Quadro Nuevo und Café del Mundo Mit Herz und Seele

Einmalige Kombi: Quadro Nuevo und Café del Mundo.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das Publik im Ickinger "Hollerhaus" lässt sich von Tango- und Flamencoklängen verzaubern.

Von Thekla Krausseneck, Icking

Sie sind überall zu sehen: Die Gesichter mit den geschlossenen Augen, in nahezu jeder Reihe des Publikums. Manche lächeln zufrieden in sich hinein, andere nicken mit dem Kopf oder fühlen mit unruhigen Fingern dem Rhythmus nach. Über die Filme, die vor den inneren Augen ablaufen, während die mal fetzigen, mal nachdenklichen Tango- und Flamencoklänge ins Publikum einsickern, verrät das nichts. Dagegen berichtet das allein für diesen Auftritt im Ickinger "Hollerhaus" zusammengefügte Quartett, bestehend aus den Gitarristen Jan Pascal und Alexander Kilian von Café del Mundo und den Quadro Nuveo-Stars Didi Lowka und Mulo Francel, genau von seinen Inspirationen und den in Spanien und Südamerika aufgesammelten, heiteren Geschichten, die ihre Stücke geformt haben. Zu lachen gibt es dabei eine Menge; die meisterhafte Musikdarbietung kommt trotzdem nicht zu kurz.

Da ist etwa die Erzählung von einer kunterbunten Häuserreihe an einer südamerikanischen Küste. Auf die Frage, warum die Häuser alle so bunt seien, gebe es eine einfache Antwort: Damit man gleich von den Booten auf See aus sehen könne, wer das größte Haus habe. Oder die Geschichte von dem Taxifahrer in Buenos Aires, der zu Rotwein und Tango-Rhythmen nur mit dem kleinen Finger das Auto lenkend Schlangenlinien auf der vierspurigen Straße fährt und seine Insassen nach einem waghalsigen U-Turn durch den Gegenverkehr sanft auf den Bordstein purzeln lässt. Saxofon, Klarinette, Gitarren und ein mal gezupfter, mal getrommelter Kontrabass gießen diese Geschichten in bunte Klangbilder, die vor den geistigen Augen des Publikums zu ganz eigenen Filmen gerinnen.

Die Erwartungen sind groß: Das Hollerhaus ist so voll, dass sich das Publikum gegenseitig auf dem Schoß säße, würde man nur ein halbes Dutzend weiterer Stühle hineinstellen. Zwei Frauen haben nicht reserviert und müssen draußen bleiben: Keine Chance, alles voll. Die Erwartungen werden nicht erfüllt, sondern übertroffen. In der Pause herrscht großes Gedränge beim CD- und Schallplattenverkauf. Vier Zugaben muss das Quartett am Ende spielen, vorher gibt das Publikum keine Ruhe. Zwischen zwei Zugaben malt Lowka mit dem Finger ein Herz in das beschlagene Fenster hinter sich. Damit ist dann auch alles gesagt: Musiker und Publikum, Herz und Seele, die Begeisterung ist auf allen Seiten perfekt.