Virus Zahl der Mumpsfälle in München angestiegen

Das Gisela-Gymnasium blieb am Freitag wegen eines Mumpsfalls geschlossen.

(Foto: Catherina Hess)

Die sogenannte Kinderkrankheit befällt momentan vermehrt erwachsene Münchner. In diesem Jahr gab es bisher schon fast so viele Fälle wie im ganzen Jahr 2015.

Von Victoria Michalczak

Die Anzahl neuer Mumps-Erkrankungen in der Stadt nimmt weiter zu. Wie das Referat für Umwelt und Gesundheit mitteilt, sind vor allem junge Erwachsene betroffen. Allein in den vergangenen vier Tagen hätten Münchner Ärzte bereits 16 Fälle gemeldet.

"Das kommt einem vielleicht nicht viel vor, aber es gab im Jahr 2016 bisher 23 Fälle, im Jahr 2015 über das ganze Jahr hinweg nur 30", erklärt Alois Maderspacher, Sprecher des Gesundheitsreferats. Wegen der langen Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen sei in den nächsten Tagen mit weiteren Fällen zu rechnen.

Mumps, auch Ziegenpeter genannt, gilt als sogenannte Kinderkrankheit. Dennoch sind die aktuell erkrankten Bürger laut Maderspacher zwischen 20 und 40 Jahre alt. Die meisten Kinder in München seien dagegen geimpft.

Gisela-Gymnasium wegen Mumps-Falls geschlossen

Schülerinnen und Schüler sollen den schulfreien Tag nutzen, um zum Arzt zu gehen. mehr ...

Trotzdem blieb das Gisela-Gymnasium in Schwabing am Freitag wegen Mumps geschlossen. Bislang ist zwar kein Kind infiziert. Aber ein Lehrer, der mit 40 Schülern aus den Klassenstufen fünf bis sieben eine Chorfahrt unternahm, wurde auf der Reise krank. Zunächst wurde fälschlicherweise Grippe diagnostiziert. Seit die Diagnose Mumps am vergangenen Dienstag feststand, habe sich die Schule an die Vorgaben des Gesundheitsreferats gehalten, sagt Schulleiterin Marianne Achatz. Man habe die Eltern informiert, dass nur geimpfte Kinder in die Schule dürfen. Es ist seither kein weiterer Fall einer Ansteckung bekannt, weder von Lehrern, noch von Schülern.

Am Freitag jedoch war statt Unterricht ein Projekttag gegen Rassismus geplant, nachmittags dann das Schulfest. Da die Schüler beim Projekttag in engem Kontakt gewesen wären und das Schulfest erfahrungsgemäß von Familien besucht wird, entschieden die Lehrer in einer Konferenz, den Schülern frei zu geben. Per E-Mail wurden die Eltern benachrichtigt und alle Kinder blieben zu Hause. "Das ist natürlich sehr bedauerlich, dass wir den Projekttag haben ausfallen lassen müssen", sagt Direktorin Achatz, "Wir hatten dafür Referenten eingeladen und alles von langer Hand geplant." Am Montag soll der Unterricht normal fortgeführt werden.

Ansonsten ist von keiner Schule und auch sonst keiner Einrichtung in München bekannt, dass es dort Mumps-Fälle gegeben hätte. Jeder Fall ist meldepflichtig.

Erkrankungswellen mit der sogenannten Kinderkrankheit Mumps treten immer wieder in Deutschland auf. Die virale Infektionskrankheit wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Meist verläuft die Krankheit harmlos, mit grippeähnlichen Symptomen und Schwellungen der Speicheldrüsen. Häufige Komplikationen sind jedoch Hodenentzündungen, die zu Unfruchtbarkeit führen können, oder Hirnhautentzündungen. Letztere können tödlich enden. Je älter die Patienten sind, umso schwerer und gefährlicher fällt die Krankheit aus. Wer grippeähnliche Symptome verspürt, sollte diese deshalb mit dem Hausarzt abklären, um eine Mumps-Erkrankung auszuschließen, so Alois Maderspacher.

Mehr Erwachsene sollen sich impfen lassen

Mumps trifft nicht nur Kinder. Aufgrund des fehlenden Impfschutzes erkranken immer wieder auch Erwachsene - und riskieren gefährliche Komplikationen. In Kürze sollen deshalb die offiziellen Impfempfehlungen ausgedehnt werden. mehr...

Vor einer Infektion schützt eine zweifache Impfung. Die Münchner Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs appelliert an alle Münchner, ihren Impfstatus zu überprüfen und versäumte Immunisierungen nachzuholen: "Eine Impfung bedeutet nur einen kleinen Piks, der vor einer Infektion schützt. Wer sich impft, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch andere." Die aktuellen Erkrankungen entstünden dadurch, dass viele Menschen nicht immunisiert sind. Das Gesundheitsreferat spricht hier von "Impflücken".

Wer sich über die Krankheit und Impfungen informieren möchte, kann wochentags bei der Impfberatung des Gesundheitsreferats von 11 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 23 36 69 07 anrufen. Generell sind auch alle Hausärzte für Infos über die Krankheit und Impfungen zuständig.