Gedenken in Benediktbeuern "Ein Märtyrer der Kirche"

Theodor Hartz war ein offener Kritiker des NS-Regimes.

(Foto: Manfred Neubauer)

Das Kloster erinnert an Theodor Hartz, der im KZ Dachau ums Leben kam

Von Sabine Näher, Benediktbeuern

Am 5. Juni 1942 wurde der Salesianerpriester Theodor Hartz ins Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er am 23. August verstarb. Aus Anlass seines 75. Todestags wurde am Freitag im Innenhof des Klosters Benediktbeuern eine Gedenktafel enthüllt und gesegnet. Zwar waren es nur zwei Jahre seines Lebens, die der Salesianer 1938 bis 1940 in Benediktbeuern verbrachte. Doch in diese Zeit fällt die 1200-Jahr-Feier des Klosters, die am 4. Juni 1939 unter der Leitung des Direktors Hartz feierlich begangen wurde.

Die Arbeit der theologischen Ordenshochschule, welche die Salesianer seit 1932 in Benediktbeuern betrieben, kam jedoch schon bald darauf mit dem Kriegbeginn und dem Einzug der meisten Studenten zum Erliegen. Anfang 1941 schickten die Benediktbeurer ihre wenigen verbliebenen Studenten an die Universität Würzburg. Hartz, dem die Ausbildung junger Menschen am Herzen lag, wurde zeitgleich zurück nach Essen-Borbeck berufen. Dort war er, ehe er nach Bayern kam, Leiter eines Gymnasiums mit Internat gewesen, das er zu einem zentralen Ort kirchlicher Kinder- und Jugendarbeit ausgebaut hatte. Eine Schule für sogenannte Spätberufene wurde in seiner Amtszeit angegliedert.

Als der neue Direktor in Borbeck unerwartet verstarb, kehrte Hartz im Februar 1941 nach Essen zurück. Am 5. August des Jahres wurde das Institut auf Anweisung der Geheimen Staatspolizei geschlossen, seine Bewohner an das Salesianerhaus Helenenberg bei Trier verwiesen. Hartz, der aus seiner kritischen Haltung zum NS-Regime nie einen Hehl gemacht hatte, stellte sich der Räumung wegen "staats- und volksfeindlichen Verhaltens" entgegen und verlangte Beweise für die Anschuldigung. Ein Augenzeuge hat die Antwort der Gestapo überliefert: "Beweise genug! Seien Sie froh, dass Sie das Haus lebend verlassen!" Am 14. April 1942 wurde Hartz in Trier verhaftet und am 5. Juni nach Dachau überführt. Er zählt zu den "Märtyrern der Kirche".

Pater Reinhard Gesing, heute Direktor in Benediktbeuern, verwies bei der Feierstunde im Barocksaal am Freitag darauf, dass auch das Schicksal der weniger bekannten Märtyrer in der Erinnerung bewahrt werden sollte: "Jedes Martyrium ist einzigartig." Pastoralreferent Ludwig Schmidinger, bischöflicher Beauftragter für die KZ- Gedenkstättenarbeit in der Erzdiözese München und Freising, erklärte, man habe insgesamt 2800 Geistliche im KZ Dachau inhaftiert. Wichtig ist ihm gleichwohl darauf hinzuweisen, dass diese doch nur einen kleinen Teil der mehr als 200 000 Häftlinge ausmachten. Er berichtete von dem Dachauer Projekt eines Gedächtnisbuchs mit dem Titel "Namen statt Nummern". Darin wird auch Hartz gewürdigt, in dessen Vita Pater Johannes Wielgroß aus Essen näher einführte.

Mit Befremden konstatierte er, dass die "Gedenkblätter für gefallene Mitbrüder" die Namen der im KZ ums Leben Gekommenen nicht aufgeführt hätten. In Essen erinnert dagegen eine Straße schon seit 1947 an den Salesianerpriester und regt an, "in das Gesicht unserer Geschichte zu blicken", wie Wielgroß formulierte. In Benediktbeuern tut dies fortan die neue Gedenktafel.