Geretsried Unbequeme Denkmale

Die Blasinstrumente-Manufaktur Wenzel Meinl (hier eine Aufnahme von 1952) ist Teil des Films von Sybille Krafft, da sie in einem früheren Bunker aufgebaut wurde.

(Foto: Privat/oh)

Sybille Krafft dokumentiert "Neues Leben in alten Bunkern"

Von Peter Buchholtz, Geretsried

Im Wald um Geretsried findet man sie heute noch: Überreste verwucherter Relikte aus der NS-Zeit. Doch frühere Rüstungsbunker gibt es auch inmitten der größten und jüngsten Stadt im Landkreis, wie der Film "Neues Leben in alten Bunkern" der Ickinger Historikerin und Journalistin Sybille Krafft zeigt.

Gut 150 Zuschauer wollten sich die Vorpremiere der 45-minütigen Dokumentation am Montagabend nicht entgehen lassen. Dabei bietet der große Sitzungssaal im Geretsrieder Rathaus gerade einmal 100 Sitzplätze, der Rest der Besucher musste auf eine zweite Vorstellung eine Stunde später vertröstet werden. Der sichtlich stolze Dritte Bürgermeister Gerhard Meinl (CSU) sprach in seinem Grußwort von einem bedeutenden Erbe: "Geretsried bot mit seinen Bunkern und Baracken Unterkunft für die Heimatvertriebenen. Daraus ist eine wirtschaftlich blühende Stadt entstanden", sagte er. Die Unternehmerfamilie Meinl war aus dem Sudetenland vertrieben worden und fand in Geretsried eine neue Heimat. Im Film führt Gerhard Meinl durch die Manufaktur für Blechblasinstrumente, die nach dem Zweiten Weltkrieg in einem einstöckigen Hochbunker unterkam. Sukzessive wuchs das Unternehmen an, doch auch heute sind die Bunkeranlagen als Basis des Gebäudes erhalten geblieben, selbst die Werkbänke stehen nahezu unverändert.

Nicht nur die Geretsrieder können "Bunkergeschichten" erzählen; im Film besucht Sybille Krafft eine Senioren-Hausgemeinschaft in einem Nürnberger Hochbunker, eine Sektkellerei, die sich einen alten Stollen zu Nutzen macht, und die Besitzer einer Schweinfurter Werbeagentur, die von einem Penthouse auf einem eineinhalb Meter dicken Stahlbeton-Bunkerdach träumen. Die Münchner Architektin Donata Eberle hat sich gar auf die aufwendige "Revitalisierung" von Bunkeranlagen spezialisiert, wie im Münchner Stadtbild etwa am Hotel im Bunker in Allach, einem Wohnturm in Giesing und dem Hotterbunker im Münchner Zentrum zu sehen ist.

Auch unbequeme Denkmale müssten ins Bewusstsein der Menschen gebracht werden, findet die Historikerin Krafft, die mit dem Film vor allem privaten Denkmalbesitzern in Bayern ein Denkmal setzen möchte.

"Neues Leben in alten Bunkern", Sonntag, 12. März, 19. 15 Uhr im Bayerischen Rundfunk.