Bad Tölz Respektvolle Annäherung

Datteln, Fladenbrot - mit landestypischen Speisen will der Tölzer Fotograf Benedikt Fuhrmann (hinten) den Ausstellungsbesuchern den Iran näherbringen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Ein Jahr war Benedikt Fuhrmann in Iran. Mitgebracht hat er eindringliche Fotos

Von Sabine Näher, Bad Tölz

Zwölf Bildpaare hängen an den Wänden. Sie zeigen jeweils einen Menschen und die Landschaft, in der er lebt. Davor stehen Klanghocker. An jedem hängen Kopfhörer. Daraus ertönt Musik, die in ihrer Fremdartigkeit und Eindringlichkeit sofort gefangen nimmt. Beim Zuhören intensiviert sich der Blick auf das Bild. Bei den großen Porträts entsteht mit der Zeit gar der Eindruck, der Angeschaute erwidere den Blick. Dann erzählt eine angenehme Stimme eine kleine Geschichte zur Entstehung des Bildes. Diese gehört Benedikt Fuhrmann.

Der 38-jährige Tölzer Filmemacher hat 2006 ein Jahr in Iran verbracht. Aus den mitgebrachten Fotos hat er diese multimediale Schau entwickelt, die zuvor in München, Hamburg, Teheran und Calgary zu sehen war. Und nun also Bad Tölz: Zur Vernissage kamen nach Fuhrmanns Schätzung zwischen 50 und 100 Besucher. "Die, die herkommen, bringen Zeit mit und lassen sich auf das Thema ein. Man spürt, wie aktuell diese Fragen zur Integration derzeit sind." Bis 20. September ist jeden Freitag bis Sonntag geöffnet. Fuhrmann wird an diesen Tagen anwesend sein. "Es kommen viele Rückfragen, daraus entstehen interessante Gespräche."

Wie jeden Freitag wird von 19 Uhr an zum "Nomadenessen" geladen. Fuhrmann und seine Frau Corinna räumen die Klanghocker zur Seite, rollen einen großen Teppich aus und platzieren in dessen Mitte Fladenbrot, Ziegenkäse und -milch, Datteln und Tee. Dann bittet der Gastgeber, sich die Hände zu waschen und die Schuhe auszuziehen, ehe man sich zum Essen niederlässt. "Ganz so wie in Iran!"

Kurz darauf machen zehn Menschen neue Erfahrungen: Wie schmeckt Ziegenmilch? Wie köstlich ist das türkische, ofenfrische Fladenbrot! Und die iranischen Datteln sind ganz süß und zergehen auf der Zunge. Essen im Sitzen ist für die meisten ebenso ungewohnt. Verschiedene Positionen werden ausprobiert. Auf den Knien oder doch besser im Schneidersitz? Egal - die Füße schlafen in beiden Fällen ein . . . Während Fuhrmann zunächst ein wenig erzählt, etwa, dass Männer und Frauen in Iran getrennt sitzen beim Essen und immer der Hausherr das Mahl eröffnet, indem er das Brot bricht, entwickelt sich bald ein lebendiges Gespräch. Denn miteinander zu essen, schafft rasch eine zwanglose, entspannte Atmosphäre.

Bei der Ausstellung in Teheran sei er von Iranern gefragt worden, wo das moderne städtische Leben in seinen Bildern geblieben sei? "Aber mich faszinieren vor allem die ländlichen Regionen. Dort sind die Menschen ursprünglicher", erklärt der Fotograf. Von der überwältigenden Gastfreundschaft, die er erlebt habe, schwärmt Fuhrmann. Eine Verständigung auf Englisch sei allein in den großen Städten möglich, auf dem Land helfe nur Persisch weiter. "Nachdem ich ein halbes Jahr da gelebt hatte, war ich so weit, eine Unterhaltung führen zu können."

Ein bis zwei Tage hat Fuhrmann an den Orten und mit den Menschen verbracht, die auf den Fotos zu sehen sind. Ehe er die Kamera zur Hand nahm, hat der 38-Jährige zunächst Kontakt über Gespräche mit den Einheimischen aufgebaut. "Da ich mich jedem Menschen mit der Kamera respektvoll nähere, habe ich auch keine Abweisung erlebt."

Unterdessen kommen neue Gäste. "Nur herein! Wollen Sie mit uns essen?" Das sei typisch in Iran: ein ständiges Kommen und Gehen, lacht Fuhrmann. Seine Ausstellung betrachtet er als "Türöffner". Er möchte Kontakte knüpfen und Gespräche in Gang bringen. Deshalb ist der Zutritt kostenfrei. Spenden zur Deckung der Unkosten werden angenommen.

"Ein Blick Iran": Jungmayrplatz 11, ÖHA-Kunstraum, Bad Tölz, bis 20.9. von Freitag bis Sonntag, 15 bis 19 Uhr; Freitag, 19 Uhr: Nomadenessen, Sonntag, 19 Uhr: Persische Klangwelten. Eintritt frei.