Verkehr München könnte eine Seilbahn entlang des Frankfurter Rings bekommen

Zur Bundesgartenschau 2005 in Riem sind in München schon einmal Gondeln gefahren.

(Foto: Frank Leonhardt/dpa)
  • Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner will prüfen, ob der Luftraum geeignet ist, um die Verkehrsprobleme in Großstädten in den Griff zu bekommen.
  • Entlang des Frankfurter Rings könnte eine Seilbahn entstehen - Gespräche mit Oberbürgermeister Dieter Reiter hat Aigner bereits angekündigt.
  • Ministerpräsident Markus Söder indes hatte nach der Kabinettssitzung am Dienstag seine Euphorie beim Thema Seilbahnen im Griff.
Von Heiner Effern, Lisa Schnell und Andreas Schubert

In einer Broschüre von Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) ist ein Bild zu sehen von der Bundesgartenschau 2005 in München. Dort baumeln fünf Gondeln über den Grünflächen. Seilbahnen in München habe es bereits gegeben, ist darunter zu lesen. Ginge es nach Aigner, könnten sie bald wieder über der Stadt schweben. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs "stößt mangels Flächen an Grenzen", heißt es in der Broschüre. Deshalb will Aigner prüfen, ob nicht auch der Luftraum geeignet ist, um die Verkehrsprobleme in Großstädten in den Griff zu bekommen. "München könnte den Anfang machen."

Aigner hat diese Idee am Dienstag im Kabinett vorgestellt und dabei gesagt, sie habe bereits eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Zudem kündigte sie an, sich mit Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zu treffen, um zu besprechen, wo in München mal Gondeln fahren könnten. Möglicherweise hat es aber auch schon das eine oder andere Gespräch gegeben, denn nahezu gleichzeitig wurde am Dienstag eine Einladung an die Medien verschickt. Die Verkehrsministerin, der OB und die Schörghuber-Gruppe wollten am Mittwoch "eine Idee für ein innovatives Nahverkehrssystem für den Münchner Norden" vorstellen, heißt es darin.

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Es dürfte kein Zufall sein, dass der Treffpunkt die Feuerwache 7 an der Moosacher Straße ist. Also gleich hinterm Frankfurter Ring, der alle Voraussetzungen für einen Versuch mitbringt. Mit einer dort verlaufenden Seilbahn ließen sich verschiedene U-Bahn-Linien tangential verbinden: die U 3 an der Station Oberwiesenfeld mit der U 2 (Frankfurter Ring) und der U 6 an der Studentenstadt. Der Ring ist oft verstopft, so dass Busse gerne im Stau stehen. Gondeln aber könnten über die Fahrbahnen hinwegschweben.

Erst vor einem Monat hatten Reiter und der Landrat des Landkreises München, Christoph Göbel (CSU), in einem gemeinsamen Interview mit der Süddeutschen Zeitung Sympathien für Seilbahnen bekundet. Der große Vorteil der Seilbahntechnik sei, dass ein Kilometer acht Millionen Euro koste, sagte Göbel, ein Kilometer U-Bahn aber 100 Millionen Euro. Reiter sieht Seilbahnen als Möglichkeit, Tangentialstrecken in der Stadt zwischen U-Bahn-Ästen anders zu überwinden als bisher. Er möge gerne Trambahnen, sagte Reiter. Aber auch sie hätten den Nachteil, dass es viel länger dauere, bis sie realisiert seien, und dass sie viel teurer kämen als jede Seilbahn.

Allerdings haben Seilbahnen das Problem, dass sie im Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz fehlen, also im urbanen Raum nicht gefördert werden. Dennoch kommt die Idee auch in München immer wieder auf. Vor fünf Jahren etwa schlugen die Grünen vor, Thalkirchen via Tierpark mit Harlaching zu verbinden; schon vorher entwickelten zwei Ingenieure die Idee, eine Seilbahn zwischen Englschalking und der Messe Riem zu bauen und sie eventuell sogar als Verbindung zum Flughafen weiterzuführen. Ein weiterer Nachteil von Seilbahnen ist die schwierige Infrastruktur für die Stationen, an denen die Fahrgäste aus- und einsteigen sollen. Dafür benötigt man Grundstücke oder Gebäude, an die man andocken kann. Wenn die Schörghuber-Gruppe in der Pressekonferenz nicht nur als möglicher Investor die Idee einer Münchner Seilbahn vorstellt, könnten eventuell auch ihre Immobilien eine Rolle spielen.

Seilbahnen in Städten sind beileibe nichts Neues. In Barcelona etwa fährt die bei Touristen überaus beliebte Hafenseilbahn sowie eine auf den Hausberg Montjuïc. In Köln gibt es seit 60 Jahren eine Seilbahn, die allerdings seit Juli 2017 außer Betrieb ist - dort mussten nach einem Unfall mit einem losen Seil 65 Menschen aus 40 Metern Höhe abgeseilt werden. In Koblenz blieb eine Bahn nach der Bundesgartenschau stehen. Dort könnten generell 3800 Menschen pro Stunde transportiert werden, ist in Aigners Broschüre zu lesen. Eine Buslinie dagegen, selbst wenn sie im Fünf-Minuten-Takt verkehre, schaffe in derselben Zeit nur 720 Personen. Die Koblenzer Seilbahn erbringe damit "die weltweit höchste Förderleistung". Es lohne sich, die Möglichkeiten auszuloten, schließlich sei Bayern "das Seilbahnland in Deutschland".

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) indes hatte nach der Kabinettssitzung am Dienstag seine Euphorie beim Thema Seilbahnen im Griff. "Es ist eine sehr sensible Thematik", sagte er. Es gebe immer zwei Meinungen: die einen, die auf den Verkehrseffekt hinweisen, und die anderen, denen es um die Optik gehe. "Es muss im höchsten Einvernehmen mit den Leuten vor Ort geschehen", forderte Söder für solche Projekte. Das Umfeld müsse passen. Er selbst könne sich eine Seilbahn etwa gut im Zusammenhang mit einer Universität vorstellen. "Denkbar ist vieles", sagte Söder.

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