Verhütungskosten für Hartz-IV-Empfänger Pille von der Kommune

Sie wollen nicht schwanger werden, doch es ist kein Geld für Kondome oder die Pille da. Bedürftige Familien bekommen in München das Geld für Verhütungsmittel nicht mehr erstattet. Die Beratungsstelle Pro Familia möchte dies ändern - denn es gibt immer mehr Schwangerschaftsabbrüche.

Von Anne Fromm

Dunja Nahinis (Name geändert) große Hoffnung sitzt hinter einer großen Holztür in der Türkenstraße: Helga Schwarz. Schwarz ist Ärztin bei der Beratungsstelle Pro Familia. Sie hilft Frauen und Familien, die kein Geld für Verhütungsmittel haben. So wie Dunja Nahini. Nahini hat fünf Kinder zur Welt gebracht. Vor zwei Jahren hatte sie eine Fehlgeburt, danach wurde sie depressiv. Sie nahm Medikamente und machte eine Psychotherapie. Ein Jahr später begann das Gleiche von vorn - mit einer Fehlgeburt zu Beginn der Schwangerschaft. Noch einmal möchte sie das nicht erleben müssen. Aber Verhütungsmittel können ihr Mann und sie nicht bezahlen. Denn sie leben von Hartz IV.

Seit der Einführung der Arbeitsmarktgesetze bekommen bedürftige Familien die Pille nicht mehr erstattet. Der Hartz-IV-Regelsatz sieht derzeit gut 15 Euro monatlich für Gesundheitspflege vor. Dazu gehören Praxisgebühr, Medikamente, Zuzahlung in Apotheken und Verhütungsmittel. Eine Pillenpackung aber kostet allein zwischen zehn und 20 Euro im Monat. Langfristige Verhütungsmittel, wie Spiralen, kosten 100 bis 350 Euro. Das können sich viele nicht leisten.

"Es kommen jedes Jahr mehr Frauen"

Eine Kölner Studie zeigt, dass seit 2005 die Zahl der Hartz-IV-Bezieherinnen, die immer verhüten, von zwei auf ein Drittel gesunken ist. Nicht, weil die Frauen schwanger werden wollen, sondern weil schlicht kein Geld für Kondome, Pille oder die Spirale da ist. Das beobachtet auch Ärztin Helga Schwarz. "Es kommen jedes Jahr mehr Frauen zu uns."

Pro Familia bekommt jährlich etwa 25.000 Euro von der Stadt und von Spendern für Verhütungsmittel. Im vergangenen Jahr konnte der Verein 75 Frauen Langzeitverhütung und 168 Frauen die Pille bezahlen. "Das ist nur ein winziger Teil derer, die Unterstützung bräuchten", sagt Schwarz mit Blick auf die mehr als 23.000 Hartz-IV-Empfänger in München.

Wenn der Finanztopf von Pro Familia ausgeschöpft ist, muss Schwarz Frauen wegschicken, ohne ihnen helfen zu können. Deswegen hat Pro Familia die Grüne Stadtratsfraktion gebeten, sich dafür einzusetzen, dass die Kommune künftig die Verhütungskosten von Hartz-IV-Beziehern übernimmt.