Zwischennutzung im Heizkraftwerk Club, Kunsthalle, Restaurant

Seit 2006 stand das ehemalige Heizkraftwerk an der Katharina-von-Bora-Straße leer, nun hat das Zwischennutzungsprojekt "Mixed Munich Arts" eröffnet. Mit Club und Restaurant. Außerdem sollen hier Konzerte, Aufführungen und Ausstellungen stattfinden.

Von Philipp Crone

Katrin Simonis hat in dem Hinterhof an der Katharina-von-Bora-Straße 8 kurz die Orientierung verloren. Das ist erstaunlich, denn Simonis ist Mitbetreiberin des Zwischennutzungsprojekts "Mixed Munich Arts" auf dem Gelände des ehemaligen Heizkraftwerks der Stadtwerke München. "Wie muss ich da gehen?", fragt sie den Kollegen Constantin Mascher.

Man muss allerdings zugeben, dass es sich nicht um einen einzigen Raum handelt, der eine Zeit genutzt werden kann, sondern um ein ganzes Ensemble, das durchaus labyrinthartige Züge hat. Mit der Wegbeschreibung Maschers macht sich Anwältin Simonis auf zum neuen Restaurant, und sie ist dabei einmal mehr überrascht, was für eine verschlungene Welt sie hier geschaffen haben.

Orientieren und entdecken, darum geht es an diesem Abend, darum geht es aber auch bei dem gesamten Projekt. Die Geschichte des Geländes und der Bauten an der Katharina-von-Bora-Straße reicht bis in die Nazizeit zurück, und auf dem Weg in Restaurant und Club ist davon auch noch einiges zu sehen. Zur Zeit der Nationalsozialisten war das Gelände um den Königsplatz ein Parteiviertel, verbunden durch unterirdische Gänge, die nun wieder genutzt werden und Erstaunliches zu Tage fördern. "Wir haben zum Beispiel eine Unterschrift gefunden: ,William aus Tennessee, 1945' stand da. Außerdem eine Kegelbahn und eine Art Dampfbad."

Seit 2006 standen die Gebäude leer, das Areal sollte verkauft werden. Doch im Sommer 2011, die Pläne für ein Wohnquartier waren bereits fertig, stoppte Oberbürgermeister Christian Ude das Verkaufsverfahren. Gerade war das Projekt "The Seven" mit seinen Luxusquartieren an der Müllerstraße stark in der Kritik, da wäre ein weiterer Verkauf von Stadtwerke-Grund an Investoren und eine nächste Luxus-Wohnanlage in der Innenstadt nicht darstellbar gewesen.

Die neuen Pläne sehen bezahlbare Mietwohnungen vor; Wohnraum, zuletzt im Kommunalwahlkampf das große Thema. Bis allerdings gebaut wird, ist Platz für Kultur, auch darum ging es in vielen Wahlkampfdebatten. Bis zunächst Ende 2015 dürfen Simonis, Mascher und der Galerist Mathias Arifin zeigen, was eine kreative Spielwiese für Musik und Kunst bieten kann. Ein erster Eindruck entsteht am Abend der Eröffnung. Da hallen die Bässe aus dem neuen Kellerclub über den Hinterhof an die Fassaden, hinter denen leere Räume oder Büros liegen, aber keine Wohnungen.

Simonis steigt eine provisorische Eisentreppe runter in den Keller, biegt gleich rechts ab. Die Halle lässt einen innehalten, 35 Meter hoch, 20 lang, 15 breit. "Wir haben hier 300 Tonnen Stahl rausgenommen", sagt Simonis. So leer der Raum jetzt ist, so vollgestopft war er vorher: "Eng wie in einem U-Boot, voller Rohre und Kessel."

"Ein Pianokonzert, dazu Elektromusik"

Hier wird es Konzerte geben, Ausstellungen, eine Mischung verschiedener Genres. "Ein Pianokonzert, dazu Elektromusik", sagt Constantin Mascher. Lichtinstallationen, Klassischer Tanz mit moderner Musik, Theater, "es gibt viele Ideen". Der Umbau hat mehrere hunderttausend Euro gekostet, das will die Kreativgruppe durch die Vermietung für meist sehr lukrative Firmenevents wieder einspielen.

Am Freitagabend ist die Halle leer, und auch der kleinere Nebenraum, der ebenfalls bespielt werden soll. Simonis findet den Weg zum Restaurant, über weitere Eisentreppen, entlang einer Balustrade zur Halle im ersten Stock. Das Restaurant grenzt an die Halle und an den Hof, dort soll auch eine Terrasse entstehen. "Die Leute können hier den ganzen Tag verbringen", sagt Simonis. Essen auf der Terrasse, anschließend ein Ausstellungsbesuch, und dann noch einen Abstecher an William aus Tennessee vorbei in den Club. "Wir wollen zeigen, was möglich ist, wenn man einen nicht ganz ausentwickelten Raum bespielt", sagt Mascher.

Die Besucher, die er sich vorstellt, sind "barrierefrei im Kopf". Der Elektrofan schaut sich die Installation in der Halle an, der Kunstinteressierte nimmt noch ein Astra im Club. Der ist in der ehemaligen Prüfstelle für Kondensatoren eingerichtet. Zwei Bars, ein Dutzend Kühlschränke, reduziertes Licht, schwarze Wände, DJ-Pult - das Publikum testet am Freitag erst einmal den Ort, es wird mehr geschaut als zum Rhythmus geschaukelt.

"In anderen Städten gibt es viel mehr solche Orte", sagt Mascher. Berlin, Leipzig, dort finde man alte Industrie-Anlagen, aber nicht in München. Neue Orte, neue Konzepte. Wenn die Oper Fassaden und den Max-Joseph-Platz bei "Oper für alle" bespielt, wenn die Kammerspiele ein Elektrokonzert veranstalten, dann zeigt das, wie sehr alle nach neuen Möglichkeiten und Kreativorten suchen. Einen gibt es nun, allerdings mal wieder nur auf Zeit.

Der Club öffnet Freitag und Samstag um 22 Uhr, das Restaurant zunächst Freitag und Samstag um 19 sowie Montag bis Freitag von 12 bis 14.30 Uhr.