Geretsried Vorfahrt für S-Bahn-Verlängerung

Bürgermeister Michael Müller ordnet alle Vorhaben der Stadt Geretsried dem Ausbau der S 7-Strecke unter. Gerüchte über einen Verzicht auf das interkommunale Hallenbad bezeichnet er jedoch als "Firlefanz"

Von Alexandra Vecchiato, Geretsried

Auf die Stadt Geretsried kommen in den nächsten Jahren millionenschwere Investitionen zu. Als wichtigstes Projekt nennt Bürgermeister Michael Müller (CSU) die S-Bahn-Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried. Diese habe Vorrang, alle anderen Vorhaben müssten dem S 7-Ausbau untergeordnet werden - auch das geplante interkommunale Hallenbad. Eine Entscheidung wird der Stadtrat im Herbst dieses Jahres treffen.

Diverse Gerüchte kursieren: So werde im Rathaus überlegt, das Sprungbecken im neuen Schwimmbad zu modifizieren und dadurch Einsparungen zu erzielen. Es geht um das Drei-Meter-Sprungbrett, auf das verzichtet werden soll. Die Wasserfläche bliebe erhalten, aber das Becken müsste nicht mehr so tief ausgelegt werden. Ein anderes Gerücht besagt sogar, dass Geretsried komplett auf das Hallenbad (Investitionskosten: knapp 13,4 Millionen Euro) verzichte, zumindest wie es nach derzeitigem Stand realisiert werden solle. Die Stadt will gemeinsam mit dem Landkreis, Wolfratshausen, Königsdorf, Eurasburg, Münsing, Icking, Dietramszell und Egling das Bad an der Adalbert-Stifter-Straße errichten, das primär als Sportstätte genutzt werden soll. Dafür würde sie auf die Förderung der Regierung von Oberbayern in Höhe von 4,2 Millionen Euro verzichten, heißt es, und irgendwann ein kleineres Schwimmbad alleine bauen.

"Firlefanz" und "Quatsch", kommentiert Bürgermeister Müller die Gerüchte. Es sei nichts entschieden, in keinem Stadtratsgremium derartiges besprochen worden. Gleichzeitig sagt er: "Natürlich müssen wir uns Gedanken machen." Fakt sei, so Müller weiter, dass alle Projekte momentan zurückgestellt seien, bis man wisse, "was die S-Bahn kostet". Wie viele Millionen genau auf die Stadt zukommen werden, ist offen. Bislang haben sich Landkreis, Wolfratshausen und Geretsried darauf geeinigt, sich 17 Millionen von insgesamt 44 Millionen Euro, die die Absenkung der Gleise an der Wolfratshauser Sauerlacher Straße kosten soll, zu teilen. Der Kreis übernimmt 70 Prozent, die Städte je 15 Prozent. Aber die Summe von 44 Millionen beruht auf einer Kostenschätzung aus dem Jahr 2009. "Natürlich wird unser Anteil höher ausfallen", sagt Müller. In zwei Monaten hofft er, mehr über die tatsächlichen Kosten zu wissen. Am 7. Juli werden der Finanz- und der Entwicklungsausschuss gemeinsam beraten. Der Stadtrat wird seinen Beschluss am 28. Juli fassen.

Dann ist Sommerpause. Im Herbst gehen die Räte in Klausur. Danach werde man sehen, welches der vielen Projekte wie und wann umgesetzt werden könne, sagt Müller. Beim interkommunalen Hallenbad gelte es, die Grundsatzentscheidung zu treffen, ob man sich ein jährliches Betriebskostendefizit von einer Million Euro leisten wolle. Geretsried beteiligt sich nicht nur an der Tieferlegung in Wolfratshausen, die Stadt muss zudem alle Infrastrukturmaßnahmen rund um die drei neuen Bahnhöfe auf ihrer Flur stemmen.

Ungeklärt ist, ob sich Geretsried an den Kosten in Wolfratshausen beteiligen darf. Man arbeite mit dem Innenministerium an einer Begründung, sagt Müller. "Das ist schwierig darzustellen, aber nicht unmöglich." Und: "Wir werden uns die S-Bahn leisten können, weil sie wichtig ist."