Benimmkurse für Migranten Warum ein Schweizer Sozialdirektor Benimm-Flyer für Flüchtlinge druckt

  • Guido Graf hat Schlagzeilen gemacht, weil er nach den Kölner Silvesterübergriffen "Benimmkurse für Migranten" in Luzern ankündigte.
  • Der Sozialdirektor will im Vorfeld der Fasnacht Anfang Februar Prävention betreiben.
  • Jeder Asylbewerber solle wissen, dass bei sexueller Gewalt sofort und konsequent eingeschritten werde.
Von Charlotte Theile

"Ich will einfach nicht, dass etwas passiert"

Der Satz den Guido Graf, Sozialdirektor der Stadt Luzern, am häufigsten sagt, lautet: "Wir haben keine Probleme." Die Flüchtlinge, die in seinem Gebiet untergebracht sind, seien bisher nicht durch sexuelle Gewalt aufgefallen. Dennoch hat Graf in den vergangenen Tagen Schlagzeilen gemacht. "Benimmkurse für Migranten" würde man in Luzern nun abhalten, als Reaktion auf die Vorfälle am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht - und als Prävention für die Fasnacht Anfang Februar, wenn ganz Luzern im Ausnahmezustand ist.

"Da fließt natürlich viel Alkohol und es ist einiges los in der Stadt" sagt Graf. Dann, etwas leiser: "Ich will einfach nicht, dass etwas passiert." Die Vorfälle von Köln hätten "einiges ausgelöst" sagt Graf. Wie wahrscheinlich jeder, der für Asylbewerber zuständig ist, hat der Sozialdirektor in den vergangenen zwei Wochen besorgte Anfragen bekommen. Viele Menschen wollen wissen, was zum Schutz von Frauen und Mädchen unternommen wird.

Integrationskurse zum Verhältnis der Geschlechter gibt es seit Jahren

Diese Anfragen abzubügeln, wäre ein Leichtes gewesen. Seit Jahren gibt es in Luzern Integrationskurse, in denen Flüchtlinge lernen, dass das Verhältnis zwischen den Geschlechtern in der Schweiz ein anderes ist als in vielen arabischen Ländern. "Da geht es um ganz grundsätzliche Sachen: Dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind, dass es auch weibliche Chefs gibt, denen man genauso gehorcht wie männlichen."

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Diese Kurse seien vielleicht der Grund, warum man bisher so gut wie gar keine Probleme gehabt habe, vermutet Graf. "Aufgrund der Situation in Köln" ist er jetzt noch einen Schritt weiter gegangen. "Wir haben noch einmal einen extra Flyer erstellt, der sich mit sexueller Gewalt auseinandersetzt." Die Botschaft, die man mit dieser extra Informationsreihe aussenden wolle? "Nulltoleranz." Jeder Asylbewerber solle wissen, dass bei sexueller Gewalt sofort und konsequent eingeschritten werde. Mit dieser Strategie hofft Graf, auch die Luzerner zu beruhigen. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man am besten offen kommuniziert, auch wenn es Probleme gibt." Sobald der Flyer fertig sei, wird er veröffentlicht.

Stellt man damit die Flüchtlinge unter Generalverdacht? Graf ist anderer Meinung. "Wenn Sie einmal an der Fasnacht waren, wissen Sie: Es gibt genug Schweizer, die solche Informationen ebenfalls nötig hätten."