75. Geburtstag von Juan Carlos König der Kalamitäten

Alles verziehen und vergessen: König Juan Carlos kann nach einem krisenreichen Jahr pünktlich zum Geburtstag wieder lachen.

(Foto: AFP)

Sturz bei der Großwildjagd, Gerüchte um eine heimliche Liebesaffäre, Krach mit Ehefrau Sofia. Das Leben war nicht leicht für Juan Carlos im vergangenen Jahr. Die Untertanen haben ihm seine Sünden aber augenzwinkernd verziehen - und so kann der spanische König munter Geburtstag feiern.

Von Thomas Urban

Nein, eine große Fiesta zum 75. Geburtstag des spanischen Königs Juan Carlos an diesem Samstag war von Anfang an nicht geplant. Dazu ist das vergangene Jahr zu schlecht verlaufen - für die Nation, aber auch für ihren Monarchen. Noch im Frühjahr schrieb die Madrider Presse von schweren Turbulenzen des Königshauses. Mitten in der Krise mit einem wachsenden Heer von Arbeitslosen war bekannt geworden, dass sich Juan Carlos auf einer Safari in Südafrika vergnügt hatte, mit dem Abschuss eines Elefanten und vielleicht auch mit einer deutschen Prinzessin.

Damit war ein Tabu gebrochen: Zum ersten Mal berichteten Spaniens Medien über Fehltritte des Königs und sparten auch nicht an Häme, als wenig später die Feier zur goldenen Hochzeit des königlichen Paares abgesagt wurden. Angeblich auf Betreiben seiner Gemahlin Sofia, die ihn nach einer Hüftoperation auch tagelang nicht im Krankenhaus besuchte.

Zwei Bücher, die schonungslos mit Juan Carlos umgingen, wurden Bestseller: "Die Einsamkeit der Königin" und "Gespräche über den König". In letzterem wurde die Behauptung aufgestellt, er habe als 18-Jähriger bei einer Mutprobe seinen kleinen Bruder Alfonso erschossen. Die Behörden, hieß es, hätten den Vorfall als Unfall vertuscht.

Die Kalamitäten komplementierte der gemeinsame Antrag eines 56-jährigen katalanischen Kellners und einer 46-jährigen belgischen Hausfrau, Juan Carlos zu einem Vaterschaftstest zu zwingen. DNS-Tests hatten ergeben, dass beide Halbgeschwister sind, und ihre Mütter hatten angegeben, vom König geschwängert worden zu sein. In ersten Kommentaren wurde bereits über die Folgen für die Thronfolge spekuliert. Doch ein Madrider Gericht wies den Antrag wegen der rechtlichen Immunität des Staatsoberhauptes zurück.

"Ein König dankt nicht ab"

Schützenhilfe bekam Juan Carlos dann ausgerechnet von der Sozialistischen Partei, die ihn für seine "neutrale Haltung" und als "Garanten der Demokratie" lobte. Wieder wurde daran erinnert, dass er sich 1981 gegen monarchistische Putschisten gestellt hatte. Der König selbst hatte schon nach der Elefantenjagdaffäre zerknirscht gelobt, er werde es nie wieder tun - wobei offen blieb, ob damit Großwildjagden oder Affären mit Prinzessinnen oder beides gemeint waren. In den Augen seiner Untertanen hat dem "Bürgerkönig" laut Umfragen beides aber nicht geschadet.

Soziologen verweisen darauf, dass in Ländern mit Macho-Tradition solche Sünden augenzwinkernd verziehen werden. Auch wird er selbst nicht mit der Finanzaffäre in Verbindung gebracht, in die sein Schwiegersohn Inaki Urdangarin wohl verstrickt ist.

Und so kann Juan Carlos an seinem Geburtstag trotz allem zum Feiern zumute sein. Er ist nach wie vor der beliebteste Politiker des Landes - und das mit riesigem Abstand. Auch ein Thronverzicht ist längst kein Thema mehr. Die duldsame Gemahlin Sofia wird dazu mit den loyalen Worten zitiert: "Ein König dankt nicht ab, er stirbt im Bett."