Bericht zu Tebartz-van Elst Ringen um die Deutungshoheit

Bleibt Tebartz-van Elst Bischof in Limburg?

Der Untersuchungsbericht, der über die Zukunft von Tebartz-van Elst entscheiden soll, ist noch nicht fertig. Schon wird über seine Auslegung gerungen: Be- oder entlastet er den Skandalbischof?

Matthias Drobinski

Ist Franz-Peter Tebartz-van Elst der Untreue überführt - oder ist der Bischof von Limburg entlastet? Der Bericht, der die Frage klären soll, was nun tatsächlich rund um den Bau der teuren Bischofsresidenz in Limburg geschah, ist noch nicht fertig. Es gibt nach Informationen der Süddeutschen Zeitung einen Entwurf, der endgültige Text soll Ende Februar oder in den ersten Märztagen vorliegen.

Der Kampf um die Deutungshoheit des Ergebnisses ist aber schon in vollem Gange. Es geht um höchste Kirchenpolitik. Es geht um die Frage, ob der Bischof noch zu halten ist, den vor allem die Anhänger des emeritierten Papstes Benedikt XVI. unterstützen - der sich aber mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, durch Leben und Handeln, Verschwendung und Selbstherrlichkeit dem Amt des Bischofs und der katholischen Kirche gewaltig geschadet zu haben.

Der Bericht, den eine Fünf-Personen-Kommission im Auftrag der deutschen Bischofskonferenz erstellt, entlaste den Bischof - das meldete neulich das Magazin Focus. Die Informationen kamen offenbar aus Rom, dort haben der Papst-Sekretär Georg Gänswein und der designierte Kardinal Gerhard-Ludwig Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation, ein Interesse daran, den Skandal als Medienkampagne darzustellen. Nun schreibt die Konkurrenz vom Spiegel das Gegenteil: Der Kommission sei es gelungen, "justiziable Ergebnisse zu dokumentieren, die zu einem staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahren gegen den Geistlichen führen könnten", heißt es dort. Das Geld für den deutlich mehr als die bislang angegebenen 31 Millionen teuren Bau der Bischofsresidenz sei auch aus einer kirchlichen Stiftung gezogen worden; wichtige Unterlagen in eine Geheimregistratur seien in eigens angemieteten Räumen ausgelagert worden.

Limburger System der Vertuschung

Nach SZ-Informationen hat die Kommission bislang nichts gefunden, was Tebartz-van Elst vor ein weltliches Gericht bringen dürfte. Die Hoffnung der Unterstützer des Bischofs aber, am Ende des Berichts könnte der Freispruch stehen, dürfte zusehends schwinden. Offenbar haben die Aufklärer wichtige Zeugen aus dem Umfeld des Bischofs gewinnen können, die das Limburger System der Vertuschung beschreiben. Zu ihm gehörte es demnach, Akten der Kontrolle der Bistums-Gremien zu entziehen, eine Geheimregistratur aufzubauen oder Geld aus einer ruhenden Stiftung abzuziehen. Uneins scheint die Gruppe sich jedoch zu sein, wie sie die Vorgänge bewerten soll und ob sie überhaupt eine Bewertung abgeben soll - "vieles wird Interpretationssache bleiben", heißt es im Umfeld der innerkirchlichen Ermittler.

Den Bericht wird erst Tebartz-van Elst erhalten, dann Robert Zollitsch, der scheidende Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz. Zuletzt bekommt ihn Papst Franziskus, der oberste Interpret dessen, was eines katholischen Bischofs würdig ist - und was nicht.