Verkehr Zwölf Vorschläge, um den Münchner Nahverkehr zu verbessern

Zwölf Vorschläge zur Verbesserung des Münchner Nahverkehrs.

(Foto: Grafik: Alper Özer)

Der Nahverkehr in München hat viele Schwachstellen. Dabei wären viele Optimierungen leicht umzusetzen - zwölf Ideen für ein attraktiveres System.

Von Christian Krügel und Andreas Schubert

Schon wieder eine schlimme Woche für Münchens Nahverkehr: Diesmal blieben zwar die Großstörungen bei der S-Bahn aus, dafür gibt es die nun in der Politik. Die Tarifreform des Münchner Verkehrsverbundes (MVV) droht zu scheitern, weil sich Stadt, Landkreise und Freistaat, Verkehrsbetriebe und Bahn nicht über die Finanzierung einigen können. Dabei verhandeln sie schon seit Jahren über verständlichere und attraktivere Fahrpreise. Der Münchner Fahrgast fragt sich einmal mehr: Wie soll bei S- und U-Bahn, Tram und Bus etwas besser werden? Die Süddeutsche Zeitung macht zwölf Vorschläge für einen attraktiveren Nahverkehr.

Klare Informationen aus einer Hand für alle Fahrgäste

Schlimmer noch als eine ausgefallene S-Bahn ist für die Pendler, dass sie weder am Bahnsteig noch über Smartphone-Apps klare Informationen über die nächsten Züge und Ausweichmöglichkeiten bekommen. Das liegt am komplexen Störfallmanagement der Bahn, aber auch daran, dass die S-Bahn München und die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) nur bedingt miteinander reden. Heißt konkret: Sie betreiben separate Datenbanken, zwischen denen es jahrelang gar keinen Austausch gab. Stattdessen entwickelte jedes Unternehmen seine eigene Fahrplan-App, so dass der Münchner heute noch zwischen der von Bahn, MVG und MVV wählen kann - und dort durchaus unterschiedliche Ergebnisse bekommt. Der Datenaustausch klappt zwar inzwischen besser. Doch ein Infomanagement unabhängig vom Verkehrsmittel fehlt bis heute.

So will die MVG ihr Angebot aufstocken

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S-Bahn-Gewinne besser nutzen

Der DB-Konzern macht gute Geschäfte. Laut einem Bericht des Focus vom Freitag stieg das Ergebnis 2017 um 200 Millionen auf 2,1 Milliarden Euro. Einen erheblichen Teil davon erwirtschaftet die Münchner S-Bahn, deren genaue Zahlen die DB aber nicht veröffentlicht. Fahren muss die S-Bahn auf Gleisen, die eine andere Konzern-Tochter, die DB Netz, betreibt und die ein eigenes Ergebnis erwirtschaften muss. Und das tut sie offenbar, indem sie nicht so viel Geld und Personal für Wartung und Unterhalt des Münchner Schienennetzes ausgibt, wie nötig wäre. Nach SZ-Informationen beschwerte sich die staatliche Bayerische Eisenbahngesellschaft inzwischen schriftlich über den mangelnden Service der DB Netz. Auch in der Staatsregierung wächst die Wut: Die DB dürfe nicht nur auf das Ergebnis, sondern müsse auf den Erhalt der Infrastruktur schauen, heißt es. Eine Aufgabe für den neuen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU): Er könnte veranlassen, dass Gewinne aus München auch hier wieder verwendet werden.

Kürzere S-Bahn-Strecken auf den Außenästen

Natürlich freut sich jeder Pendler aus dem Umland, wenn er direkt in Münchens Innenstadt fahren kann. Deshalb schleust die S-Bahn nahezu alle Linien durch den Stammstreckentunnel. Das bedeutet aber auch: Eine Signalstörung am Isartor kann sich bis Freising auswirken, ein Blitzschlag am Ammersee bis Ismaning. Züge am Ostbahnhof oder in Pasing enden zu lassen, könnte das komplexe System ein wenig entkrampfen. Gleiches gälte für S-Bahnen, die direkt von Pasing über den Südring ohne Halt zum Ostbahnhof fahren. Im Störfall greift die S-Bahn auf solche Routen zurück - warum nicht immer?

Dichtere Takte und Tangentialverbindungen

Was wäre denn, wenn die U-Bahn alle zwei Minuten führe statt alle zweieinhalb? Was wäre, wenn Busse und Trambahnen ebenfalls einen dichteren Takt hätten und noch mehr längere Fahrzeuge unterwegs wären? Die Antwort liegt auf der Hand: Die Kapazität würde sich im Nahverkehr deutlich erhöhen. Mehr Tangentialverbindungen mit Bussen, die den Menschen die Wege durchs Zentrum ersparen würden, würde die Innenstadtlinien zusätzlich entlasten, speziell der U-Bahn. Die MVG strebt bei der U-Bahn den Zwei-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit an. Dumm nur, dass es ihr dazu an Wagen und Fahrern fehlt.

Mehr Geld für Busfahrer und Lokführer

Ein Einstiegsgehalt von mehr als 33 000 Euro brutto im Jahr als Fahrer bei der MVG hört sich nicht schlecht an. Noch dazu ist das Fahren mit den Verkehrsmitteln der MVG umsonst. Dennoch fällt es der Verkehrsgesellschaft schwer, ausreichend neue Fahrer zu bekommen. Die braucht sie aber, um ihr Angebot auszuweiten. Vor allem Busfahrer sind gesucht, 150 will die MVG dieses Jahr einstellen. Dass es stets an Bewerbern mangelt, liegt unter anderem an den hohen Lebenshaltungskosten in München. Das betrifft auch Lokführer der Bahn, die ähnlich bezahlt werden. Angebracht wäre deshalb, dass MVG und S-Bahn ihre Fahrer besser entlohnen, etwa mit deutlich höheren Schichtzulagen. Dann hieße es wohl seltener, dass mal wieder "aus betrieblichen Gründen" Verkehrsmittel ausfallen, weil schlicht nicht genug Fahrer da sind.

Busspuren auf den meisten mehrspurigen Straßen der Stadt

München hat ein Problem: Es ist schlicht zu eng im öffentlichen Raum. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ein großer Teil seit Jahrzehnten den Autos vorbehalten ist. Sie brauchen Fahrspuren und Parkplätze; beides dürfe man ihnen keinesfalls wegnehmen, ist oft zu hören. Etwa 50 Busspuren wünscht sich die MVG aber zusätzlich. Sie wären nötig für neue Expressverbindungen und um den sonstigen Linienverkehr zu beschleunigen und zu stabilisieren. Denn viel zu oft bleiben Busse im Stau stecken. Liefe der Nahverkehr auf der Straße runder, führen weniger Leute Auto, würde weniger Platz für Pkw gebraucht. Deshalb sollte es auf möglichst vielen mehrspurigen Straßen gemeinsame Spuren für Busse und Taxis geben. Auch über Carpool-Lanes wie in den USA, die nur Autos mit mehreren Passagieren befahren dürfen, könnte man zumindest nachdenken.

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Besser radeln

Ein Teil des Wegs mit dem Rad zurückzulegen, den nächsten mit U-, S- oder Trambahn, den letzten wieder mit dem Rad - dafür werben MVV und MVG schon lange. Entsprechend werden auch die Leihradstationen an wichtigen Haltestellen ausgebaut. Leider lassen aber die Abstellmöglichkeiten an den U- und S-Bahnstationen häufig zu wünschen übrig. Hier braucht es deutlich mehr überdachte und nachts gut beleuchtete Abstellanlagen. Dringend nötig wären zudem neue Radwege und -streifen sowie Radschnellverbindungen und sichere Kreuzungen. München sollte sich ein Beispiel an den Niederländern nehmen. Statt sich jahrelang mit Machbarkeitsstudien, Verkehrsprognosen und ähnlichem aufzuhalten, bauen die erst einmal einen Radweg und schauen dann, wie er sich bewährt - nicht umgekehrt.