Windrad in München Die Luft ist raus

In Fröttmaning steht bereits ein Woindrad, das ist allerdings nur 100 Meter hoch.

179 Meter hoch: Das neue Windrad nördlich der Allianz-Arena sollte eigentlich bald Strom für 2000 Haushalte liefern. Doch seit die Bundesregierung an einer Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes tüfelt, ist fraglich, ob es überhaupt noch gebaut wird.

Von Dominik Hutter

Bis zu 179 Meter soll es in den Himmel ragen, allein der Rotor hat einen Durchmesser von 118 Metern: Das neue Windrad im Münchner Norden ist nicht gerade im Zwergenformat geplant. Nun kommt die Planung einen wichtigen Schritt voran - Umweltreferent Joachim Lorenz will noch im Februar die erforderliche immissionsrechtliche Genehmigung erteilen. Dann steht nur noch die abfallrechtliche Erlaubnis aus, das Windrad soll schließlich auf einer ehemaligen Deponie errichtet werden.

Frühestens 2016 könnte es losgehen, schätzen die Stadtwerke, wenn es denn überhaupt jemals losgeht. Seit die Bundesregierung an einer Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes tüftelt, herrscht in der Konzernzentrale an der Emmy-Noether-Straße Rätselraten, ob das Windrad überhaupt noch wirtschaftlich ist. Entschieden wird erst, wenn die Neuregelungen im Detail feststehen.

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Das neue Windrad nördlich der Fußballarena soll einmal Strom für 2000 Haushalte liefern. Wie es konkret aussehen könnte, wissen die Stadtwerke erst, wenn die Ergebnisse einer Ausschreibung vorliegen. Der überdimensionierte Propeller vis-à-vis des bestehenden, deutlich kleineren Windrads auf dem Fröttmaninger Müllberg würde die nördliche Stadteinfahrt Münchens prägen. Er dient auch als Symbol für die Absicht der Stadtwerke, bis 2025 den gesamten Münchner Strombedarf in regenerativen Anlagen zu erzeugen.

Bedenken der Stadtgestaltungskommission ziehen nach Einschätzung der Stadtwerke nicht: Der geplante Standort sei der einzige weit und breit, an dem ausreichend Wind herrscht und an dem die Mindestabstände zu benachbarten Wohnhäusern eingehalten werden.

Zweithöchstes Gebäude Münchens

Das Problem ist nur: Seit die Bundesregierung eine Absenkung der Fördergelder angekündigt hat, weiß das Kommunalunternehmen nicht mehr, mit welchen Summen es künftig rechnen muss. Auf Bestandsschutz und damit die Gültigkeit der bisherigen, günstigeren Regelung können die Stadtwerke nicht hoffen. Dann hätte das Windrad spätestens Ende 2014 fertig werden müssen, was wegen der noch ausstehenden abfallrechtlichen Genehmigung als völlig unrealistisch gilt.

Zudem kommt dafür die Genehmigung der Lorenz-Behörde zu spät - der sehr kurzfristig festgelegte Stichtag für eine Bestandsschutzregelung, der 22. Januar, ist bereits vorbei. Das Windrad würde also in jedem Fall nach neuen Standards gefördert, auch wenn die Planung schon seit Langem läuft.

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Gemessen an seiner Gesamthöhe (also bis zu den Rotorspitzen) wäre das neue Bauwerk am Autobahnkreuz München-Nord das zweithöchste Münchens - nach dem Olympiaturm (291 Meter). Der Schornstein des Heizkraftwerks Süd, die derzeitige Nummer zwei, ragt dagegen "nur" 176 Meter gen Himmel. Die Nabe des Windrads soll in 120 Metern Höhe liegen, sechs Meter niedriger als das Dach des "Highlight"-Towers am Autobahnbeginn in Schwabing. In der Windrad-Liga wäre die Münchner Anlage allerdings nur Mittelmaß - es gibt bereits Anlagen von mehr als 200 Metern Höhe.