Geretsried Ausverkaufte Pizzen

Die Firma setzt weiterhin auf Handarbeit, überall dort, wo sie den Qualitätsunterschied ausmacht, etwa beim Ausbreiten des Teigs.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Gustavo Gusto nimmt die Produktion in der neuen Halle auf und kann Engpässe im Handel überbrücken. Nach wie vor sucht die Firma zusätzliches Personal.

Von Thekla Krausseneck

Ein Geretsrieder Unternehmen erobert die Pizza-Branche: Gustavo Gusto beliefert inzwischen weite Teile Deutschlands - und ist in den Läden ständig ausverkauft. Um die überwältigende Nachfrage zu stillen, nimmt Franco Fresco, die Firma hinter Gustavo Gusto, voraussichtlich kommende Woche seine neue Produktionshalle auf dem ehemaligen Lorenzareal in Betrieb. Zunächst soll jedoch nur eine von drei Linien gefahren werden - denn bislang fehlt gut die Hälfte des benötigten Personals.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Alle wichtigen Maschinen sind bereits geliefert und werden in der neuen Produktionshalle gerade angeschlossen und getestet. Darüber hinaus baut Gustavo Gusto derzeit ein neues Kühllager. "Sobald alles rund läuft, geht's los", sagt der kaufmännische Leiter Guido Haugg. "Auf den Tag genau können wir nicht sagen, wann es losgeht. Aber schon sehr bald." Gustavo Gusto mietete das ehemalige Sieber-Gelände Ende 2017 von der Baufirma Krämmel und begann im Frühjahr 2018 mit dem Umzug.

Der vorherige Besitzer, der Fleischproduzent Sieber, hatte 2016 wegen eines Listerien-Skandals Insolvenz anmelden und die Halle räumen müssen. Christoph Schramm, Geschäftsführer von Franco Fresco, sagte bereits im November, dass er sich wegen der Listerien keine Gedanken mehr mache: Das Gebäude sei nur eine Halle, man habe sie gründlich desinfiziert. Die Pizzen von Gustavo Gusto gibt es derzeit in Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Dortmund, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern.

"Ziel ist es, bis Ende des Jahres in ganz Deutschland verfügbar zu sein", sagt Haugg. "Die Nachfrage ist allerdings so groß, dass wir meist ausverkauft sind, kaum dass wir in den Truhen liegen." Die Firma wisse selbst in den Bestandsregionen nicht, wie hoch der tatsächliche Bedarf sei. "Somit werden wir erst einmal sehen, wie viele Pizzen wir zusätzlich an unsere bisherigen Handelspartner liefern müssen, um die Nachfrage vollends zu stillen. Erst dann können wir beurteilen, welche neuen Regionen wir wann beliefern."

Gustavo Gusto setzt auf modernere Maschinen und automatisiert Produktionsschritte, die sich nicht auf die Qualität auswirken sollen. So werde es in der neuen Halle eine vollautomatische Verpackungslinie mit Palettierung geben. Die Pizzen werden nicht mehr von Hand in den Schockfroster geschoben, sondern laufen automatisch in einen Spiralfroster. "Überall dort aber, wo Handarbeit den so wichtigen Qualitätsunterschied macht, setzen wir weiterhin auf Handarbeit", sagt Haugg. "Das gilt insbesondere für das Ausbreiten des Teigs."

Die Firma bleibe ihrer Produktionsart treu - obwohl mit der neuen Linie zusätzlich 50 000 Pizzen am Tag hergestellt werden sollen. Bislang produziert Gustavo Gusto 30 000 Pizzen täglich. Wenn am neuen Standort bis zum Winter alle drei Linien laufen, liegt die Quote bei etwa 150 000 Pizzen am Tag. Dieses Ziel will der Pizzamacher bis Ende des Jahres erreichen. Was ihm dazu noch fehlt, ist das Personal. 110 Mitarbeiter hat Gustavo Gusto bislang gefunden, darunter Produktionsmitarbeiter, auch Lageristen, Schichtleiter, Mechaniker, Elektriker und Leute für die Qualitätssicherung. In Geretsried und Umland gebe es derzeit viele Firmen, die nach Personal suchten, sagt Haugg; zudem gebe es wenig Wohnraum für Mitarbeiter, die nicht aus der Region kommen. Daher gehe man jetzt dazu über, Wohnraum anzumieten und den Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen. "Wir rechnen mit einer Verdopplung bis Ende des Jahres." Trotz Expansion werde sich für die Kunden nichts ändern, verspricht der kaufmännische Leiter. Stattdessen werde es noch heuer neue Sorten geben, außerdem werde das Vertriebsnetz ausgebaut, so dass die begehrte Pizza "viel verlässlicher verfügbar" sein werde. Auch eine weitere Produktionsstätte in einem anderen Bundesland hält Haugg für denkbar: "Aber ein neues Werk zu bauen braucht Zeit - daher ist es wichtig, frühzeitig zu planen."