Von Sebastian Krass und Martina Scherf

Das Wintersemester ist vorbei - und damit die größte Herausforderung für das bayerische Hochschulsystem: Wegen des doppelten Abi-Jahrgangs war es so eng wie nie an den Unis. Die schlimmsten Prognosen aber haben sich nicht erfüllt. Und manch ein Provisorium könnte Zukunft haben.

Jetzt ist es vorbei. An diesem Freitag endet an den Universitäten die Vorlesungszeit des Wintersemesters - die größte Herausforderung für das bayerische Hochschulsystem. Denn es hatte den doppelten Abiturjahrgang zu bewältigen. "Ein Kraftakt, den man nicht beliebig oft wiederholen kann", sagt Martin Wirsing, Vizepräsident für den Bereich Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

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Diese hat 18 Prozent mehr Studenten aufgenommen als im Wintersemester zuvor. Knapp 50 000 Studenten hat die LMU nun, bei räumlichen Kapazitäten für etwa 30 000. Die Technische Universität (TU) hat zu diesem Wintersemester sogar 50 Prozent mehr aufgenommen im Vergleich zum Vorjahr.

"Wir waren schon ein bisschen unruhig", sagt W+irsing, wenn er an die Wochen vor Semesterbeginn zurückdenkt. Heute freue er sich, "dass es so gut gelaufen ist. Kein einziges wirklich großes Problem ist zu mir hochgeschwappt." Ähnliche Töne kommen von vielen Seiten.

Selbst Michelle Klein, Geschäftsführerin der stets kritischen LMU-Studentenvertretung, sagt: "Irgendwie hat es sich schon eingelaufen." Aber, schiebt sie nachdenklich hinterher, das gelte für den Blick auf das große Ganze. "Die vielen Einzelschicksale gehen in der großen Masse manchmal unter." Ein Rückblick auf verschiedene Bereiche des Studentenlebens:

Hörsäle

So schlimm wie am ersten Tag war es nicht mehr bei Severin Buchwald. Am 17. Oktober saß der BWL-Student aus Wörthsee in der Einführungsvorlesung im Audimax der LMU ganz außen, erste Reihe. Das war zwar besser, als in der Tür zu stehen wie viele andere. Aber vernünftig studieren konnte Buchwald an dem Tag nicht, weil er die Leinwand nicht sah und keinen Tisch zum Mitschreiben hatte. "Es hat sich schnell entspannt", sagt er nun. "Danach bekam man eigentlich immer einen vernünftigen Sitzplatz." Dieser Semesterzyklus ist ein bekanntes Phänomen.

Dass es nicht so schlimm kam wie befürchtet, lag auch daran, dass an allen bayerischen Universitäten Neubauten hinzukamen und Säle angemietet wurden. Außerdem sind die Stundenpläne mittlerweile durchgetaktet, sodass keine Minute mehr ungenutzt bleibt. Manche große Vorlesung wird zweigeteilt und per Video in einen anderen Hörsaal übertragen. Kontakt zum Professor bekommt man auf diese Weise nicht mehr. Aber, so sagt TU-Studentenvertreter Ari Wugalter, der im siebten Semester Physik studiert: "Das war in Fächern wie Maschinenbau früher auch nicht anders."

Und dann gibt es ja noch das Internet. 140 Vorlesungsstunden werden laut LMU-Vize Wirsing pro Woche online gestellt. "Das hat mir ganz gut gefallen, da kann man mal auf Pause gehen, wenn ein Rechenweg zu schnell ging", sagt Student Buchwald. "Vielleicht muss man dann künftig gar nicht mehr in die Vorlesung gehen." Die Tele-Uni, Notlösung oder Modell der Zukunft? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Es gibt auch etliche Professoren, die sich gar nicht filmen lassen wollen - ein Auftritt vor der Kamera, dokumentiert für die Ewigkeit, das ist nicht jedermanns Sache.

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