Brandkatastrophe in brasilianischem Nachtklub Diskobesitzer und Musiker verhaftet

Bei einem Brand in einer Diskothek in Brasilien sind mindestens 230 Menschen ums Leben gekommen und Hunderte weitere verletzt worden. Nun hat die örtliche Polizei drei Männer verhaftet: den Besitzer der Diskothek und zwei Musiker. Die Pyro-Show der Band soll den verheerenden Brand ausgelöst haben.

Gegen 02:30 Uhr beginnt der Horror in der Diskothek "Kiss" in Brasilien. Es tobt ein Feuer-Inferno. In Panik rennen die Menschen blindlings zu den Ausgängen. Doch einige Türen sind verschlossen und mehr als 230 schaffen es nicht mehr ins Freie. Die meisten ersticken an hochgiftigen Dämpfen.

Brasilien ist geschockt von der Tragödie in Santa Maria, einem Studentenort im Bundesstaat Rio Grande do Sul im Süden des Landes. Angesichts der Toten und Verletzten bricht Staatspräsidentin Dilma Rousseff eine Auslandsreise ab. Die Fernsehsender des Landes berichten ununterbrochen und zeigen Bilder, wie Anwohner und Feuerwehr mit Vorschlaghämmern große Löcher in die Hauswände der Diskothek schlagen, um zu den Opfern vorzudringen.

Eine für heute in der Hauptstadt Brasília geplante Kick-Off-Veranstaltung zur Fußball-Weltmeisterschaft, die in 500 Tagen in Brasilien startet, wurde abgesagt.

Die örtliche Polizei hat inzwischen einen der Besitzer und zwei Mitglieder einer Band verhaftet. Mit der Inhaftierung für maximal fünf Tage solle verhindert werden, dass die Männer die Stadt verlassen, erläuterten die Behörden. Die Musikgruppe "Gurizada Fandangueira" hatte während ihres Auftritts mit einem Feuerwerk vermutlich den Brand in dem Club in Santa Maria ausgelöst.

Funken setzten das akustische Dämmmaterial aus Isolierschaumstoff an der Decke in Brand, berichten Augenzeugen. Es entstand starker Rauch und die Tragödie nahmt ihren Lauf. "Es war ein Chaos, alle rannten zum Ausgang", berichtet eine geschockte junge Frau einige Stunden nach der Brandkatastrophe. Unklar ist bislang, ob der Nachtklub über einen ausreichenden Brandschutz und Notausgänge verfügte. "Ich weiß nicht, welchen Ausgang wir benutzten. Es ging alles so schnell", sagte die Frau. Hunderte werden bei der Katastrophe verletzt.

Haupteingangstür abgeriegelt

Nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr war die Haupteingangstür des Klubs in der Rua dos Andradas 1925 zum Zeitpunkt der Katastrophe abgeriegelt. Das dürfte ein wesentlicher Grund dafür sein, dass so viele Menschen ums Leben kamen. Die Polizei bestätigte zunächst 245 Todesopfer, dann wurde die Zahl nach einer Überprüfung auf 233 - 120 Männer und 113 Frauen - reduziert.

"Die meisten Menschen erstickten. Der (brennende) Schaumstoff produzierte einen hochtoxischen Qualm. Sie gerieten in Panik, stolperten, fielen und traten auf die am Boden liegen Personen", sagte Guido de Melo, einer der Einsatzleiter der Feuerwehr. Präsidentin Dilma Rousseff brach nach der tragischen Nachricht ihre Teilnahme am einem internationalen Gipfel in Chile vorzeitig ab. Stadt verordnet 30-tägige offizielle Trauer

"Ich möchte den Brasilianern und der Bevölkerung von Santa Maria sagen, dass wir in diesem traurigem Moment zusammenstehen", sagte sie den Tränen nahe, bevor sie den Gipfel der EU und der Staaten Lateinamerikas und der Karibik in Santiago de Chile verließ, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahm. Der Gouverneur des Bundesstaates Rio Grande do Sul, Tarso Genro, sprach von einem "traurigen Sonntag".

Die Stadt Santa Maria ordnete noch am Sonntagvormittag eine dreitägige offizielle Trauer an. Die Stadt mit etwa 270.000 Einwohnern ist bekannt für ihr Nachtleben, denn sie beherbergt eine der größten öffentlichen Universitäten des Landes mit vielen Studenten. Die Diskothek "Kiss" hatte für die Nacht zum Sonntag mehrere DJs und Bands auf dem Programm.

"Eine Tragödie solchen Ausmaßes habe ich noch nicht gesehen"

Vor dem Nachtklub warteten am Sonntag Hunderte Angehörige und Freunde auf Nachrichten von Verwandten und Bekannten. Die mehr als 100 Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Wie viele Menschen tatsächlich in der Nacht in der Diskothek feierten, war zunächst noch unklar. Allerdings bietet das "Kiss" Platz für bis zu 2000 Menschen.

"Mein Glück war, dass ich nah an einem Ausgang stand. Es war der einzige, den ich sah. Alle drängten dort hinaus", sagte die 34-jährige Michele Pereira. Über die Identität der Opfer wurde zunächst nichts bekannt, aber die Toten sind meist junge Menschen. Die Katastrophe schockte auch die Einsatzkräfte. "Ich bin 40 Jahre bei der Feuerwehr, aber eine Tragödie solchen Ausmaßes habe ich noch nicht gesehen", sagte Feuerwehrmann Moisés da Silva Fuchs.