Bedauern über die "Fashionista" Das F-Wort

Fashionistas aus Plastik.

(Foto: REUTERS)

Wer ein neues Wort erfindet, der kann stolz auf sich sein. Möchte man meinen. Stephen Fried geht es anders: Er hat einst die "Fashionista" entdeckt und entschuldigt sich jetzt öffentlich für diesen Fauxpas. Dabei trifft die Schuld nicht ihn allein. Auch Angelina Jolie war beteiligt.

"Twenty years ago, I apparently changed language forever."

Mit diesem Satz beginnt ein Artikel, den Modeautor Stephen Fried in der US-Zeitung The Atlantic veröffentlicht hat. Was dann folgt ist jedoch keine seitenlange und vor Eigenlob strotzende Erklärung, wie man es schafft, ein eigenes Wort zu erfinden, das sich weltweit verbreitet. Nein, es ist eine Entschuldigung:

"I suppose I should apologize to all users of language for my crime against nomenclature."

Er habe das Wort Fashionista in seinem Buch "Thing of Beauty - The Tragedy of Supermodel Gia" eingeführt, so Fried, um damit all die Menschen zusammenzufassen, die an einem Fotoshooting für ein Magazin oder eine Werbung beteiligt seien: Fotografen, Moderedakteure, Art Directors, Stylisten, Make Up Artists und - nicht zu vergessen - Models. Ganze vier Mal taucht der Begriff Fashionista zwischen den beiden Deckeln des Buchs aus dem Jahr 1993 auf. Zum ersten Mal auf Seite 100. Seitdem hat er seine Bedeutung deutlich ausgeweitet.

Wie sonst könnten Sarah Jessica Parkers drei Jahre alte Zwillinge Tabitha und Marion als Fashionistas bezeichnet werden? Oder die 15-Jährige in der Kassenschlange von H&M, die über die Masse ihrer Einkäufe seufzt und die Augen rollt um anschließend entschuldigend zu ihrer Freundin zu sagen: "Hach Gott, ich bin eben eine Fashionista." Weil sie im Modebusiness sind? Sicher nicht.

Sondern weil das Wort Fashionista inzwischen nicht mehr ausschließlich für Menschen reserviert ist, die an Modeshootings teilhaben. Es dient auch als Bezeichnung für Leute, die einfach nur ein gesteigertes Interesse an allem zeigen, was mit Mode zu tun hat. So definiert der Duden Fashionista folgendermaßen:

sehr modebewusste Frau bzw. sehr modebewusster Mann

aus: ↑Fashion und italienisch -ista = Suffix, das die Zugehörigkeit zu einem Bereich, Anhängerschaft von jemandem oder etwas bezeichnet.

Mit der Ausweitung der Bedeutung ging eine häufigere Nutzung des Wortes einher. Für die weltweite Verbreitung der Fashionista war aber vor allem eine ganz bestimmte Person verantwortlich: Angelina Jolie. Sie übernahm 1998 in einem Film über das Topmodel Gia die Hauptrolle. Das Interesse an Gia, am Modebusiness im Allgemeinen - und an Angelina Jolie im Besonderen, aber das ist eine andere Geschichte - stieg gewaltig. Die Verkaufszahlen für Frieds Buch gingen noch einmal in die Höhe und mit ihnen die Nutzung des F-Wortes in US-Medien. Kurze Zeit später nahm das Oxford English Dictionary Fashionista als neues Wort auf.

Wortschöpfer Fried selbst zeigt sich in seinem Artikel "fasziniert" darüber, welche neuen Bedeutungen sein Neologismus im Lauf der Zeit angenommen hat. Er wehrt sich aber dagegen, das Ganze als Beleidigung gemeint zu haben. Denn Fashionista wird heute mitunter Synonym für Fashion Victim gebraucht - für eine Person also, die mit beunruhigender Regelmäßigkeit augenrollend in den Kassenschlangen von H&M und anderen Modehäusern steht.

Laut der international erscheinenden Modezeitschrift Grazia braucht sich Fried jedoch keine allzu großen Sorgen zu machen. Denn die Tage der Fashionista scheinen mittlerweile gezählt. Eine verantwortliche Moderedakteurin des Magazins sagte dem britischen Guardian, man spreche heute eher von der Stylista. Denn Fashion diktiere, während es bei Style vor allem auf die eigene Sichtweise ankomme. Nicht zu verwechseln sei die Stylista übrigens mit der Glamazon - der Glamour liebenden Amazone. Bei dieser Vielzahl an Möglichkeiten wünscht man sich fast in die Nuller Jahre zurück - als es nur eine gab: Die Fashionista.