Brände in pakistanischen Textilfabriken Mehr als 300 Tote - Ermittlungen wegen Terrorismus

Für Hunderte Arbeiter wird die Textilfabrik im pakistanischen Karatschi zur Todesfalle: Ein Feuer bricht aus, doch Notausgänge fehlen und die Fenster sind vergittert. Etliche Menschen verletzen sich, als sie versuchen zu fliehen. Die Bundespolizei ermittelt wegen eines möglichen terroristischen Hintergrunds.

Das Feuer breitet sich rasend schnell aus. Die Arbeiter versuchen zu fliehen, doch Notausgänge fehlen und viele Fenster sind vergittert. Für Hunderte Pakistaner wird ihr Arbeitsplatz in einer Textilfabrik in Karatschi zur tödlichen Falle. Knapp 300 Menschen sind bei dem Großbrand ums Leben gekommen. Die Behörden ermitteln wegen eines möglichen terroristischen Hintergrunds.

Mehr als 100 Arbeiter hätten sich aus dem Fabrikgebäude in der südlichen Wirtschaftsmetropole Karatschi retten können, teilte der Sprecher der Stadtverwaltung mit. Viele Menschen seien in Panik aus Fenstern des dreistöckigen Gebäudes gesprungen, da es zu wenige Notausgänge gab. Einige Überlebende hätten sich dabei schwer verletzt.

"Wir waren bei der Arbeit, als plötzlich überall Feuer und Rauch waren", sagte ein Arbeiter im pakistanischen Fernsehen. "Die Hitze war so groß, dass wir zu den Fenstern stürmten und die Eisengitter davor herausrissen." Beim rettenden Sprung aus der zweiten Etage habe er sich dann ein Bein gebrochen. Anderen gelang es den Berichten zufolge nicht, die Sicherungsgitter abzureißen. Sie blieben in der brennenden Fabrik gefangen.

Die meisten Beschäftigten starben nach Angaben von Ärzten an Rauchvergiftungen. Einige Leichen seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Viele Opfer wurden in den Kellerräumen gefunden. Die Polizei befürchtet jedoch, dass die Zahl der Toten weiter steigt, da Rettungskräfte auch Stunden nach dem Brand noch nicht in alle Teile der zerstörten Fabrik vordringen konnten. Es ist eines der folgenschwersten Unglücke in einem Industriebetrieb in der Geschichte des Landes.

Der Brand war am Dienstagabend ausgebrochen. Einsatzkräfte der Feuerwehr brauchten fast die ganze Nacht, um es unter Kontrolle zu bringen. Ursache soll möglicherweise ein defekter Generator gewesen sein. Der Funkenschlag habe vielleicht Baumwollballen und chemische Färbemittel entzündet, hieß es in Berichten örtlicher Medien.

Bundespolizei ermittelt wegen Terrorismusverdachts

Nur wenige Stunden vor dem Brand in Karatschi waren in der Großstadt Lahore im Osten Pakistans mindestens 21 Menschen bei einem Großfeuer getötet worden.

Wie die englischspachige Tageszeitung Pakistan Today in ihrer Online-Ausgabe berichtete, ermittelt die Bundespolizei FIA wegen eines möglichen terroristischen Hintergrunds. Das sagte der Innenminister dem Portal zufolge zu Journalisten. Dieser Aspekt könne nicht außer Acht gelassen werden.

Die Polizei startet unterdessen eine groß angelegte Suchaktion nach den flüchtigen Besitzern der Fabrik in Karatschi, in der nach Angaben von Arbeitern unter anderem Wäsche produziert wurde.

Der pakistanische Ministerpräsident Raja Pervaiz Ashraf äußerte sich entsetzt über die Brände und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

In den dichtbesiedelten Städten Pakistans gibt es zahlreiche illegal errichtete Fabriken. Vor allem kleine und mittelgroße Betriebe in Pakistan sind wegen der schlechten Sicherheitsstandards, etwa bei der elektrischen Verkabelung, berüchtigt. Vielerorts fehlen angemessene Fluchtwege. Nicht selten zahlen die Fabrikbesitzer Schmiergelder an örtliche Beamte, damit diese die Verstöße gegen Sicherheitsauflagen übersehen.