Nach Veranstaltung in der Loisachhalle Ein ganz starkes Wir-Gefühl

Die Geretsrieder Mittelschüler bei den Vorbereitungen ihres bunt inszenierten Auftritts in der Loisachhalle.

(Foto: oh)

Schüler reflektieren ihre Teilnahme am Gedenken zur Bücherverbrennung

Von Felicitas Amler, Wolfratshausen/Geretsried

Man kann diese Zeilen kaum lesen, ohne Tränen in den Augen zu haben. Schülerinnen und Schüler haben zu Papier gebracht, wie sie ihre Teilnahme am Gedenken zur Bücherverbrennung der Nazis am 10. Mai in der Loisachhalle erlebt haben. Alexander aus der Grundschule Waldram schwärmt mit kindlichem Überschwang: "Das war der schönste Abend der Welt." Seine Mitschülerin Elisabeth stellt fest: "Das war gut in meinem Leben." Und in der Geretsrieder Mittelschule sind alle von der Erfahrung ergriffen, wie wunderbar es ist, wenn aus vielen einzelnen Leistungen eine große ganze wird: "Wir alle gemeinsam. Das war so aufregend", sagen Vivien, 14, und Jana, 15. Die 15-jährige Laura spricht sehr nachdenklich von der anstrengenden Disziplin, welche die Proben erforderten. "Und als ich mit meiner Klasse auf der Bühne stand und nach vorne schaute, habe ich es gespürt. Nicht gesehen, ich habe es ganz stark gespürt, dass alle anderen voll dabei sind, ganz konzentriert, und sich richtig gut benehmen. Und dann der Applaus ..."

Der Historische Verein Wolfratshausen und der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) haben heuer zum zweiten Mal eine große und auf viele Schultern verteilte zeitgeschichtliche Gedenkveranstaltung organisiert. Die Resonanz war enorm: ein volles Haus und nach Abzug aller Kosten eine Summe von 10 000 Euro, die dem Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald - auch dies ein zeitgeschichtliches Gedenkprojekt - zugutekommt. Sybille Krafft, Vorsitzende des Historischen und des Badehaus-Vereins, ist hoch zufrieden mit diesem "Zeichen der Wertschätzung" für die Arbeit, die Ehrenamtliche leisten: "Eine große Ermutigung."

Dass so viel Geld in der Kasse bleibt, ist den Prominenten zu verdanken. Leuten wie den Kabarettisten Christian Springer und Helmut Schleich oder den Schauspielern Peter Weiß und Udo Wachtveitl, die zur Lesung eigens anreisten und völlig auf Gage verzichteten. Die stärkste Wirkung aber hat der Abend, der von allen enthusiastisch aufgenommen wurde, durch die Kinder und Jugendlichen der Region - und am Ende gewiss auch auf sie gehabt.

Sybille Krafft und ihre Kooperationspartnerin von KIL, Assunta Tammelleo, haben dieses Konzept entwickelt: Die Gedenkveranstaltung ist nicht einfach eine Lesung aus verbrannten Büchern, wie sie überall stattfinden könnte. Vielmehr wird gezielt die junge Generation an die NS-Geschichte herangeführt. Und dies in einer Weise, die packend und mitreißend ist, wie die Lehrer bestätigen. "Hier wird aus Lehrstoff Bildung und aus gelerntem gelebtes Geschichts- und Demokratieverständnis", sagt Lilly Rottengatter, Leiterin der Mittelstufen-Theatergruppe am Gymnasium Icking. Ihre für Kunst zuständige Kollegin Anja Tiemann spricht gar von "bester Populismus-Prophylaxe". Kunstlehrerin Marcella Ide-Schweikart von der Realschule Geretsried sieht es ähnlich: Die Teilnahme schärfe den Blick auch für undemokratische Tendenzen in der Gegenwart.

Die jungen Leute konnten sich diesmal mit bildenden Künstlern auseinandersetzen, die von den Nazis als "entartet" verfemt wurden. Das habe dazu angeregt, selbst mehr drüber nachzudenken, sagt die Gymnasiastin Silvana; ihrer Mitschülerin Marie ist aufgefallen, "dass viele Künstler zu der Zeit sich viel getraut und ihren Mut gezeigt haben".

Die Geretsrieder Mittelschüler hatten eine eigene Geschichte entwickelt, die sie auf der Bühne inszenierten: mit selbst gemalten Kunstwerken, einem bedrohlichen Feuertanz und einem Löschtrupp, der die Flammen mit bunten Farbspritzern tilgt - Symbol einer pluralistischen und weltoffenen Gesellschaft, wie der Kulturpädagoge und Projektleiter Erich Mayer erklärt. Die Jugendlichen betitelten ihr Stück mit dem Versprechen: "Wir tragen die Bilder weiter." Selma, 15, glaubt, dass dies gelungen ist. "Cool", schreibt sie, "wir haben das wirklich gut gemacht. Nicht ich, sondern wir."