Podiumsdiskussion Einsame Energieallianz

Außer den Betreibern findet sich kein dezidierter Befürworter eines Pumpspeicherwerks am Jochberg. Vor 500 Teilnehmern mahnt der Kochler Bürgermeister Holz Transparenz an

Von Suse Bucher-Pinell

Podiumsdiskussion in der Heimatbühne Kochel mit (von links) dem Bürgermeister von Jachenau, Georg Riesch, Landrat Josef Niedermaier und dem Kochler Bürgermeister Thomas Holz.

(Foto: Manfred Neubauer)

Am Ende der Diskussion stand die Energieallianz Bayern als Befürworter des geplanten Pumpspeicherwerks (PSW) am Jochberg allein da. Selbst der Innsbrucker Universitätsprofessor Markus Aufleger, ein überzeugter Verfechter der Nutzung von Wasserkraft, sieht das Projekt kritisch. "Wir brauchen Pumpspeicherwerke", sagte er und fügte an: "Der Jochberg ist ein Superstandort." Dennoch blicke er mit Sorge auf den beliebten Ausflugsberg. "Ich akzeptiere die Betroffenheit der Menschen."

Die ist groß, das zeigte das Interesse an der vom Aktionsbündnis "Nochberg - der Jochberg lebt" organisierten Podiumsdiskussion am Donnerstagabend in der Kocheler Heimatbühne. 500 Interessierte waren gekommen, die Stühle reichten nicht aus. Ob man weitere Pumpspeicherwerke überhaupt braucht, ob sie noch eine zeitgemäße Technik darstellen oder bald von neueren Speichertechnologien abgelöst werden und ob sie in Zukunft wirtschaftlich betrieben werden können, darüber gingen die Meinungen auseinander. Bis auf die Energieallianz bekannte sich keiner ausdrücklich zum Standort Jochberg, selbst wenn Pumpspeicherwerke an sich auch verteidigt wurden.

Wolfgang Seiler, der Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Energiewende Oberland (EWO), will jedoch kein weiteres Pumpspeicherwerk. "Wir wollen nicht mit einer Technik von gestern die Probleme von morgen lösen", warnte er und plädierte für die Stromspeicherung über das Verfahren "Power to Gas", bei dem Strom mittels Elektrolyse in Gas umgewandelt wird, dann ins Erdgasnetz eingespeist und langfristig gespeichert werden kann. Er ist sich sicher, dass technologische Entwicklungen so weit fortschreiten, "so dass wir zusätzliche Pumpspeicherwerke gar nicht mehr brauchen ." Sie seien überdies nicht in der Lage, saisonale Schwankungen zwischen Winter und Sommer in der Stromerzeugung auszugleichen, sondern könnten Energie nur kurzfristig speichern.

Seiler setzt vor allem auf den technologischen Fortschritt, den er für so rasant hält, dass zusätzliche Pumpspeicherwerke nicht mehr nötig seien. Er fordert einen Masterplan, der auch die Bereiche Wärme und Mobilität umfasst. Die Bürger wollten die Energiewende umsetzen, sagte er. "So, wie es bisher läuft, sind sie demotiviert von dem Hin und Her."

Auch Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND und des Bunds Naturschutz in Bayern, verlangt eine Gesamtplanung für erneuerbare Energien, die auch Effizienz und Sparsamkeit berücksichtigen. "Die Speicherfrage ist zentral für den Erfolg der Energiewende", sagte er. Weiger schließt Pumpspeicherwerke nicht ganz aus. Es könne aber nicht sein, dass es nur "diesen einen Standort am Jochberg" gibt. Das sei "Vogel-friss-oder-stirb-Politik" sagte er. "Was wir im Moment machen, ist nur Stückwerk." Man sei gezwungen, für das letzte Fleckchen unserer Heimat zu kämpfen. Die Energiewende sei kein Luxus, sonder eine Überlebensfrage.

Energie-Allianz-Geschäftsführer Joachim Martini betonte, dass das Projekt bisher nur als Grobkonzept vorliege und im Raumordnungsverfahren Alternativen geprüft würden. Seiner Aussage, alles laufe sehr transparent, widersprach Kochels Bürgermeister Thomas Holz (CSU) vehement. Seit mehr als einem Jahr fordere er vergeblich Konzepte und Untersuchungen weit vor der Raumordnung. "Wir sind doch keine Hinterwäldler, die sich beruhigen lassen", schimpfte er unter lautem Beifall.

Auch der Alpenverein, dessen Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig auf dem Podium saß, kritisierte den Standort. "Für uns ist der Jochberg zu zufällig", sagte er. "Wir lehnen das Projekt ab." Er will Einsparung und Effizienz berücksichtigt wissen bei der Umsetzung der Energiewende.

Die Bürger machen sich darüber hinaus noch andere Sorgen. Benedikt Fischer vom Verein "Kein PSW" warnte vor sinkender Wassertemperatur des Badegewässers Walchensee durch die permanente Durchmischung beim Pumpen. Franz Speer vom Verein "Rettet die Isar jetzt" befürchtete, dass das hohe und durch die Wasserfüllmenge stark variierende Gewicht des Oberbeckens Schaden am Berg auslösen und das Wasser irgendwann in die Jachenau laufen würde. Die geologischen Untersuchungen stehen noch aus.