee Cap Anamur/Deutsche Notärzte hervor.

Im Jahr 2002 gründete Neudeck mit Aiman Mazyek, dem heutigen Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, die Hilfsorganisation "Grünhelme". Diese schickt junge Handwerker für drei oder mehr Monate in Krisengebiete, um beim Aufbau von Häusern, Dörfern oder zerstörten Wasserleitungen zu helfen.

Promotion zu Sartre und Camus

Neudeck entging als Kind auf der Flucht aus Ostpreußen nur knapp dem Untergang des Flüchtlingsschiffs Wilhelm Gustloff, das von einem sowjetischen U-Boot versenkt wurde. Später studierte er Theologie, wurde kurzzeitig Novize bei den Jesuiten und promovierte über "Politische Ethik bei Jean-Paul Sartre und Albert Camus". Dann arbeitete er als Journalist, zunächst bei der katholischen Funk-Korrespondenz in Köln, anschließend als freier Journalist und Redakteur beim Deutschlandfunk. Mit seiner Frau Christel hat er drei Kinder.

Neudeck erhielt - teilweise zusammen mit seiner Frau - zahlreiche Auszeichnungen, so die Theodor-Heuss-Medaille, den Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreis, den Erich-Kästner-Preis und den Walter-Dirks-Preis.

Riet Kirche zu "weniger Weihrauch und Selbstbeschäftigung"

Mit Blick auf seine Kirche sagt der Katholik, er wünsche sich weniger Sorge um Kirchenbauten, "weniger Weihrauch und Selbstbeschäftigung, dafür mehr Telefonseelsorge und konkrete Hilfe für Menschen in Not. Das ist für mich die Kirche von morgen." Papst Franziskus und dessen Besuch bei den Flüchtlingen auf Lampedusa nannte er einen Glücksfall.