Geretsried: Lorenz-Areal Konkurrent direkt vor der Haustür

Neben den geplanten Baumarkt auf dem Lorenz-Areal soll ein Elektromarkt einziehen - 300 Meter von Thomas Purmanns Geschäft entfernt. CSU-Stadtrat Ewald Kailberth kritisiert die Pläne.

Von Thekla Krausseneck

Thomas Purmann, Junior-Chef des seit 35 Jahren bestehenden Isartaler Elektromarkts, sieht sich von den Krämmel-Plänen bedroht.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Den Geretsrieder Kaufleuten bereitet das geplante Einzelhandelgebiet auf dem Lorenzareal Sorgen: Nicht nur in der Innenstadt am Karl-Lederer-Platz erwarten Geschäftsinhaber Umsatzeinbußen nach der Eröffnung des neuen Zentrums, auf dem neben einem Baumarkt auch ein Discounter und ein Vollsortimenter einziehen könnte. Der seit 35 Jahren bestehende Isartaler Elektromarkt blickt einem baldigen Nachbarn besorgt entgegen - denn auf dem Grundstück soll ein Elektromarkt mit gleicher Verkaufsfläche Platz finden. CSU-Stadtrat Ewald Kailberth beschwert sich unterdessen über das Bauunternehmen Krämmel: Dieses habe schon viel versprochen und wenig gehalten. Denn anfangs sollte auf dem Lorenzareal noch ein Freizeitzentrum entstehen.

Thomas Purmann nennt das Vorhaben, auf dem Lorenzareal einen zweiten Elektromarkt zu etablieren, "unlogisch". Purmann ist Geschäftsführer des Isartaler Elektromarkts, sein Vater Karl-Heinz Purmann gründete den Markt vor 35 Jahren. Zwar glaubt Thomas Purmann nicht, dass der neue Elektroladen sein Geschäft verdrängen wird. Aber dass die Umsätze innerhalb eines Jahres um 20 bis 30 Prozent einbrechen, hält er für unumgänglich. Ob er danach noch alle 30 Mitarbeiter beschäftigen können wird, müsse sich zeigen. "Es nutzt niemandem, einen Elektromarkt zu bauen, wenn bereits einer vorhanden ist", findet Purmann. Eine interne Analyse des Unternehmens habe ergeben, dass schon für Geretsried allein ein Markt wie der Isartaler zu groß sei. Thomas Purmanns Kundenkreis komme vor allem von außerhalb der Stadt.

Vor 35 Jahren öffnete der Isartaler Elektromarkt in der Alpenstraße mit einer Fläche von 300 Quadratmetern. Im Geschoss über dem Baumarkt Baufuchs in der Jeschkenstraße vergrößerte er sich ab Mitte der 80er Jahre von rund 500 auf 2000 Quadratmeter. In dieser Größe zog er vor fünf Jahren an seinen jetzigen Standort an der Bayerwaldstraße um. Wenn nun dort, nur etwa dreihundert Meter weiter, noch ein weiterer Elektromarkt entstünde, sagt Purmann, hätte der zunächst mit der Konkurrenz eines etablierten Markts zu kämpfen - dem Isartaler. Purmann rechnet nicht damit, dass das neue Elektrogeschäft in den ersten fünf Jahren schwarze Zahlen schreiben würde. Immerhin befänden sich in der Kundenkartei des Isartaler Elektromarkts 40 000 Kunden - auch aus München. Die Zahl der Kunden, die nicht von der EDV erfasst sind, sei noch höher.

Ob sich beide Märkte halten können werden oder nicht, ist nach Ansicht Ewald Kailberths, stellvertretendem CSU-Ortsvorsitzenden, nicht abzuschätzen: "Da entscheidet dann viel der Service." Neben dem Elektromarkt würden auch andere Läden zu leiden haben, sagt der CSU-Stadtrat. Gerade deshalb sei das Gebiet des einstigen Spielzeugherstellers Lorenz von der Stadt ursprünglich auch nicht als Einzelhandelszentrum geplant gewesen. Mit einem Bowling-Center, einem Kino, einem Fast-Food-Restaurant und einem Hotel habe der Bauunternehmer der Stadt den Mund wässrig gemacht. Nach jeder Änderung durch den Bauunternehmer sei danach etwas weggefallen, bis am Ende nur noch der Baumarkt und das Hotel übrig geblieben seien. Letzteres wurde vor einem Vierteljahr mangels Betreiber durch einen Drogeriemarkt ersetzt. Von einem Freizeitzentrum ist nichts mehr übrig, bedauert Kailberth.

Stattdessen würden die Bürger ihre Wochenendeinkäufe in Zukunft wohl auf dem Lorenzareal erledigen, und nicht mehr etwa im Rewe in der Egerlandstraße. "Da wird schon was wegbrechen", sagt Kailberth mit Blick auf die Kundschaft des Karl-Lederer-Platzes. Das neue Gebiet werde in jeder Hinsicht Kaufkraft wegziehen. Warum der Stadtrat das in Kauf genommen hat? "Die Leute wünschen sich einen Baumarkt", sagt Kailberth. "Der Stadtrat hat jetzt die Kröte geschluckt." Der letzten Planänderung des Bauunternehmens gab der Stadtrat nach, in der Hoffnung, der Baumarkt werde dadurch zeitnah entstehen.

Olaf Breuer, Geschäftsführer und Architekt bei Krämmel, glaubt nicht an eine Schwächung des Zentrums. "Zu einem Zentrum gehört mehr, etwa ein Restaurant im Pavillon." Mit dieser Aussage spielt Breuer auf das Gestaltungskonzept für den Karl-Lederer-Platz an, das er am Dienstag dem Stadtrat präsentiert hat. Zu dem Konzept zählt ein Glas-Pavillon in der Platzmitte, in dem in Breuers Vision ein Restaurant eröffnen könnte. "Das macht ein Zentrum aus. Und kein Drogeriemarkt." So verlockend die Vision vom Karl-Lederer-Platz auch sein mag: Kailberth betrachtet die neue Entwicklung in der Stadtmitte kritisch. Das Lorenzareal habe ihn geprägt. "Ein gebranntes Kind scheut das Feuer", sagt er. "Ich werde das genau beobachten."