Übertritt auf das Gymnasium Zahlen schwanken stark

Im Bedarfsfalle wolle die Stadt zusätzliche Personalausgaben schultern. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass Eltern und Schüler in diesem Jahr, vielleicht einmalig, vom wahlkampfbedingten Gerangel um die Bildungspolitik profitieren könnten. Noch hält sich die Stadt bedeckt, wie flexibel genau man sein will. Doch Insider gehen davon aus, dass in dem ein oder anderen dichter besiedelten Viertel zusätzliche Klassen eingerichtet werden könnten - aber am Ende, trotz allen Bemühens, doch nicht jeder Schüler seinen Erstwunsch bekommt.

Im Osten Münchens könnte dies nötiger sein als im Westen, vermutet Karin Oechslein. Letzteren betreut sie als Ministerialbeauftragte. Mit ihrem Ost-Kollegen gehört sie zu der großen Runde aus staatlichen und städtischen Vertretern, die sich bereits am Abend des 8. Mai im Referat für Bildung und Sport über die frischen Anmeldezahlen beugt: Kein unbedingt schöner, aber ein sehr spannender Moment sei das, voller Überraschungen.

Denn anders, als dies in Elternkreisen kursiert, gebe es weder Trendschulen noch besonders begehrte Ausrichtungen. Die Zahlen schwankten von Jahr zu Jahr stark. Auch das städtische Referat für Bildung und Sport spricht daher von einem "Schweinezyklus". Wer in einem Jahr besonders viele Kinder ablehnen musste, hat im Folgejahr oft weniger Einschreibungen. Schon in jener ersten Runde wird entschieden, an welcher Schule wie viele fünfte Klassen eingerichtet werden, wo es zu viele Kinder gibt und welche Schulen noch andere Kinder aufnehmen könnten. Einziges Kriterium, das über Zuschlag oder Ablehnung entscheidet, sei die Entfernung zum Wohnort, sagt Karin Oechslein.

Schulleiter reden mit Kollegen, auch im Umland, und sie reden mit Eltern. Auf eine Absage reagierten diese sehr unterschiedlich, sagt Oechslein. "Manche sind sehr kooperativ, mit anderen muss man lange diskutieren. Mancher drohe auch mit dem Rechtsweg. Gegen den Willen der Eltern werde kein Kind an eine Schule geschickt, auf die es keinesfalls gehen soll. Das sagt auch Schulleiter Seidl: "Wir zwingen niemanden, der Latein als erste Fremdsprache will, Englisch zu nehmen. Und wir jagen auch kein Kind quer durch die ganze Stadt". Dass sie sich in diesem Jahr, ohne die ganz rigide Deckelung, Hoffnungen machen, sich einige Problemfälle zu ersparen, daraus machen weder Schulleiter noch Ministerialbeauftragte einen Hehl. "Es wird einfacher sein, jetzt zwischen den sehr vollen staatlichen und den städtischen Schulen hin und her zu verteilen", vermutet Oechslein.