Abtreibungsgegner "Marsch für das Leben" zieht schweigend durch Berlin

Vor allem christliche Gruppen hatten aufgerufen zu, "Marsch für das Leben" zum Bundeskanzleramt in Berlin.

(Foto: dpa)
  • Beim "Marsch für das Leben" sind etwa 5000 Demonstranten schweigend durch Berlin gelaufen.
  • Die Veranstaltung findet seit 2008 jährlich statt. Als Protest gegen Abtreibungen, Sterbehilfe und Präimplantationsdiagnostik.
  • Etwa 1700 Menschen demonstrierten gegen die Veranstaltung.

Etwa 5000 Menschen haben am Samstag in Berlin mit dem sogenannten "Marsch für das Leben" gegen Abtreibungen demonstriert. An den zwei Gegendemonstrationen "Mein Körper, meine Verantwortung, meine Entscheidung" und "Antifaschistische und queerfeministische Demonstration" nahmen laut Polizei insgesamt etwa 1700 Menschen teil. Die Polizei setzte rund 900 Beamte ein, um zu verhindern, dass die Gegendemonstranten den Marsch auf dem Weg durch Berlin-Mitte blockieren. Zu diesem hatten vor allem christliche Gruppen aufgerufen. Zwischenfälle gab es zunächst keine.

Der "Marsch für das Leben" findet seit 2008 jährlich in Berlin statt - in diesem Jahr unter dem Motto "Ja zum Leben - für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie!". Die Teilnehmer demonstrierten schweigend. Ihr Protest richtete sich gegen Abtreibungen, aber auch gegen Sterbehilfe und Präimplantationsdiagnostik.

"Die Entscheidungsfreiheit von Frauen kann so weit nicht gehen"

"Töten ist keine ärztliche Kunst" stand beispielsweise auf dem Schild der Teilnehmerin Madeleine Stahl. "Ich bin hier, weil ich für das Leben bin und gegen die Tötung von unschuldigen Lebewesen", sagte die 27-Jährige. "Ich bin gegen jede Art der Abtreibung, für mich ist das eindeutig Mord. Die Entscheidungsfreiheit von Frauen kann nicht so weit gehen, Lebenwesen zu töten."

Die Gegendemonstranten warfen den Marschierenden vor, Frauen das Recht auf Selbstbestimmung über ihr Leben und ihren Körper nehmen zu wollen. "Ich bin für sexuelle Selbstbestimmung und gegen die Position der Teilnehmer des "Marschs für das Leben", erklärte David Schönmann, 24 Jahre alt. "Eine Frau muss diese Entscheidung selbst treffen können. Darum demonstrieren wir hier. Wir sind ja nicht pauschal für Abtreibungen, aber für eine Wahlfreiheit."

Grußworte zum "Marsch für das Leben" sendeten diverse Prominente wie Erzbischof Reinhard Kardinal Marx oder die Bundestags-Politiker Volker Kauder (CDU) und Johannes Singhammer (CSU). Auch Grünen-Politiker Volker Beck zählt das Bündnis in der Liste der Grußwort-Sendenden auf.

Allerdings fällt dessen Schreiben sehr kritisch aus: "Es ist mehr als unsinnig, sich weniger Abtreibungen zu wünschen und gleichzeitig Aufklärungsunterricht aus den Lehrplänen streichen zu wollen", schreibt er. Und: "Was haben eigentlich immer wieder Neonazis in einer Demonstration verloren, die das Kreuz Jesu vor sich her trägt?" Auch schreckten einige der Demonstrationsteilnehmer "nicht mal davor zurück, Schwangerschaftsabbrüche mit der Shoa gleichzusetzen und fabulieren in Anlehnung an den Holocaust von einem 'Babycaust'."