Vinothek Merlins Bar, Bistro, Weinhandlung

"Ein Tropfen, der verzaubert", verspricht Merlin Lamparth ihren Gästen. In ihrer gemütlichen Bar kocht sie jeden Abend selbst. Mit ihrem Wein hat sie schon so manches Liebespaar vereint.

Von Astrid Becker

Gemütlich: Barserie 'Merlins' in der Angertorstrasse

(Foto: Stephan Rumpf)

Dieser Text ist leider veraltet, die Bar gibt es inzwischen nicht mehr.

Der junge Mann wirkt ein wenig nervös, die junge Frau an seinem Tisch ist ausgesprochen hübsch. Wie so viele andere Frauen will die Schöne gerne Weißwein trinken - und er ihr ganz offensichtlich imponieren. Er ordert einen Lugana. Und fügt sogleich hinzu: "Von Ca dei Frati". Wow, klingt gut. Allerdings nur, wenn man nicht weiß, dass sich der junge Mann damit in Gesellschaft von gefühlt 1,4 Millionen anderen Münchnern befindet, die der Überzeugung anhängen, nur dieser eine Tropfen habe die Bezeichnung "Weißwein" überhaupt verdient.

An diesem Abend hat Merlin Lamparth nur dummerweise keine einzige Flasche mehr von dem vermeintlichen Edelgesöff. Lugana ist aus. Die Chefin des "Merlins", wie sie ihr Lokal - eine recht gemütliche Mischung aus Bar, Bistro und Weinhandlung - getauft hat, weiß natürlich, dass der Münchner, greift er nicht zu Bier, am allerliebsten genau diesen Wein trinkt. Doch die neue Lieferung ist noch nicht eingetroffen.

Die Wirtin, selbst noch keine 30 Jahre alt, hat für derlei Probleme immer eine Lösung parat. Schließlich ist sie von Berufs wegen nicht nur Industriekauffrau, Flugbegleiterin und Köchin, sondern vor allem auch diplomierte Sommelière. Und eines ist ihr schnell klar: Dem jungen Mann wird wahrscheinlich keine Alternative zum Lugana einfallen - und die junge Frau, die ihm gegenüber am Hochtisch aus dunklem Holz auf einem der weißen Barstühlen sitzt, sieht ohnehin so aus, als habe sie etwas Besseres verdient als den in Wahrheit eher neutralen Alltagswein Lugana.

Die Bar ist immer gut gefüllt

Merlin Lamparth hilft unaufdringlich weiter, wenn ihre Gäste bei der Weinauswahl einmal nicht mehr weiter wissen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Da ist Fingerspitzengefühl gefragt, aber Merlin Lamparth wirkt ohnehin nicht so, als würde sie zur aufdringlichen Besserwisserei neigen. Ziemlich genau vor zwei Jahren hat sie sich mit ihrem "Merlins" selbstständig gemacht. Seither ist die Bar mit ihren zwei großen Weinregalen aus Holz, der Theke mit den Antipasti und dem recht bequemen, nicht zu stylishen Mobiliar immer gut gefüllt, teilweise bis spät in die Nacht.

An diesem Abend hat sich in unmittelbarer Nähe zu dem jungen Mann und seiner Flamme eine ganze Anwaltskanzlei niedergelassen, die den Abschied einer Mitarbeiterin feiert. An einem Zweiertisch am Fenster sitzen zwei ältere Damen, die sich über die Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt unterhalten. Doch auch wirklich junges Publikum lässt sich zunehmend bei ihr blicken. Das könnte an den diversen Sprizzatos liegen, die sie anbietet: dem Sommersprizz mit Rosmarinlikör, dem mit Rhabarber oder auch ganz klassisch mit Aperol. Dazu empfehlen sich kleine Häppchen, die Bocconcinos, Pasta oder auch Pizzen. Merlin Lamparths steht jeden Tag selbst in der Küche und kocht.

Ganz klar: Im Mittelpunkt steht das Thema Wein - der hier natürlich aus Italien stammt, aber auch aus Frankreich, Spanien, Österreich und sogar aus Ungarn. Genau so einen Tropfen kredenzt sie schließlich dem jungen Mann und seiner Begleitung: einen Cuvée aus Chardonnay und Riesling. "Ein Tropfen, der verzaubert", verspricht die Expertin. Sie soll recht behalten: Am Ende des Abends schauen sich die jungen Leute auffällig tief in die Augen. Wenn das kein Anfang ist.