Bad Tölz Dreiklang im Badeteil

Andreas Binder richtet im Tölzer Kurviertel ein Gasthaus mit Brauerei und Museum ein. Im April 2016 soll eröffnet werden.

Die Theresienwiese liegt zwar keine 58 Kilometer von Bad Tölz entfernt. Doch das Oktoberfest ist für Braumeister Andreas Forstner gedanklich heuer noch viel weiter weg, gerade erst sind nämlich die beiden Kupfersudkessel geliefert worden, die im Parterre des neuen "Tölzer Brau- und Volkskunsthauses" an der Ludwigstraße frisch gewienert glänzen. Sie sind das Herzstück in dem dreistöckigen Gebäude, das Andreas Binder seit zweieinhalb Jahren herrichtet. Der ehemalige Leiter des Stadtmuseums will dort ein altbayerisches Gasthaus mit einer Brauerei und einem Volkskundemuseum verknüpfen. Sein Projekt werde das Zentrum des Kurviertels beleben, da ist er sich sicher: "Jedes Viertel braucht eine Gaststätte, wo die Leute einen Treffpunkt haben."

Ein Volksfest auf dem Land zeigt eines der 140 Dioramen, die im "Brau- und Volkskunsthaus" zu sehen sein werden.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Arbeiten sind noch in vollem Gange. Elektrokabel hängen von der Decke, Tannenböden müssen noch verlegt werden, die Küche wird erst geliefert. Ein wenig einsam steht ein beigefarbener Kachelofen an der Wand. Den hat Binder von seinem Schwiegervater Hans Weber bekommen, vermutlich stammt der Ofen aus dem Pocci-Schloss am Ammersee.

Trotz des Tohuwabohus hat der 46-Jährige schon genau vor dem inneren Auge, wie das Wirtshaus einmal aussehen soll: unten der Stammtisch "Coletta" mit zwei Gemälden von Friedrich August von Kaulbach, die eine Kellnerin mit einem Bierkrug und einen Mönch an einem Froschteich zeigen, dahinter eine "Schwemme" bei den Sudkesseln, gefolgt vom "Flößer-Salettl" mit einem 3,5 Meter langen Relief, das einen Flößer beim Biertransport zeigt. Im ersten Stock ist eine Gaststube "Die schöne Tölzerin" vorgesehen, daneben in einem Raum mit Erker der "Thomas-Mann-Salon". Dort wird ein Gemälde des Schriftstellers hängen, der oft im Urlaub in Bad Tölz weilte. Das Bild zeigt ihn mit einem Bierglas in der Hand. Vom Schöpfer der "Buddenbrooks" gebe es ein Zitat, wonach Bier ihm "Lehnstuhlbehagen" verschaffe, erzählt Binder. Außerdem sind im ersten Stock 140 Dioramen mit Zinnfiguren zur 6000-jährigen Biergeschichte ausgestellt - eine Sammlung des ehemaligen Journalisten Peter Bach.

Wer Bier brauen will, braucht vor allem Malz. Dieses helle Weizenmalz kommt aus Bamberg.

(Foto: Manfred Neubauer)

In der zweiten Etage plant Binder das Volkskunstmuseum. Die Exponate dafür hat er von seinem Schwiegervater, einem Galeristen und Restaurator. Eine Kupferschmiede, ein Tabakladen, eine Schusterei, eine Töpferei - die Besucher können in einer Art Laden-Zeile in diese Werkstätten hineinschauen. Hinzu kommen Exponate wie Trinkgefäße aus dem 16. Jahrhundert, Kuhhornarbeiten wie Schnupftabakdosen und eine Sammlung mit 120 Gläsern, etwa aus der Jugendstilzeit.

Braumeister Andreas Forstner (hinten) und Andreas Binder arbeiten an den Kupferkesseln

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Tradition verpflichtet sind auch die Mahlzeiten im neuen Wirtshaus. Der Speisekarte liege ein altbayerisches Kochbuch aus dem Jahr 1843 zugrunde, so Binder. Speckbrettl und Hacksteckl, Biersuppe und selbst gebackenes Braumalzbrot. Engagiert hat er dafür Koch Frank Gorke, der lange im Klosterstüberl in Benediktbeuern gearbeitet hat, und Sou-Chef Christian Schuhbeck, der auf dem Kreuzfahrtschiff "Aida" gekocht hat und in Tölz auch Eis zubereiten wird. Beide helfen derzeit bei der Renovierung mit. Den Speisezettel werde man anfangs eher kurz halten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was die Gäste anspricht, sagt Gorke.

Über die Höhe seiner Investitionen redet Binder nicht gerne. Nur so viel: "Einiges." Tatsächlich dürfte er einen größeren Millionenbetrag in sein Projekt hineingesteckt haben. Er kaufte das Haus, in dem sich früher eine Pizzeria und das Hotel Zur Sonne befanden. Er musste die unter dem Gebäude verlaufende Kanalisation komplett erneuern, weil die Gussrohre völlig marode waren, und eine unterirdische Leitung zur Trafostation am Seniorenheim "Haus am Park" verlegen lassen, weil die Stromversorgung dürftig war. Zudem zog sich das Genehmigungsverfahren in die Länge, vor allem wegen der Brandschutzvorschriften für ein Museum. Dann kam auch noch ein langer Winter hinzu.

All dies verzögerte die Eröffnung um etwa ein Jahr, die nun für den 23. April 2016 geplant ist. Wirtshaus, Brauerei, Museum - das passt für Binder passgenau ins Konzept der "Neuen Tölzer Hotelkultur". Wolle man gute Hotels ansiedeln, "braucht man einen Background, wo die Leute hingehen können", sagt der künftige Wirt.

140 Dioramen

sind im künftigen "Tölzer Brau- und Volkskunsthaus" zu sehen. Die kleinen Schaukästen zeigen Szenen zur 6000-jährigen Geschichte des Brauwesens von den Ägyptern bis zur Gegenwart. Das Besondere: Die Darstellungen bestehen allesamt aus Zinnfiguren. Die Sammlung gehört dem 92 Jahre alten Peter Bach aus Heilbronn. Der ehemalige Journalist hat für seine Figuren, Gebäude und Landschaften, die er selbst fertigte, einen festen Ausstellungsort gesucht und in Bad Tölz gefunden. Diese Schau sei weltweit einzigartig, sagt Andreas Binder, Chef des Brau- und Volkskunsthauses. Zu jedem Bild verfasste Bach einen kurzen Text. "Humorvolle Vierzeiler", sagt Binder, "nicht bierernst."