Auftritt von Ecco Meineke Gut für die Seele

Ein Abend im "Hinterhalt" als Benefiz für psychisch Kranke

Von Sabine Näher, Geretsried

Da stolpert einer mit irrem Blick, wild zerzaustem schwarzen Haar, von einem roten Tuch gebändigt, mit schwarzer Lederjacke und Gitarre im Arm, auf die Bühne. Könnte das ...? Während das Gehirn noch rattert, macht der Auftritt eines Gentleman im roten Samtjacket, mit brauner Perücke und Grinsen über dem Überbiss alles klar: Hier heben Mick Jagger und Keith Richards zu einem Sonderkonzert der Extraklasse an. Und das im Geltinger "Hinterhalt". Das Publikum johlt vor Vergnügen. Genau das muss Gabriele Skarda, Vorsitzende des Freundeskreises für psychisch Kranke, gemeint haben, als sie zur Eröffnung sagte: "Gut essen, sich wohl fühlen, Spaß haben leistet alles einen wesentlichen Beitrag zur seelischen Gesundheit. Und die ist unser höchstes Gut."

Insofern hätte der Benefizabend am Dienstag in der Geltinger Kulturkneipe zugunsten des Vereins von den Krankenkassen gesponsort sein müssen, denn hier gab es ein Büffet mit bayerischen Leckereien, die Wohlfühlatmosphäre des "Hinterhalt" gratis dazu - und ein Bühnenprogramm, das sich sein Verdienst um die Gesundheit der zahlreich erschienenen Besucher ein wenig erarbeiten musste. Denn was Ecco Meineke, ehemals Mitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, bot, war zwar als Musikkabarett angekündigt, verdiente diese Bezeichnung aber nicht wirklich. Er machte altbekannte Witzchen und erzählte vorhersehbare Geschichtchen. Nur wenn er zur Gitarre griff, bekam man Lust hinzuhören.

Ecco Meineke war nicht ganz in Bestform.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das änderte sich schlagartig, als Mark'n'Simon die Bühne enterten: Ein walisisch-irisches Kabarettistenpaar, das den Saal rockte. Obwohl ihr Auftritt als Stones das unerreichte Highlight des Abends war, boten sie auch sonst viel Vergnügliches. Ob Elton Johns wohlbekannte Romanze kurzerhand zu "Like a hendl in the Wind" wurde, ob telefonisch ein Horrorszenario aus dem Weißen Haus durchgegeben wurde ("Durch ein Feuer wurde die gesamte Bibliothek Donald Trumps zerstört! Das Schrecklichste daran: Das zweite Buch hatte er noch gar nicht fertig aus...gemalt"): Das Duo begeisterte sein Publikum.

Skarda, Künstleragentin und Konzertveranstalterin, die den Vorsitz im Verein seit 15 Jahren innehat, weist auf den ernsten Hintergrund dieser Veranstaltung hin: "Wenn Sie ein körperliches Leiden haben, sprechen Sie unbefangen darüber, holen sich Rat ein, wo Sie ihn kriegen können. Bei seelischen Leiden wird alles unter den Tisch gekehrt." Über diese offen sprechen zu können sei das Ziel, das ihr Verein verfolge. Freilich sei es dafür unabdingbar, dass die Nichtbetroffenen, die "vermeintlich Gesunden", wie es ihr Stellvertreter, Ludwig Kirzinger, ausdrückt, unvoreingenommen und offen reagierten. Da bleibt wohl noch viel zu tun. Zumal sich die Situation durch die Aufnahme der vielen Flüchtlinge verschärft habe: "Mehr als zehn Prozent von diesen sind hoch auffällig", erklärte Thomas J. Hennig, Schriftführer des Vereins. "Da kommt eine Trauma-Breite zum Vorschein, die für hiesige Menschen unvorstellbar ist. Wahre Abgründe tun sich auf. Da ist sofortige Hilfe gefragt." Das Vereinsmotto lautet: "Psychische Ausnahmeerscheinungen können unsere Gesellschaft bereichern."

Das walisisch-irische Kabarettistenpaar Mark'n'Simon rockte den Saal im Geltinger "Hinterhalt".

(Foto: Hartmut Pöstges)

Mark'n'Simon beschlossen den Abend mit einer irrwitzigen Melange aus "New York, New York", "In the Ghetto" und Herbert Grönemeyers "Männer". Da kann man nur sagen: herrlich verrückt! Und als heiß erklatschte Zugabe Simon and Garfunkels "Sound of Silence". Sozusagen Seelenmassage.

www.freundeskreis-psychisch-kranke.de